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Radevormwald
Hälfte der Rader wählte im Jahr 1933 die NSDAP

Radevormwald. Die nationalsozialistische Zeit in Radevormwald vor dem Zweiten Weltkrieg hat Dörte Hofschen mit Hilfe vieler historischer Quellen erforscht und aufgearbeitet. Ihre Ergebnisse präsentierte sie am Freitagabend im Mehrzweckraum des Bürgerhauses bei einer Veranstaltung des Bergischen Geschichtsvereins. Von Flora Treiber

Ihr Vortrag, über die Zeit zwischen 1933 und 1939 zog zahlreiche Zuhörer an. "Das Thema ruht immer noch nicht, und das ist auch gut so. Nur durch Aufklärung können solche Ereignisse in der Zukunft verhindert werden", sagte Hofschen, die ihren Vortrag mit zahlreichen Bildern des damaligen Stadtrats und dem Leben in Rade ausschmückte. Aus Schulchroniken der Ortschaften Önkfeld und Filderheide geht hervor, dass die Machtergreifung am 30. Januar 1933 als kein einschneidender und historisch bedeutsamer Tag in Radevormwald erlebt wurde. "Am 30. Januar vollzog sich in aller Ruhe die nationale Revolution", hieß es in Önkfeld. "Deutschland, das im bolschewistischen Chaos zu versinken drohte, wurde durch die Regierungsübernahme gerettet", schrieb Lehrer Ewald Berghaus in Filderheide nieder. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurde meist wohlwollend, aber ruhig hingenommen.

"Während meiner Recherche konnte ich nichts über Feste oder Fackelzüge finden", sagte die Referentin. Den entsetzlich schnellen Aufstieg der NSDAP auch in Rade verdeutlichte sie mit einem Überblick alter Wahlergebnisse. Bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 erhielt die NSDAP vor Ort 47,4 Prozent der Stimmen, während es im Reich im Vergleich nur 43,9 Prozent waren. "Bereits dieses Wahlergebnis zeigt, wie schnell die Nationalsozialisten Anhänger im Bergischen Land gefunden hatten, nachdem 1929 die erste Veranstaltung der NSDAP in Rade stattfand." Auch bei den Kommunalwahlen im selben Jahr siegten die Nationalsozialisten mit 47,6 Prozent der Stimmen und ließen die KPD, das Zentrum, die Nationale Liste und die SPD weit hinter sich zurück. Die augenscheinlich demokratischen Strukturen bekamen bei der Sitzung der Stadtverordneten am 29. März 1933 das erste Mal sichtliche Risse. "Die Kommunisten wurden zu dieser Sitzung nicht eingeladen", sagte Hofschen.

Wenige Monate später verkündete die Bergische Landeszeitung: "Der letzte Rader KPD-Funktionär in Schutzhaft!" Dieser hatte sich, nachdem seine Frau in Geiselhaft genommen war, gestellt und kam anschließend in das Konzentrationslager Kemna (Wuppertal, zwischen Beyenburg und Oberbarmen). "Dort wurde er schwer misshandelt." Zahlreiche Rader wurden in Kemna zwischen 1933 und 1934 festgehalten, misshandelt und waren den Ideologien der Nationalsozialisten gewaltsam ausgesetzt.

Den Kampf gegen die Kirchen hatten die Nationalsozialisten 1939 gewonnen, als es keine konfessionellen Schulen mehr gab. "Die Lindenbaumschule wurde zur Hans-Schemm-Schule, der als 'treuer Gefolgsmann Hitlers' galt", sagte Hofschen. Sie gab in ihrem Vortrag, der auf dem Stadtarchiv der Bergischen Landeszeitung, Sonderheften des Bergischen Geschichtsvereins und Aufzeichnungen von Hans Dürhager und Dietrich Hoffmann basierte, auch einen Einblick in das gesellschaftliche Leben in Radevormwald. "Mit dem rasanten Aufstieg der NSDAP fing das Unglück des Zweiten Weltkrieges bereits viele Jahre vor 1939 in Rade an", sagte sie.

Quelle: RP
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