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Radevormwald
Haftstrafen für "Freundeskreis Rade"

Radevormwald: Haftstrafen für "Freundeskreis Rade"
Diese T-Shirts, Embleme und Waffen präsentierte die Kölner Staatsanwaltschaft am Tag der Razzia, am 25. April 2012, bei der 17 Wohnungen in der Stadt durchsucht worden waren. FOTO: rue
Radevormwald. Sechs Mitglieder der rechtsextremen Gruppierung "Freundeskreis Rade" sind vom Kölner Landgericht zu Haftstrafen verurteilt worden, einer erhielt eine Geldstrafe. Der Anführer muss für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Von Sebastian Fuhrmann

Vor dem Landgericht Köln wurde am Montag das Urteil im Prozess gegen die Gruppierung "Freundeskreis Rade" verkündet, deren Mitgliedern unter anderem die Bildung einer fremdenfeindlichen und kriminellen Vereinigung nachgewiesen werden konnte. Verurteilt hat das Gericht die sieben Männer zusätzlich wegen Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung. "Die Mitglieder haben sich als Organisation verstanden. Es gab regelmäßige Treffen", sagte die zuständige Richterin Sibylle Grassmann in der Urteilsbegründung.

Bis auf eine Ausnahme erhielten die sieben jungen Männer Strafen zwischen sechs und 18 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Lediglich der Anführer der Gruppierung wurde zu einer Haftstrafe ohne Bewährung mit einer Gesamtdauer von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

April 2012: Razzia bei Neonazis und "Pro NRW" FOTO: dpa, Marius Becker

Aufgrund des vergleichsweise jungen Alters der Täter war der Prozess seit September unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt worden. In der Urteilsverkündung wurden nun erstmals genauere Details zu den Taten bekannt. Unter anderem griffen Mitglieder der Gruppierung im April 2011 am Beyenburger Stausee eine ausländische Gemeinschaft mit Kindern an. Mit den Worten "Das ist unser Gebiet, wir wollen euch hier nicht", sollen sich die Täter vor der Gruppe aufgebaut haben. Um unerkannt zu bleiben, vermummten sich die Männer, umzingelten und bedrohten die Personen. Dabei kamen auch ein Messer und ein Schlagstock zum Einsatz. Am Essener Hauptbahnhof kam es zu einer wüsten Schlägerei mit Mitgliedern aus der linksautonomen Szene, bei der Glasflaschen als Waffen eingesetzt wurden. Überdies verbreitete der "Freundeskreis" rechtsextremes Gedankengut im Internet und verteilte Hitler-Sticker mit der Aufschrift "Juden sind unser Unglück". "Es gab eine eindeutige rechte Gesinnung", erklärte Richterin Grassmann. Menschenverachtung habe "das Ganze geprägt", so die Richterin weiter.

Ins Fadenkreuz der Gruppierung geriet auch ein Lehrer, der bei seinen Schülern Aufklärungsarbeit gegen Rechtsextremismus betrieb. Zur Einschüchterung hing der "Freundeskreis" an der Schule Plakate mit dem Gesicht des Beamten auf, das in ein Fadenkreuz gerückt war.

An den zahlreichen Prozesstagen wurden nach Auskunft des Gerichts rund 180 Zeugen verhört, um die Taten der zur Tatzeit zwischen 18 und 24 Jahre alten Täter aufzuarbeiten. Auch zahlreiche Telefonate wurden vor Gericht gehört, dazu Dateien auf beschlagnahmten Datenträgern gesichtet. Die Ermittlungen ergaben "das keiner der Täter als Mitläufer einzustufen ist", sagte die Richterin. Neben den Haftstrafen wurde ein Großteil der Mitglieder deswegen auch zu jeweils 100 Sozialstunden und einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro verurteilt. Nur einer der sieben Angeklagten entkam einer Haftstrafe. Weil ihm der Haupttatbestand, die Mitgliedschaft in der kriminellen Vereinigung, nicht nachgewiesen werden konnte, erhielt das ehemalige "Pro NRW"-Mitglied mit Sitz im Rader Stadtrat eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 25 Euro.

Reue hätten die jungen Männer für ihre Taten im gesamten Prozess vermissen lassen. Der Rädelsführer sei nach Auffassung des Gerichts auch weiterhin in der rechten Szene aktiv. Im Prozess konnten der kriminellen Gruppierung auch Verbindungen zu anderen rechtsextremen Gruppen nachgewiesen werden. Unter anderem bestand ein reger Austausch mit Rechten aus Wuppertal und Aachen. Inzwischen habe sich der "Freundeskreis" aufgelöst, teilte das Gericht mit.

Quelle: RP
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