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Radevormwald
Hausfriedensbruch an alter Papierfabrik

Radevormwald: Hausfriedensbruch an alter Papierfabrik
Das gesperrte Gelände der alten Papierfabrik in Wilhelmstal übt immer wieder einen ungeheuren Reiz auf Abenteuerlustige aus. FOTO: wolfgang scholl
Radevormwald. Weil sie auf das Firmengelände eingedrungen waren, standen vier Radevormwalder jetzt vor dem Wipperfürther Amtsgericht. Immer wieder erkunden Neugierige verbotenerweise das Gelände. Von Brigitte Neuschäfer

In der alten Papierfabrik in Wilhelmstal wird seit Jahrzehnten nicht mehr produziert. Die Firmengebäude und eine alte Villa auf dem Grundstück verfallen. Inzwischen ist es lebensgefährlich, das Gelände mit den baufälligen Gebäuden zu betreten. Deshalb ist es mit Bauzäunen und Stacheldraht abgesperrt.

Schilder weisen darauf hin, dass das Betreten verboten ist und Lebensgefahr besteht. Vom Eigentümer der Immobilie beauftragte Sicherheitskräfte unternehmen regelmäßig Kontrollgänge - und dennoch übt das Gelände eine eigenartige Faszination auf "Abenteuerlustige" aus, die es trotz Verbots unbedingt näher erkunden wollen.

"Wir fanden es spannend, mal zu gucken, was da so ist": So begründete auch ein 22 Jahre alter Radevormwalder jetzt vor dem Amtsgericht in Wipperfürth, warum er an einem frühen Abend im August vorigen Jahres gemeinsam mit anderen auf das Firmengelände eingedrungen war. Er, sein Bruder, dessen Lebensgefährtin und deren Mutter mussten sich deshalb nun vor dem Strafrichter verantworten. Die Anklage lautete auf Hausfriedensbruch. Gemeinsam mit den anderen drei Angeklagten habe er an dem Sommertag einen Spaziergang durch den Wald bei Wilhelmstal unternommen, sagte der 22-Jährige aus. Angesichts des alten Fabrikgeländes habe man dann spontan entschieden, sich das einmal näher anzusehen. "Dann waren wir endlich auf dem Gelände und irgendwie eingesperrt, wir kamen nicht mehr raus", schilderte der Radevormwalder. So hätten sie schließlich einen der Zäune geöffnet. Dabei wurden sie von einer Sicherheitskraft auf Kontrollrunde ertappt. Der rief die Polizei, bei der der Eigentümer des Fabrikgeländes dann Strafantrag gegen die Eindringlinge stellte. Damit nahm das Strafverfahren seinen Lauf.

"Wir bringen jeden zur Anzeige, den wir auf dem Gelände erwischen", sagten zwei als Zeugen geladene Sicherheitskräfte aus. Dabei gehe es dem Eigentümer um Abschreckung, denn: "Viele wollen sich anscheinend den Verfall dieser alten Fabrikanlage genauer ansehen, dafür sind sogar schon Leute aus Holland und Irland angereist." Dabei gebe es dort nichts zu sehen und in der längst leer geräumten Fabrik auch nichts zu holen.

Dennoch versuchten immer wieder Neugierige, auch ins Gebäude zu kommen. Dabei spielten sie wegen der akuten Einsturzgefahr mit ihrem Leben, was aber, ebenso wie die Verbots- und Warnschilder an der massiven Umzäunung, schlicht ignoriert werde.

Da die vier nun Angeklagten keinen Schaden angerichtet hatten, beließ es der Richter im Einvernehmen mit dem Staatsanwalt wegen des Hausfriedensbruchs bei einer Verwarnung mit Strafvorbehalt. Sollten sich die nicht vorbestraften Radevormwalder in den nächsten beiden Jahren nichts mehr zuschulden kommen lassen, müssen sie die nun auf Bewährung verhängten Geldstrafen nicht bezahlen. In jedem Fall zahlen müssen sie aber eine Geldauflage in Höhe von jeweils 100 Euro an die Staatskasse.

Mit auf den Weg gab ihnen der Richter eine ernsthafte Ermahnung: "Bleiben Sie da weg, denn Zäune und Schilder stehen nicht umsonst da." Mit den illegalen "Besuchen" auf dem alten Fabrikgelände müsse Schluss sein - "sonst haben wir demnächst Leichen da liegen, weil Gebäudeteile eingestürzt sind".

Quelle: RP
 
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