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Radevormwald
Heirat sorgte vor 500 Jahren für große Aufregung

Radevormwald. Anna von Kleve war etwa 25 Jahre Pfandherrin von Beyenburg. Große Klosterkirche ist ein Zeugnis der Geschichte.

Es sei eine reine Zufallsbekanntschaft gewesen, hob Beyenburg-Kenner Gerd Helbeck hervor. Im Zuge seiner intensiven Forschungsarbeiten an der bergischen Geschichte, hier insbesondere die der "Bergischen Perle", wie Beyenburg gerne genannt wird. "Wer sich mit der langen Geschichte von Beyenburg auseinandersetzt, der kommt um Anna nicht herum", erzählte Gerd Helbeck schmunzelnd.

Diese Dame und ihre ungewöhnliche Lebensgeschichte hat es ihm sehr angetan. Viele Monate hatte er sich auf die Spuren von der schönen und offensichtlich auch sehr emanzipierten Frau gemacht. "Ich habe schon vor zwei Jahren einen Artikel über Anna von Kleve in einer Fachzeitschrift veröffentlicht", erzählte Helbeck. Jetzt konnte er im gut besuchten Mehrzweckraum des Bürgerhauses die Person der Öffentlichkeit vorstellen. Dabei ging er auf ein scheinbar kleines Verwechslungsspiel ein.

Auf der großen Dia-Leinwand zeigte er eine wunderschöne Frau in edler Kleidung. Doch es war nicht die Anna, die ihn schon gedanklich lange Zeit beschäftigt hatte, sondern deren Tante, Anna von Kleve, Jülich und Berg, spätere Königin von England.

Ihre Nichte war es, die einst zeitweise auf Schloss Burg aufwuchs und die einen französichen Herzog ehelichen sollte. Gerd Helbeck schaffte es, seinem Publikum das bunte Geschehen in Sache Liebe in der damaligen Zeit offenzulegen. So erfuhren die Besucher des Vortrages, dass Anna letztlich still und heimlich einen anderen als ursprünglich für sie auserwählt, ehelichte. Der Graf Franz von Waldeck, ein Witwer mit eigenen Kindern, war der Glückliche, den Anna für sich selbst auswählte.

Gerd Helbeck erzählte, dass die heimliche Vermählung nicht lange gehein blieb und somit bei Hofe der Fürsten, Herzögen und sogar des Kaisers für ein Debakel sorgte. Sie löste eine heftige politische Auseinandersetzung aus, die aus heutiger Sicht mit dem Beginn der deutsch-französischen Erbfeindschaft und dem Aufstieg der Habsburger Weltmacht verknüpft wird.

Durch die Heirat der Anna mit dem Grafen und gleichzeitigen Pfandherrn von Beyenburg erwarb sie sich nach dessen Tod die Rechte einer Pfandherrin. Mehr als 25 Jahre übte Anna von Kleve die landesfürstliche Macht aus, während sie neben diesem Amt die Kinder aus der ersten Ehe ihres Ehemannes und die eigenen großzog.

Helbeck berichtete, dass noch heute in der katholischen Kirche Lüttringhausen das Grab eines der drei Söhne von Anna ist. Es sei aber heute in Vergessenheit geraten. Anna von Kleve (1495-1567) selbst lebte zeitweise in Beyenburg, reiste aber auch viel innerhalb Deutschlands und nach Frankreich und Spanien. Sie liegt heute in Mengringhausen bei Waldeck, der Heimat ihres Ehemannes, begraben.

"Ihr Grab ist heute leider nicht mehr als solches erkennbar", erzählte Helbeck. Er verstand es, die an zahlreichen unterschiedlichen Schauplätzen entstandene Lebensgeschichte der Anna von Kleve wie auch deren großes Verwandschaftsnetz gekrönter Häupter packend vorzustellen. Es war gut erkennbar, dass der ehemalige Archivar und Museumsleiter mit Herzensblut in der Vergangenheit der Pfandherrin geforscht hatte. Mitglieder des Radevormwalder BGV sowie Gäste waren sehr angetan von dem bebilderten Vortrag. Die Forschungsarbeiten sind derzeit nicht als gedruckte Publikation erhältlich.

(sig)
 
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