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Radevormwald
Heizen mit Öl 17 Prozent günstiger als Gas

Radevormwald: Heizen mit Öl 17 Prozent günstiger als Gas
Heizen und dabei kräftig sparen: Das können Radevormwalder zurzeit sehr gut mit Öl. Gas ist etwa 17 Prozent teurer. FOTO: andrea warnecke (dpa)
Radevormwald. Wer in Radevormwald mit Öl heizt, spart gegenüber Gasverbrauchern seit Wochen kräftig Kosten. Ein Grund dafür ist der Ölpreisverfall. Zu einem Wechsel von Gas auf Öl hat das aber bisher kaum einen Radevormwalder bewogen. Von Jessica Balleer

Dass sich die OPEC-Länder Russland und der Iran nicht einig werden, wirkt sich direkt auf die Portemonnaies der Radevormwalder aus: Bereits vor Monaten ist der Preis für Heizöl weltweit massiv gefallen. Das spürt der Verbraucher, denn in der zu Ende gegangenen Heizperiode verringerten sich die Ölheizkosten in den Städten der Region merklich. Die Stadtwerke Radevormwald haben die Gas- und Heizölpreise verglichen. "Bei uns in der Region spart man mit Heizöl derzeit etwa 17 Prozent", sagt Udo Knopp vom Energievertrieb der Stadtwerke Radevormwald (SWR.). Diese Zahl gelte für das gesamte SWR.-Gebiet.

So kostet der Durchschnittsverbrauch von 2000 Litern Öl in einem Einfamilienhaus derzeit 986 Euro. Vergleichbar mit diesem Ölverbrauch ist ein durchschnittlicher Erdgasverbrauch von 20.000 kw/h pro Jahr. Im Spartarif der SWR. kostet das 1166,80 Euro - etwa 180 Euro mehr. Der reine Energiepreis ist etwas mehr als 20 Prozent günstiger.

"Das ist ein kurzfristiger Effekt", gibt Udo Knopp zu bedenken. Ist der eigene Tank bereits voll, profitiert man von aktuellen Preisen nicht. Während die Stadtwerke einen relativ konstanten Gaspreis bieten, müsse man beim Öl in Vorleistung gehen. "Abziehen muss man auch den vier Prozent schlechteren Wirkungsgrad, weil Öl schlechter verbrennt", sagt Knopp. Öl-Kunden wissen, dass auch die Wartung teuer ist. Die reine Betrachtung der Marktpreise, wo der Liter Heizöl derzeit 49 Cent kostet, dürfte die 3951 Kunden in Rade dennoch ärgern, die an das Gasnetz angeschlossen sind.

Dabei spielt neben dem aktuellen Marktpreis der Verbrauch eine entscheidende Rolle. Und der wiederum hängt von der Dämmung und den klimatischen Bedingungen ab. 15,4 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen die Deutschen laut dem Energiedienstleister "Techem". Der durchschnittliche Gasverbrauch im Haushalt liegt bei etwa 15 Kubikmetern Gas pro Quadratmeter-Wohnfläche und Jahr - für Heizung und Warmwasser. Mit einem Gasverbrauch von 113 kWh/m² liegt der Oberbergische Kreis laut "Techem" im Bundesdurchschnitt. Insgesamt ist der Verbrauch der Privat- und Gewerbekunden im Netzgebiet des SWR. relativ konstant.

2014 benötigten Rader zwar etwa elf Prozent mehr Gas als im Winter 2013. Doch dieser direkte Vergleich ist schwierig, die Zahlen der Industrie sind hier enthalten. Ob Vermietung oder Verpachtung: In Radevormwald ließen 110 Haushalte einen neuen Gas-Netzanschluss legen, 67 stellten von Öl auf Gas um. Der Wechsel von Gas auf Öl ist sowieso mehr als unüblich: "Weg vom Gas gibt es eigentlich nicht", sagt Knopp. Die Preisdifferenz sei für ihn kein Wechselgrund: Wirkungsgrad, Wartungskosten - die 180 Euro seien durch den Aufwand und das schlechtere Heizsystem schnell aufgebraucht.

"Ich muss bei Gas nicht über Vorkasse nachdenken und mich auch nicht um alles selber kümmern." Wer über modernes Heizen nachdenke, der sei bei einer Wärmepumpe, Pellet-Öfen oder eben beim Erdgas, aber längst nicht mehr beim Öl. Über Jahre hatten Experten den Kunden zur Gasheizung geraten.

Zwar hat sich vor einem halben Jahr das Preisniveau zugunsten des Öls verkehrt. Doch seit wenigen Tagen erholt sich der Ölpreis wieder. Deshalb ist ein Anpassen des Gaspreises kaum zu erwarten. Die Stadtwerke Radevormald gehen davon aus, dass der Preisvorteil eine Momentaufnahme ist und sich das Preisniveau in den kommenden Monaten wieder auf den Stand "normalisiert", den es vor Herbst 2015 hatte, als der Ölpreis massiv fiel.

Entschieden wird das aber nicht in Radevormwald, sondern in den OPEC-Ländern der Welt.

Quelle: RP
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