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Serie Traditionsberufe
Heute hilft der PC den Augenoptikern

Serie Traditionsberufe: Heute hilft der PC den Augenoptikern
Marcus Strunk ist Augenoptikermeister und kennt das Berufsbild des Traditionsberufes seit 1988. 1995 absolvierte er in Dortmund seine Meisterprüfung. FOTO: moll
Radevormwald. Augenoptikermeister Marcus Strunk hat seine Lehre 1988 noch im Kittel begonnen. Zur Unterstützung der persönlichen Beratung und der Erstellung einer Brille ist heute die Computerunterstützung unerlässlich. Von Flora Treiber

radevormwald Marcus Strunk ist Augenoptiker aus Überzeugung. Er hat sich früh für seinen Beruf entschieden, weil er ein Handwerk mit Fingerspitzengefühl, Kundenorientierung und täglicher Herausforderung suchte. Warum das Berufsbild immer noch ziemlich unbekannt ist, kann der Radevormwalder nur vermuten: "Der größte Teil unserer Arbeit findet nicht vor den Augen der Kunden statt und ist nicht sichtbar. Viele verwechseln uns mit Verkäufern. Augenoptiker sind aber viel mehr Handwerker mit großem Wissen und natürlich auch Verkaufsgeschick."

Die erste offizielle Berufsbeschreibung für Augenoptiker wurde Anfang der 1900er Jahre niedergeschrieben. Marcus Strunk hat in seiner, im Vergleich kurzen Berufszeit, die Entwicklung der Technik miterlebt. Brillengläser wurden schmaler, Kontaktlinsen weicher und die Brillengestelle haben sich von riesig zu klein und dann wieder zu auffälligen und markanten Modellen entwickelt. Von dem Start seiner Ausbildung 1988 bis heute hat sich einiges verändert. "Ich habe meine Ausbildung noch im Kittel gemacht", erinnert sich Strunk und ergänzt, "die Entwicklung der Technik hat sich in meinem Beruf besonders stark gezeigt. Heute können wir die Augen mit ganz anderen Mitteln vermessen und durchleuchten. Das ermöglicht präzisere Ergebnisse und eine bessere Beratung der Kunden als noch zu Beginn meines Berufslebens."

Wer Augenoptiker werden möchte, muss gute Noten in Mathematik, Chemie und Physik haben, handwerkliches Geschick mitbringen, Genauigkeit schätzen und ein Gefühl für die Bedürfnisse seines Gegenübers haben", sagt er. Neben den technischen Daten müsse man erkennen, was der Kunde möchte. "Die richtige Brille zu finden ist oft schwer und braucht Erfahrung", sagt der 44-Jährige.

In seinem Geschäft am Rader Marktplatz wird nicht nur verkauft und beraten: Im ersten Obergeschoss werden auch die Augen unter die Lupe genommen, in der Spitze des Hauses hat die Werkstatt ihren Platz gefunden, in der die Brillengläser geschliffen und an die jeweiligen Brillengestelle angepasst werden.

"Bei dieser Arbeit ist Geschick gefragt. Das ist der Ort, an dem wir unser Know-how umsetzen müssen", sagt Strunk. Er ist seit 1995 Meister in seinem Beruf und bildet seit 2006 aus. Die Auszubildenden lernen alle Facetten des Berufs kennen und absolvieren, wie alle Mitarbeiter, regelmäßig Fortbildungen. "Unser Beruf steht nie still."

Für Verwirrung sorgt bei manchen Kunden die präzise Trennung zwischen Augenoptikern und Augenärzten. Beide arbeiten zwar oft eng zusammen, haben aber ganz unterschiedliche Aufgabenfelder. "Wir sind beide für gutes Sehen verantwortlich, aber Optiker sind keine Mediziner. Wir stellen keine Diagnosen", sagt Strunk.

Die Entwicklung zu einer Gesellschaft, in der immer mehr für immer weniger Geld gefordert wird, spüren auch die Augenoptiker. "Große Filialisten und Online-Shops machen uns natürlich Konkurrenz. Deswegen brauchen kleine und mittelgroße Optiker ein Gespür für Marketing und müssen gut vernetzt sein." In Gefahr, auch durch das Augenlasern, sieht Marcus Strunk seinen Beruf nicht. "Optiker werden immer gebraucht und entwickeln sich weiter. Die Branche ist klein und bietet Azubis gute Chancen", sagt er. Augenoptiker zu werden kann er deshalb jedem empfehlen, der handwerklich arbeiten und trotzdem in ständigem Kontakt mit Menschen stehen möchte. "Diese Mischung macht unseren Alltag lebendig und abwechslungsreich."

Quelle: RP
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