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Radevormwald
Hilfe aus Rade finanziert ein Waisenhaus

Radevormwald. Bischof Charles Campbell aus Sierra Leone war gestern zu Besuch bei der Kirchengemeinde St. Marien, am Morgen auch im "Eine-Welt-Café". Gemeinsam mit Entwicklungshelferin Mechthild Schmidt berichtete er über die Auswirkungen der Ebola-Epidemie für seine Heimat und über die Arbeit in einem Kinderhaus für Ebola-Waisen in der südlichen Provinz Bo, das auch mit Hilfe von Spendengeld aus Radevormwald finanziert wird. Nächstes Projekt soll eine Hebammenschule sein, um die hohe Kindersterblichkeit im Land zu bekämpfen. Von Cristina Segovia-Buendía

In den Medien ist das Thema längst versiegt, doch vor Ort kämpft Bischof Charles Campbell im Süden Sierra Leones gemeinsam mit der Radevormwalderin Mechthild Schmidt und deren Team weiterhin mit den Auswirkungen der tödlichen Epidemie. "Für uns war der Ebola-Ausbruch ein stiller Krieg", erzählt Bischof Charles Campbell. Nur wenige Jahre nach einem Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg wurde das Land durch den Virus erneut zurückgeworfen. "Wir lebten in einer verzweifelten Situation: Kinder durften nicht mehr zur Schule gehen, die Arbeit wurde stillgelegt. Menschen starben, Kinder wurden zu Waisen." Eine Ausnahmesituation, in deren Anfänge sich auch viele Krankenschwestern und Ärzte infizierten, welche die Symptome falsch einschätzten. "Am Anfang dachten sie noch, es seien Symptome der bei uns häufig auftretenden Infektionskrankheiten Malaria oder Typhus." Insgesamt starben in Bo, einer Stadt mit rund 1,4 Millionen Einwohnern, rund 3800 Menschen, davon 300 Schwestern und elf Ärzte.

Aktuell habe sich die Situation gebessert: "Wir haben jetzt auch endlich diese gelben Schutzanzüge und versuchen, die Bevölkerung aufzuklären", berichtet Campbell. Doch frei von Ebola ist Sierra Leone nicht. "Wir liegen zwischen Liberia und Guinea, zwei der ebenfalls von Ebola am stärksten betroffenen Länder Afrikas. Aus der Gefahrenzone sind wir also keineswegs."

Die Kinder, die Bischof Campbell und Schmidt vor Ort betreuen, versuchen sie, im erweiterten Familienkreis unterzubringen. "Für die Kinder ist es besser, bei Familienangehörigen aufzuwachsen als im Waisenhaus", urteilt Schmidt. Das erste Jahr nach dem Ebola-Ausbruch verbrachten die bis zu 50 Kinder isoliert im Waisenhaus - die Ansteckungsgefahr war zu groß.

Mit einem Teil der Rader Spenden organisierte Schmidt einen kleinen Ausflug für die Kinder. "Für sie war es ein ganz großes Geschenk, das Waisenhaus nach einem Jahr für einige Stunden zu verlassen." Aktuell gehen die Kinder wieder in die Schule, die Arbeit ist wieder aufgenommen. Doch die Probleme bleiben, Hilfe bleibt notwendig. Ein aktuelles Projekt aus Bo, das mit finanzieller Unterstützung von hier verwirklicht werden soll, ist der Aufbau der Hebammenschule. Dort sollen Krankenschwestern spezialisiert werden. "Denn die Kindersterblichkeit ist sehr hoch", sagt Campbell. Noch bis zum 16. April wird er weitere katholische und medizinische Hilfswerke in Deutschland besuchen.

Quelle: RP
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