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Radevormwald
Hommage an Erich Kästner für die erwachsenen Gäste

Radevormwald. Erich Kästner ist den meisten Menschen als Kinderbuchautor bekannt. Wer hat sie nicht gelesen und geliebt, seine Klassiker "Das fliegende Klassenzimmer", "Pünktchen und Anton" oder "Emil und die Detektive"? Dass Erich Kästner, Zeit seines Lebens eher schwächlich und kränkelnd, aber auch bitterböser Satiriker und scharfer Beobachter des Alltags und seiner Verrücktheiten war, ist vielen Lesern nicht bekannt. Hans Georgi, Musikkabarettist aus Würselen bei Aachen mit Wohnsitz in der Eifel, hat mit seinem Programm "Die Welt ist rund" genau diesem Erich Kästner für Erwachsene eine liebevolle, eine warmherzige Hommage geschaffen, die aber auch zum Nachdenken anregt. Am Freitagabend war Georgi im Foyer des Bürgerhauses vor rund 30 Zuschauern zu Gast - und begeisterte sein Publikum.

Die Bühne war mit einem Clavinova, einem Stuhl und einer spanischen Wand sehr übersichtlich dekoriert. Aber mehr braucht Georgi auch gar nicht. Doch, natürlich, die Texte des großen Sohnes Dresdens, Erich Kästner. Kleine Gedichte, kurze und längere Verse, aber immer direkt verständlich, manchmal traurig, manchmal böse, aber meist mit einem Augenzwinkern versehen. Entstanden waren sie in den 1930er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, kurz nach der Wirtschaftskrise und der Weimarer Republik, kurz vor dem Gräuel des Nazi-Regimes. Kästner hat beides erlebt, überlebt und als "Chronist vor Ort" mehr oder weniger offen darüber geschrieben.

"Wenn man sich Kästners Gedicht 'Genesis der Niedertracht' anhört, dann weiß man ganz genau, warum er so viele Geschichten und Bücher für Kinder geschrieben hat", sagte Georgi. "Jeder Charakter ist durch zwei teilbar, da Gut und Böse beisammen sind. Doch die Bosheit ist unheilbar, und die Güte stirbt als Kind.", heißt es da. Da war für einen Moment schweres Schlucken angesagt, genau wie in einem der traurigsten Gedichte Kästners: "Weihnachtslied, chemisch gereinigt." Georgi verteilte eine Triangel an einen Zuschauer, er bekam dazu einen Rentierhut aufgesetzt und durfte das Instrument bedienen: "Morgen, Kinder, wird's nichts geben! Nur wer hat, kriegt noch geschenkt. Mutter schenkte euch das Leben. Das genügt, wenn man's bedenkt."

Im recht intimen Rahmen im Foyer kamen sich Künstler, Zuschauer und der darüber schwebende Kästner sehr nahe. Und auch wenn es einem immer wieder nachdenklich wurde, fühlte man sich doch dennoch wohl. Das lag natürlich auch am Auftreten des Künstlers, der die Texte Kästners zum Teil selbst vertont hat und sie mit allerlei interessanten Details und Anekdoten aus dem Leben des Schriftstellers garniert auf eine Weise darbot, die einem ans Herz ging.

(wow)
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