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Radevormwald
Hundertwasser fasziniert im Dunkeln

Radevormwald: Hundertwasser fasziniert im Dunkeln
Im Dunkeln betrachtet wirken die Werke von Hundertwasser noch einmal ganz anders. Die Besucher im Bartels Gewerbepark jedenfalls zeigen sich nach den Führungen fasziniert und sind begeistert. FOTO: nico hertgen
Radevormwald. Mit diesen verblüffenden Effekten rechnen viele Besucher nicht: "Farben, die im Dunkeln leuchten" - unter diesem Motto stehen die Dunkelführungen im Bartels-Gewerbepark in Dahlerau, bis 3. Januar immer donnerstags und sonntags. Von Sigrid Hedderich

Der Effekt ist verblüffend. Gerade eben trägt das Bild an der Wand das Grau der Nacht. Die Vermutung ist naheliegend, dass sich genau dieses Bild bei hellem Tageslicht durchaus farbenfroh zeigt. Doch jetzt gerade sind Konturen in ein leuchtendes Farbenspiel getaucht. Sie zeigen sich grell-hell in gelben und grünen Tönen. Was ist da passiert? "Es ist nichts gezaubert. Diese Grafiken besitzen zum Teil phosphoreszierende Farbpigmente, die nun gut zu erkennen sind", erklärt Wolfgang Björnskow. Der Ausstellungsführer leuchtet langsam, Zentimeter und Zentimeter ein Werk des Künstlers Friedensreich Hundertwasser mit einer simplen Taschenlampe an. Nach dem Wegnehmen der Lampe sind die hellleuchtenden Linien in der Dunkelheit sehr gut zu erkennen und zu bestaunen. Zwiebeltürme strahlen in hellen Farben. "Das ist ja irre. Die Bilder sehen jetzt ganz anders aus und haben damit eine andere Wirkung als bei Tageslicht", sagt Hans-Günther Rosebrink. Seine Ehefrau ist ebenso von den farbigen und überraschenden Effekten begeistert. "Fantastisch. Wir waren schon im Hellen hier, waren aber jetzt neugierig auf eine Dunkelführung", sagt sie. Die Vorstellungskraft des Ehepaares habe nicht soweit gereicht, es sich vorstellen zu können, welche Effekte hier auf es warten. Am Sonntagabend war zum dritten Mal eine Dunkelführung der Ausstellung "Hundertwasser in Radevormwald" im Gewerbepark Bartels an der Wupper nahe dem Wülfing-Museum angesagt, erstmals aber an einem Sonntag. 25 Besucher kamen, um Kunst in der Dunkelheit zu erleben. Reinhardt Ackermann: "Darauf muss man erst einmal kommen. Eine Führung bei Dunkelheit. Ich bin total begeistert", erzählt der Besucher aus Neviges.

Die Führer durch die Schau hatten dazu die Ausstellungsräumlichkeiten feierlich herausgeputzt. Auf den Fensterbänken brannten unzählige Teelichter, und auch der Eingang war beschaulich mit vielen bunten Glasleuchten, die allesamt hell erstrahlten. "Die Besucher sind immer ganz erstaunt über die Effekte", sagt Ausstellungsführer Ulrich Kühn. Im Wechsel mit Björnskow zeigt er am Tag und bei Dunkelheit die Hundertwasser-Ausstellung. Am Sonntag führte Björnskow die Besucher durch die Räume, nachdem er eine Bildergalerie mit Fotos des Künstlers vorgeführt hatte. Diese war noch bei gedämpftem Licht gut erkennbar, doch schon bald sollte es in die Finsternis gehen. Da wurde die Grafik "Good Morning City Bleeding Town", entstanden 1969 bis 1971, zu einem leuchtenden Häusermeer. Die gelb und weiß phosphoreszierenden Farben hatte Hundertwasser hier mit blau-grünen Farbpigmenten versetzt, um eine unglaublich helle Leuchtwirkung zu erzielen.

Auch die Metallprägungen in zehn Farben dieses Werkes bekamen durch das Anleuchten der Taschenlampe einen tollen Schimmereffekt. Das Werk, gehalten in der Serigraphie-Technik verfügt über 18 Farben. Nicht alle waren in der Dunkelheit zu sehen, wohl aber gestalteten sich die Konturen der Grafik äußerst geheimnisvoll. Blau-Grün zeigte sich auch die "Flucht ins All" mit ihrer leuchtenden Phosphorkraft. Weiter war das Werk "Mit der Liebe warten tut weh, wenn die Liebe woanders ist" als strahlendes Gesamtbild ein Hingucker, der die Gäste in dessen Bann zog.

Björnskow zeigte den Gästen auch die Holzbox, in denen diese Grafiken als das Gesamtwerk "Regentagsmappe" mit zehn Stücken aufbewahrt wurden. Diese hatte Hundertwasser ebenso reichlich mit Metalleffekten ausgestattet, die bei Dämmerlicht ihre Wirkung nicht verfehlen. Feiner Glasgries, mit dem der Künstler ebenfalls gerne experimentierte, brachte sanften Schimmer auf einige Werke und geriet mit den phosphorträchtigen Kunstwerken in Wettstreit.

"Es hat sich gelohnt, heute Abend hierher zu kommen. Ich werde die Dunkelführung auf jeden Fall weiterempfehlen", sagte Besucher Reinhardt Ackermann.

Quelle: RP
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