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Radevormwald
In Erinnerung an den 27. Mai 1971

Radevormwald. Zeit vergeht - Gedenken muss bleiben Von Wolfgang Scholl

Stockend berichtet Armin Maurer, wenn er auf das Zugunglück vom 27. Mai 1971 angesprochen wird. "Die Zeit vergeht, ich möchte, dass das Zugunglück nicht vergessen und an die Verstorbenen erinnert wird", sagt er zu Beginn des Gesprächs.

Verbunden sind damit für ihn auch sehr persönliche Erinnerungen. Maurer, späterer Rektor der Hauptschule, hatte sich als Lehrer der Klassen als Begleitperson für die Fahrt nach Bremen gemeldet. "Da ich auch noch an einer Tagung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft teilnehmen wollte, hat mich das Schulamt vor die Wahl gestellt. Da sich ein weiterer Kollege zur Fahrt nach Bremen bereiterklärt hatte, entschied ich mich für die Gewerkschaftstagung", sagt Maurer. Da er das Rütteln im Zug schlecht verträgt. Und er ergänzt: "Ich hätte in dem Schienenbus vorne gesessen."

An diesem Abend hat Maurer einen Krimi geschaut und dann Rettungsfahrzeuge auf der Wuppertalstraße fahren hören. Wenig später informierte ihn seine erste, inzwischen verstorbene Frau von dem Unglück. Gegen 21.15 Uhr meldete sie sich von einer Konferenz der Grundschule Wupper. "Ich bin sofort zur nur wenige Hundert Meter entfernten Unfallstelle gefahren", sagt Maurer. Dort begegnete ihm Kollegin Ursula Kohtz. "Ihre Frage ,Was ist nur mit uns passiert?', werde ich nie vergessen", sagt er. Er habe das Unfassbare wahrgenommen, aber auch sofort festgestellt, dass er am Unfallort nicht helfen konnte. Er fuhr in die Innenstadt, um zu helfen und koordinieren.

"Der damalige Hauptamtsleiter Hans Gesenberg sagte zu mir, ich solle zur wenige Meter entfernten Schule gehen und die beiden Klassenbücher mitbringen." In der Schule begegnete er Hausmeister Friedhelm Klepping, der in dieser Zeit ebenfalls sehr gut geholfen hat. Als er Gesenberg wieder begegnete, hörte er von ihm den zweiten Satz, den er nie vergessen wird: "Habt Ihr 40 Särge auf Lager?" Gemeinsam habe man die schrecklichen Gewissheiten erhalten. Es gab drei Erkenntnisse: "Tot, schwer verletzt oder wissen wir nicht." Er informierte Schulleiter Ulrich Städing und Heino Janßen. Am nächsten Morgen fuhr Maurer zur Schule - ein Tag mit neuer Zeitrechnung. Er informierte mit Schulleiter Ulrich Städing alle Ankommenden über die schrecklichen Ereignisse.

Alle vier bis fünf Wochen wird Armin Maurer seit dieser Zeit aus sich heraus mit dieser Zeit konfrontiert. Häufig geht er dann auf den Friedhof. Dass später zum Teil wenig oder gar nicht über das Unglück gesprochen worden ist, kann der Ehrenvorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins verstehen. "Das ist kein Thema zum Erzählen, wenn man nicht direkt betroffen ist. Ich zähle mich zu den Betroffenen. Ich kann verstehen, wenn man es nicht schafft, anderen verständlich zu machen, was passiert ist", sagt er.

Sein Wunsch sei es, das wiederholt der 79-Jährige, dass die Stadt nicht vergisst und immer und selbstverständlich das Gedenken an die Verstorbenen erhält. "Besonders die Familien wird das Unglück immer verfolgen", sagt Maurer, der auch im September 2009 durch das Wupper-Busunglück mit mehreren Toten aufgewühlt worden ist. "Trotz allem ist seit dieser Zeit in der Stadt und für die Stadt und besonders auch für Menschen sehr viel Gutes geschehen", sagt Armin Maurer.

Quelle: RP
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