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Radevormwald
In Zukunft aktiv und suchtfrei leben

Radevormwald: In Zukunft aktiv und suchtfrei leben
Sie helfen Menschen mit einem Suchtproblem: Norbert Biesenbach (l.) und Meinolf Wächter vom Offenen Freundeskreis Radevormwald, der sich regelmäßig im Wartburghaus trifft. FOTO: treiber
Radevormwald. Der Offene Freundeskreis Radevormwald im Wartburghaus hilft Menschen seit Jahrzehnten bei deren Suchtproblemen. Norbert Biesenbach und Meinolf Wächter leiten die wichtige Selbsthilfegruppe mittlerweile seit mehr als zehn Jahren. Von Flora Treiber

Mit Süchten offen umzugehen und Hilfe in Anspruch zu nehmen, kostet die meisten Menschen Kraft und Überwindung. Trotzdem finden immer wieder neue Menschen den Weg zu Norbert Biesenbach und Meinolf Wächter. Sie leiten seit mehr als zehn Jahren den Offenen Freundeskreis Radevormwald, der Menschen mit Suchtproblemen durch Gesprächskreise und gemeinsame Seminare hilft. Die Gruppe ist Teil des ALOS-Suchtselbsthilfeverbands, der für "Aktives Leben Ohne Sucht" steht.

"Durch Gespräche und Erfahrungsaustausch finden wir einen Zugang zu den Personen, helfen uns gegenseitig und entwickeln ein Gemeinschaftsgefühl", sagt Meinolf Wächter. Jede Handlung basiert in seiner Selbsthilfegruppe auf freiem Willen. "Niemand muss etwas von sich erzählen. Viele Menschen öffnen sich erst nach einigen Besuchen bei uns und brauchen Zeit. Das ist auch in Ordnung so", sagt Norbert Biesenbach.

Momentan besuchen 15 Männer und Frauen die Selbsthilfegruppe, die selber mit Alkoholsucht kämpfen oder Angehörige, die nicht wissen, wie man mit der Krankheit umgeht. In den vergangenen Jahren haben Norbert Biesenbach und Meinolf Wächter beobachtet, dass besonders Männer immer früher die Selbsthilfegruppe aufsuchen. "Viele junge Männer erkennen schon mit Mitte 20, dass sie süchtig sind. In unserer Generation war das typische Alter dafür deutlich höher", sagt Wächter.

Der 62-Jährige versucht, mit jedem neuen Gruppenmitglied ein einleitendes Gespräch zu führen, um das Konzept der Selbsthilfegruppe vorzustellen und keine falschen Hoffnungen zu wecken. "Wir haben auch keine Abkürzung oder ein Geheimrezept parat. Wer Wunder erwartet, ist bei uns falsch." Wunder bewirken können die vielen Gespräche, die in dem Offenen Freundeskreis geführt werden.

Als hilfreich erweisen sich auch gemeinsame Aktivitäten wie Kegelabende und die Teilnahme an Seminaren. "Wir können zusammen Spaß haben - auch ohne Alkohol, und uns zusammen fortbilden. Seminare sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit", sagt Biesenbach. Wichtig ist außerdem die Zusammenarbeit mit Entzugskliniken. "Wir stehen in engem Kontakt und vermitteln Plätze", sagt Besenbach. Mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die selber Sucht erfahren haben, ist oft der erste Weg, um die eigene Abhängigkeit zu erkennen.

Der Offene Freundeskreis kann von jedem ausgesucht werden - konfessionsungebunden und losgelöst von der Geschichte der Sucht. "Wir schenken jedem ein offenes Ohr und geben Ratschläge", sagt Wächter. Wenn sich die Gruppe immer montags von 19 bis 21 Uhr trifft ist die Stimmung meistens familiär.

Verurteilt wird niemand. "Das war früher vor vielen Jahrzehnten vielleicht mal üblich, aber das funktioniert nicht. Unser Konzept basiert auf Zuhören", sagt Wächter. Er rät jedem, hellhörig auf erste Suchterscheinungen zu reagieren. "Eine Sucht fängt dann an, wenn man nicht nein sagen kann oder die Stimmung von dem Konsum des Suchtmittels abhängig ist. Das sind die ersten Zeichen, auf die man reagieren sollte", erklärt er.

Wer Hilfe bei der Selbsthilfegruppe finden möchte, sollte sich vor dem ersten Besuch telefonisch bei Meinolf Wächter melden, um sich vorzustellen und einen ersten Einblick in sein Problem zu geben.

Quelle: RP
 
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