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Radevormwald
Industriegeschichte zum Angucken und Anfassen

Radevormwald: Industriegeschichte zum Angucken und Anfassen
Graveur Frank Franzke (l.) erläutert Besuchern die Funktion die Graviermaschine GK 21. FOTO: Segovia-Buendia
Radevormwald. Was Bibliotheken für Bücher und Archive für Dokumente sind, das ist das 3-Städte-Depot für die Industriegeschichte von Hückeswagen, Radevormwald und Wipperfürth. Auf mehr als 450 Quadratmetern in einer alten Bêché-Fabrikhalle an der Peterstraße in Hückeswagen befinden sich aktuell mehr als 150 Exponate. "Und wir sind noch nicht ausgelastet", sagte Albert Nunn, Vorsitzender des vor knapp vier Jahren gegründeten Vereins, beim Tag der offenen Tür.

30 Mitglieder gehören ihm zurzeit an, darunter Förderer und Sponsoren wie die Firma Pflitsch. Ziel des Vereins ist es, den technischen Wandel für nachfolgende Generationen festzuhalten und anhand der historischen mechanischen Schmuckstücke, die längst nicht mehr im Einsatz sind, erlebbar zu machen. "In über 20 Jahren wird es all diese Mechanik nicht mehr geben. Aber im Depot wird es sie geben - und zwar zum Anfassen. Das wird eine Sensation sein", sagte Nunn.

Das Besondere an diesem etwas anderen Archiv für alte Technik: Hier stehen nicht nur Maschinen, die viele Jahre und Jahrzehnte im Einsatz waren, sondern - auch dank technisch-versierter Mitglieder - Maschinen, die immer noch funktionieren und bedient werden.

Frank Franzke war fast 50 Jahre lang in der Industrie als Graveur beschäftigt. An der Graviermaschine GK21 konnte der Rentner den Besuchern zeigen, wie damals ohne Computer und voll automatisierte Gerätschaften graviert wurde. "Heute läuft alles nur noch über CNC-Technik, da steckt überhaupt kein Handwerk mehr dahinter", bedauerte der ehemalige Mitarbeiter von Bornemann Signiertechnik. Seine Liebe zur Technik ist es, die Franzke zum Verein 3-Städte-Depot gebracht hat. Weil er viele Jahre auch in Lehrwerkstätten Graveure ausgebildet hat, weiß er, wie er den Besuchern die Arbeit an seiner GK21 erklären kann.

Bei der alten Spindeldrehbank legte Nunn Hand an, um sie den Gästen in voller Funktion zu zeigen. Auf eine Maschine ist der Vorsitzende aber besonders stolz. "Das ist eine Feinmessmaschine der Firma Radium aus Wipperfürth von 1950. Die haben wir erst vor kurzem erhalten und gleich jemanden gefunden, der viele Jahre daran gearbeitet hat." Manfred Schröder war 45 Jahre bei Radium beschäftigt und arbeitete 20 Jahre an der Feinmessmaschine. "1972 habe ich daran meine Lehre gemacht", erzählte der 60-Jährige, der froh ist, die Maschine im Depot ausgestellt zu sehen. "Die stand bei uns zuletzt nur noch in einer hinteren Ecke, und das hat mir wirklich leidgetan." Dem 60-Jährigen geht nun das Herz auf, im Depot Besuchern ihre Funktion erläutern zu können. "Natürlich ist das ein bisschen Nostalgie, aber es ist schön, so ein Stück Geschichte am Leben zu erhalten", sagte er.

Künftig, das hat sich der junge Verein zum Ziel gesetzt, will das 3-Städte-Depot Jugendliche wieder mehr für Technik interessieren und bei ihnen Begeisterung dafür wecken. Anhand von verschiedenen Workshops und Führungen soll das Depot zu einer Bildungsstätte heranwachsen, in der junge Menschen experimentieren können. Acht solcher Plätze sind geplant, für deren Finanzierung sich der Verein bei Stiftungen und Förderprojekten beworben hat, darunter auch bei "Leader".

Öffnungszeiten montags, 10 bis 12 Uhr. Demnächst soll auch am Wochenende geöffnet sein.

(sebu)
 
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