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Radevormwald
Jetzt kann sich jeder seine eigene Milch an der Tankstelle abzapfen

Radevormwald. Auf dem Hof von Tatjana und Georg Brüser-Pieper geben 75 Kühe pro Tag knapp 2000 Liter Milch. Gestern startete die Familie mit Direktvermarktung. Von Flora Treiber

Premiere in der Bergstadt: Gestern eröffnete die erste Milchtankstelle in Rade. Auf dem Hof von Tatjana und Georg Brüser-Pieper in der III. Uelfe 9 geben 75 Kühe am Tag knapp 2000 Liter Milch. Alle zwei Tage kommt der Milchwagen, der die Milch für einen geringen Preis kauft. Um sich gegen den schlechten Preis zu wehren und es der Bevölkerung zu ermöglichen, in den Genuss von unbehandelter Rohmilch zu kommen, hat sich die Familie für die eigene Milchtankstelle entschieden.

"Wir haben schon vor vielen Jahren über die Direktvermarktung unserer Milch nachgedacht. Allerdings waren die bürokratischen Maßnahmen und Auflagen zu umfangreich", sagt Tatjana Brüser-Pieper. Die Idee für frische Milch rund um die Uhr nahmen sie und ihr Mann ein zweites Mal auf, als die ersten Milchtankstellen in NRW errichtet wurden. "Uns hat die Idee von Anfang an gefallen", sagt Georg Brüser-Pieper. Im Bergischen gibt es neben der Milchtankstelle in Rade nur noch eine in Wipperfürth und eine in Köln.

An der Einfahrt zu dem Hof steht jetzt ein kleines Holzhaus, in dem sich jeder Kunde seine eigene Milch abfüllen kann. In der Zapfanlage wird ein 50-Liter-Gefäß gekühlt und die Milch mit einem Rührwerk ständig bewegt. Die Kunden können den Automaten sowohl mit Münzgeld, als auch mit Scheinen füttern und bekommen das Restgeld ausbezahlt. "Man kann so viel oder wenig Milch abfüllen, wie man möchte. Da gibt es keine Begrenzung", sagt Tatjana Brüser-Pieper. Wer kein eigenes Gefäß dabei hat, kann für zwei Euro eine Glasflasche kaufen.

Die Milch aus der Tankstelle ist unbehandelte Rohmilch, die direkt aus dem Kuhstall kommt. Nachdem die Kühe gemolken wurden, wird die Milch gefiltert und auf vier Grad gekühlt. "Wir wollen die Milch nicht vor Ort behandeln oder pasteurisieren. Das würde unser Konzept zerstören. Wir wollen hier echte Milch mit dem dazugehörigen Geschmack verkaufen", sagt Georg Brüser-Pieper. Er hofft, 25 Liter am Tag zu verkaufen. "Das ist ein realistisches Ziel für den Anfang." Ein Liter Milch kostet einen Euro. Die Milchtankstelle direkt an der Straße zu errichten, um sie leichter erreichbar zu machen, hat aus mehreren Gründen nicht funktioniert. "Das hätte den Transportweg erschwert. Außerdem darf die unbehandelte Milch den Hof nicht verlassen, solange sie nicht verkauft ist", erklärt er.

In der Milchtankstelle gibt es zusätzlich Eier von den Hühnern, die direkt nebenan frei leben, sowie Käse und Fleisch aus der Region. Die Bezahlung erfolgt über eine Vertrauenskasse. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern, Fabian und Lisa, sowie vielen Nachbarn feierten Brüser-Piepers gestern die Eröffnung der Tankstelle.

Quelle: RP
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