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Radevormwald
Johann der Friedfertige und die Reformation im Bergischen

Radevormwald: Johann der Friedfertige und die Reformation im Bergischen
Wie die Reformation ins Bergische kam - darüber referierte Pastor Jeschke. Im Vordergrund präsentieren Rita Herche (links) und Heidel Becker den Jubiläumswein mit dem Martin-Luther-Logo. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Pastor Dr. Dieter Jeschke und Vikarin Laura Kadur starteten mit Vorträgen das Festprogramm zum 500-jährigen Jubiläum. Von Christina Segovia-Buendía

Darüber, wie die Reformation ins Bergische Land kam referierten am Sonntagvormittag Dr. Dieter Jeschke und Vikarin Laura Kadur. Der Pastor hatte zu einem "reformatorischen Frühschoppen" ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus eingeladen. Bei kleinen Häppchen und Lutherwein hörten die etwa 20 Anwesenden den Ausführungen interessiert zu.

Mit dem kurzweiligen Vortrag startete vergangenen Sonntag das Festprogramm zum 500-jährigen Jubiläum. "Ich möchte Sie mitnehmen auf eine Reise durch das Bergische Land zu Anfang des 16. Jahrhunderts", leitete Pastor Jeschke seinen Teil des Vortrages ein. "Ich möchte Ihnen die Grundzüge präsentieren und die Frage stellen, was die Reformation von damals mit unserem heutigen Leben noch zu tun hat." Vikarin Laura Kadur würde im Anschluss über Adolf Clarenbach erzählen, den ersten evangelischen Märtyrer am Niederrhein.

Das Herzogtum Berg erstreckte sich zu Beginn des frühen 16. Jahrhunderts von Mühlheim bis Honnef. "Die Nähe zu Köln spielte für das Herzogtum immer eine große Rolle", berichtete Jeschke. Im Vergleich zu anderen Fürsten des Deutschen Reiches, die sich relativ schnell für eine Seite entschieden und ihr Reich entweder katholisch oder evangelisch prägten, nahm Johann der Friedfertige, von 1521 bis 1539 Herrscher der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, eine gemäßigte Haltung ein. "Der Herzog von Berg schlug sich weder auf die Seite des katholischen Kaisers noch auf die, der evangelischen Kirche." Sein Handeln, erklärte Jeschke, "war nie religiös motiviert, er wollte nur den Einfluss des Kaisers eingrenzen." Familiär war Johann mit Kursachsen verbunden, unter dessen Führung der Schmalkaldische Bund, ein Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten und Städte, ausgerufen wurde, die sich im Falle eines militärischen Angriffes des Kaisers und seiner Religionspolitik gegenseitige Unterstützung versprachen. Johann blieb katholisch, schloss sich aber keinem Lager an: "Solange die Autorität des Fürsten nicht in Frage gestellt wurde, wurde bei der Reformation nicht so genau hingeschaut, um einen Aufstand zu verhindern. Eine weise Entscheidung", bemerkte Jeschke, der im selben Atemzug die aktuelle Situation zum Vergleich heranzog: "Solange sich alle ans Grundgesetz halten, werden die verschiedenen religiösen Strömungen akzeptiert."

Seine gemäßigte Haltung im Glaubenskampf zwischen Katholiken und Protestanten verdankte Johann seinem Lehrer und Prinzenerzieher, dem Humanisten Konrad Heresbach, der ihn zu einer friedlichen Erziehung ausbildete. "In der Zeit der Reformation", erzählte Jeschke weiter, "gab es vier Strömungen: die katholische, die evangelische, aus den Niederlanden drängte der Calvinismus ins Bergische und schließlich auch eine nicht zu unterschätzende Strömung, der Johann angehörte - die der Katholiken, die eine milde Reformation anstrebten." So kam es, dass im Bergischen die Reformation nicht wie ein Dekret in Kraft trat, "es waren fließende Grenzen und viele Kompromisshaltungen." Auch Radevormwald ging den Kompromiss ein, der bis heute anhält: Hier leben Katholiken, Lutheraner und Evangelisch-Reformierte nebeneinander.

Nächste Veranstaltungen: 9. Juli (17 Uhr) in der Kirche am Markt: "Eine musikalische Reise durch die Zeit". 9. September (11 Uhr) in der Kirche: Tischreden zum Thema Reformation aus katholischer und freikirchlicher Sicht.

Quelle: RP
 
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