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Radevormwald
Jubelkonfirmanden von Remlingrade erinnern sich

Radevormwald. Auf dem alten Foto ist eine Gruppe junger Leute zu sehen mit schwarzen Kleidern oder Anzügen. Irmhild Schmahl betrachtet das Foto genauer und überlegt gleich, wer von den Abgelichteten inzwischen verstorben ist. "Die Aufnahme wurde vor 60 Jahren in unserer Kirche aufgenommen. Wir waren eine kleine Gruppe von nur zehn Konfirmanden", erinnert sie sich. Das schlanke Mädchen mit den dicken Zöpfen in der hinteren Reihe, das sei sie. "Damals trug ich mein erstes, neu gekauftes Kleid." Bis zu diesen Tag habe ihre Tante aus getragenen Sachen Kleider genäht. "Wir bekamen als Geschenke Aussteuersachen wie Kuchengabeln. Auch Hortensien wurden uns Mädchen überreicht", sagt sie. Als Tochter der damaligen Küsterin Hedwig Wellershaus hatte sie einen besonderen Bezug zur Dorfkirche. "Manchmal half ich, die Gottesdienst vorzubereiten", sagt sie. Jetzt ist sie Gast der jährlichen Jubelkonfirmation der Evangelischen Kirchengemeinde Remlingrade.

Als Jubilarin des Jahrgangs 1956 ist sie allein. "Schade, dass ich heute hier keinen treffe", sagt die Jubilarin, die in Hückeswagen lebt. Gerne denkt sie an ihren Ehrentag zurück, der im kleinen Familienkreis gefeiert wurde. Auch jetzt ist der Kreis im Gemeindehaus in Herkingrade überschaubar. 28 Einladungen wurden verschickt, nur vier sind kommen. "Das ist leider sehr wenig. Aber wir feiern trotzdem", sagt Marion Ulrich (geb. Selbach), ehemalige Gemeindesekretärin. Sie gehört zu denen, die vor 50 Jahren Pastor Bahr konfirmierte. Bei dem Treffen gibt es einen Übernachtungsgast. Ortrun Winter (geb. Hausberg) ist aus Lübeck angereist. "Ich war lange nicht mehr im Bergischen. Vieles hat sich verändert. Aber es ist ganz nett, dass ich heute dabei sein kann", sagt sie und zeigt ein Gruppenbild, das am 27. März 1966 vor der Kirche aufgenommen wurde. "Es war sehr schlechtes Wetter. Der Sturm blies unsere Frisuren weg", amüsiert sie sich. Und tatsächlich, die Mädchen halten ihre Haare mit ihren Handflächen fest, um zu retten, was geht. Ortrun Winter trug ein dunkelgraues Kleid, das sie aus dem Bekanntenkreis ihrer Eltern geerbt hatte. "Eine Tante schenkte mir zur Konfirmation einen Stoffballen für ein neues Kleid." Daneben gab es reichlich Handtücher, Tischdecken und Besteckteile. Beide können sich noch gut an den Unterricht, die Kinderlehre, in der ehemaligen Bäckerei von Martha Sprawe in Herkingrade erinnern. "Unser Pastor war ein weltoffener Mann. Wir haben viel Spaß gehabt, die Prüfung war locker", sagt Marion Ulrich. Viele Texte und Lieder auswendig lernen gab es nicht. Es wurden Freizeiten gemacht und kleine Ausflüge. Die Jubilare konnten alle die Konfirmationssprüche aufsagen. Pfarrerin Maria Kluge und die Lebenspartner der Jubilare lauschten interessiert.

(sig)
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