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Radevormwald
Jugend stark machen gegen Rassismus

Radevormwald: Jugend stark machen gegen Rassismus
René Breiwe (r.), wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Duisburg-Essen, klärte Schüler und Sportler zu Beginn des Workshops über die Bedeutung von Fangesängen im Fußballstadion auf. Reiner Klausing (sitzend daneben) stellte viele Fragen und animierte die Teilnehmer zum Mitdiskutieren. FOTO: nico hertgen
Radevormwald. In einer gemeinsamen Aktion der Geschwister-Scholl-Schule und der Jugend des SC 08 nahmen am Donnerstagnachmittag 27 junge Leute an einem dreistündigen Workshop in der Hauptschule teil. Ziel war es, zu sensibilisieren und aufzuklären. Von Joachim Rüttgen

Über den Fußball sich dem alltäglichen Rassismus nähern und verschiedene Facetten beleuchten – das war Ziel eines dreistündigen Workshop gestern in der Geschwister-Scholl-Schule. In einer Aktion mit der Jugendabteilung des SC 08 ließen sich 27 Schüler und Sportler über ein Phänomen informieren, das nach Ansicht von Reiner Klausing, Leiter der Jugendabteilung beim SC 08, und Dietmar Paulig, Leiter der Hauptschule, "sich immer mehr der Mitte unserer Gesellschaft nähert".

Klausing, Lehrer an der Hauptschule, war es wichtig, dass sich sowohl der SC 08 als auch die Schule zum Thema positionieren und das Netzwerk "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" stärken. "Ich wünsche mir, dass mehr Schulen Mitglied in diesem Netzwerk werden", sagte er.

Bestandteile des Workshops waren Gruppenarbeit, Power-Point-Präsentation sowie Bild- und Videomaterial. "Wir wollen heute ein möglichst realistisches Bild zeichnen und die Jugendlichen sensibilisieren, damit sie lernen, zu unterscheiden, was kriminell und was diskriminierend ist", sagte Renè Breiwe, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Duisburg-Essen, Lehrer für Latein und Geschichte und Fachkraft für Rechtsextremismus und Prävention.

Jede Menge Fangesänge aus Fußballstadien ("Zieht den Bayern die Lederhosen aus", "Wer nicht hüpft, der ist ein Kölner", " Fußball ist ein Männersport", "Zick-Zack-Zigeunerpack" oder "Schwule Holländer") hatte er mitgebracht und bat die Teilnehmer, sie einzustufen: harmlos oder diskriminierend? Was ist witzig, was rassistisch und verboten? Die Grenzen sind oft fließend. "Es geht heute nicht um Lösungen, sondern darum, dass wir diskutieren", sagte Breiwe.

Als lobendes Beispiel hatte er einen Schal des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund mitgebracht – mit dem Aufdruck "Gegen Rassismus". Das sei einer der wenigen Vereine, die so etwas herausgebracht hätten. Breiwe war es wichtig, mit den Schülern und Sportlern zu reden, Dinge zu hinterfragen und über die Gefühle von Menschen zu sprechen, die von rassistischen Äußerungen betroffen sind.

Breiwe wies die Teilnehmer auf Wörter hin, die oft ausgesprochen werden, ohne nachzudenken, gleichzeitig aber Menschen oder Volksgruppen beleidigen ("Ruhrpottkanaken"). Aus Begeisterung über den Fußball werde dann schnell Gewalt und Bedrohung. "Rassismus als Normalität", sagte er. Breiwe führte aus, dass die Männlichkeit oft entscheidend sei, wenn es um rassistische Strömungen geht. "Das Überlegenheits-Denken hat immer was mit stark und schwach zu tun", sagte er.

Als Teil ihrer Präventionsarbeit sah Daniela Fröhlich ihre Teilnahme an dem Workshop. Die Diplom-Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin kommt vom Fanprojekt Leverkusen und hat festgestellt, "dass Rassismus in vielen Fußballvereinen ein immer größeres Problem wird", sagte sie. Deshalb sei es wichtig, Gewalt im Keim zu ersticken und die Jugendlichen zu sensibilisieren – vor allem vor dem alltäglichen Rassismus ("Du Opfer, "Du Jude" oder "Du Schwuler").

Quelle: RP
 
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