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Radevormwald
Junger Pfarrer kam bei Konfirmandinnen gut an

Radevormwald. Die Pfarrerin sitzt vor einem großformatigen Buch und liest aus der langen Namensliste vor. Die Schrift ist alt, das belegt die Schreibweise. Gleich hinter der Jahreszahl 1946 stehen unter anderen die Mädchennamen von Edelgard Isenberg, Gisela Lutz und Erika Günther. Maria Kluge, Pfarrerin der evangelischen Gemeinden Remlingrade und Dahlerau, betrachtet die Liste. Die drei Genannten finden sich in der Gruppe wieder, die vor 70 Jahren von Pastor Arthur Heuser konfirmiert wurden.

Kluge liest weiter und wartet auf Reaktionen der Jubilare, die sich am Tisch im Gemeindehaus am Siedlungsweg versammelt haben. Zurufe erreichen die Pfarrerin und erzählen etwas über die Person aus der Liste. "Es ist interessant, in einem alten Kirchenbuch zu blättern", sagt Kluge. Sie ist gespannt auf Reaktionen und freut sich über Konfirmationssprüche, die einigen auf der Zunge liegen. "Ich weiß meinen Spruch nicht mehr so genau", erzählt Gisela Lutz. Sie überlegt noch eine Weile und schüttelt den Kopf. Auch ihre Schwester Erika Günther hat ihren Spruch nicht parat. "Wir können uns aber an dem Ablauf unserer Konfirmation gut erinnern", sagt Gisela Lutz. Sie sei als Mitglied einer Flüchtlingsfamilie nach Rade gekommen und habe nur wenige Wochen für das Auswendiglernen vieler Sprüche, Gebete und Psalmen gehabt. "Wir bekamen noch keine Geschenke. Unsere Kleider waren aus dunkelblauem Stoff, die Schuhe geliehen." Heute habe sie nur noch über den Besuch des Elterngrabes Verbindung zur Kirchengemeinde Dahlerau.

Edelgard Isenberg hat ebenfalls nur noch selten Kontakt nach Dahlerau. "Da ich seit über 60 Jahren dem Lenneper Frauenchor angehöre, singe ich in der Chorgemeinschaft beim Weihnachtskonzert hier in der Kirche", erzählt sie. Auch ihre Erinnerungen: "Wir besaßen damals nichts. Mein Konfirmationskleid war aus einem alten Kleid gefertigt und meine Schuhe von einer Tante ausgeliehen." Gefeiert wurde zu Hause im kleinen Familienkreis. "Das war es schon. Viel mehr kann ich nicht erzählen. Wohl aber kann ich mich an das viele Auswendiglernen erinnern und natürlich auch an die strenge Prüfung", sagt sie. Nach einem kurzen Lachen fügt sie noch an, dass vermutlich alle Mädchen in den Pastor etwas verliebt gewesen seien. "Pastor Heuser war jung und sah stattlich aus", sagt sie etwas verlegen.

Marion Koßmann feiert ihre Goldkonfirmation. Pastor Adolf Müller konfirmierte die Gruppe, die damals streng in schwarzer Kleidung, die Mädchen in Spitzenblusen, zur Feier kamen. "Ich bekam viele Dinge für die Aussteuer geschenkt. Hauptsächlich Handtücher. Das war so üblich", erzählt sie. Auch Blumen habe es gegeben, überwiegend Hortensien. Ihre Oma habe frische Suppe gekocht. "So ähnlich war es auch bei meiner Feier", sagt Gerhard Möller. Er weiß noch von Krippenspielen, die die Konfirmanden an Weihnachten aufführten. "Ich war mal der Josef und wollte so gerne einen Erzengel spielen", sagt Möller. Die Jubilare erhielten zur Erinnerung ein Schmucksträußchen ans Revers gesteckt und jeweils eine Urkunde mit ihrem Konfirmationsspruch.

(sig)
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