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Radevormwald
Killing macht den Tatort wieder sauber

Radevormwald. Der Remscheider Unternehmer arbeitet in Wohnungen und an Plätzen, um die andere lieber einen Bogen machen. Von Michael Bosse

Wenn Axel Killing in seinen weißen Schutzanzug schlüpft und seine Maske aufsetzt, dann steht meistens eine besondere Säuberungsaktion an. Killing tritt in Aktion, wenn ein Verbrechen geschehen ist und die von der Polizei nicht mehr zu verwertenden Überreste einer Straftat beseitigt werden können. Der 46-Jährige ist Tatortreiniger und arbeitet an Orten, um die andere Menschen lieber einen Bogen machen: blutverschmierte Wohnungen und nach Verwesung riechende Räume. Seit Anfang des Jahres ist er selbstständig und bietet seine Dienste bundesweit an.

Den Umgang mit Leichen beziehungsweise dem Tod ist Killing - der Name ist in diesem Zusammenhang tatsächlich nur Zufall - gewohnt, schließlich hat er zehn Jahre lang als Leichenwagenfahrer für ein Bestattungsunternehmen gearbeitet. Wobei er die Toten nicht mehr sieht, wenn er als Tatortreiniger gerufen wird. "Wir kommen erst, wenn die Polizei fertig und die Leiche abtransportiert ist. Vorsorglich fragen wir auch bei der Staatsanwaltschaft nach, ob wir loslegen können", erzählt Killing. Seiner kräftigen Statur sieht man an, dass der 46-Jährige anpacken kann. Anfang des Jahres arbeitete er mit einigen Aushilfskräften, seit August unterstützen ihn vier festangestellte Mitarbeiter bei der Arbeit.

Das Berufsbild des "Tatortreinigers" ist der Öffentlichkeit zuletzt vor allem durch die gleichnamige preisgekrönte Fernsehserie bekannt geworden. Anders als Schauspieler Bjarne Mädel hat Killing an den Tatorten bislang aber keine reumütigen Täter oder trauernden Hinterbliebenen getroffen, um mit ihnen skurrile Dialoge zu führen. "Wir arbeiten meist ganz ungestört", sagt er. Das ist auch bitter nötig: Schließlich erfordert die professionelle Reinigung einer 60 Quadratmeter großen Wohnung bis zu eineinhalb Tage.

Entfernt werden Blutflecken zum Beispiel mit einem Spezialreiniger. Welcher das ist, möchte Killing lieber nicht verraten - die Konkurrenz könnte mitlesen. Wichtig ist dem 46-Jährigen auch die richtige Desinfektion der Wohnung sowie die mögliche Schädlingsbekämpfung in den Räumlichkeiten. "Schon zwei Stunden nach dem Tod legen Fliegen auf der Leiche oder in den austretenden Körperflüssigkeiten ihre Eier ab", sagt er. Auch die korrekte Entsorgung der kontaminierten Gegenstände sei wichtig.

Derzeit bekommt Killing, der ursprünglich Garten- und Landschaftsbau gelernt und eine Prüfung im Bereich "Spezialreinigung" abgelegt hatte, nach eigenen Angaben etwa fünf bis sechs Anfragen in der Woche. Sein entferntester Einsatz führte ihn nach Dresden, wo er nach dem Fund einer Leiche ein Einfamilienhaus säubern musste. Gerufen wird er zumeist von Wohnungsbaugesellschaften oder Angehörigen. Seine Telefonnummer besorgen sich die Auftraggeber meistens aus dem Internet. Gegen den teilweise sehr heftigen Verwesungsgeruch in den Wohnungen hilft übrigens ein Ventil in der Schutzmaske. "Da riechen Sie gar nichts mehr", versichert Killing. Wer diesen Job macht, sollte im Übrigen sowieso nicht allzu zart besaitet sein.

Quelle: RP
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