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Radevormwald
Kinder immer häufiger Opfer von Gewalt

Radevormwald. In Rade wächst die Zahl der Mädchen und Jungen, bei denen ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung besteht. 2014 gab es 26 Meldungen (32 Kinder betroffen), 2015 sind es bislang schon 20 Meldungen mit fast 30 betroffenen Kindern. Von Joachim Rüttgen

Das Jugendamt stellt eine leichte Steigerung bei den Hinweisen auf eine Kindeswohlgefährdung fest. Wie der pädagogische Leiter im Fachbereich Soziales und Ordnung, Sönke Eichner, erläutert, müsse aber zwischen einer Meldung und ob wirklich ein Fall daraus wird, unterschieden werden. "Aber es wird wohl mehr", sagt er.

2014 verzeichnete das Rader Jugendamt 25 Meldungen mit 32 betroffenen Kindern, im Laufe dieses Jahres waren es bislang 20 Meldungen mit knapp 30 betroffenen Kindern. "Wir verzeichnen die gesamte Bandbreite: ein Nachbar beschwert sich anonym über Kindergeschrei, über Vernachlässigung bis hin zu körperlicher Gewalt, was glücklicherweise eher selten auftritt", sagt Eichner. Bei einer Meldung oder entsprechenden Hinweisen von außen nimmt das Jugendamt Kontakt zu der Familie auf - immer mit dem Ziel, die Familie so zu erreichen, dass Hilfe angenommen wird. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass Kinder aus Familien genommen werden müssen, um die Situation zu deeskalieren. "Wir müssen im Dialog schauen, ob die Familie in der Lage ist, ihr Leben so zu gestalten, dass es keine Gefährdung mehr für das Kind gibt", erklärt Eichner. Oberstes Ziel bleibe, das Kind zurückzuführen.

Dabei sei ein körperlicher Missbrauch oder die Überprüfung der körperlichen Unversehrtheit seiner persönlichen Einschätzung nach leichter festzustellen, weil es als Beweise handfeste Spuren gibt. "Psychische Gewalt ist schwer nachweisbar und kompliziert", sagt Eichner. Das Bundeskinderschutzgesetz gebe das Meldeverfahren vor. Jede Institution sei danach verpflichtet, selbst zu schauen und sich pädagogisch beraten zu lassen. "Die Meldung ans Jugendamt soll das letzte Glied in der Kette sein", sagt Eichner. Wenn Kinder mit ungepflegter oder nicht adäquater Kleidung erscheinen, sollte lieber erstmal die Einrichtung nachfragen und niederschwellig vorgehen. Beim Jugendamt der Stadt ist die Kindeswohlgefährdung ein eigener Aufgabenbereich, um den sich eine Fachkraft mit spezieller Zusatzausbildung kümmert. "Wir als Jugendamt müssen uns in einer betroffenen Familie zunächst ein Bild davon machen, wo die Gefahr für ein Kind besteht und welche Hilfe die Familie bereit ist, anzunehmen", erläutert der Pädagogische Leiter. Da werde auch geklärt, ob ambulante Hilfe ausreicht oder ob sich das Jugendamt Kooperationspartner mit ins Boot holt. "Hierzu zählen die Caritas in Remscheid, Pro Familia in Remscheid, die Bergische Diakonie Aprath und andere kleinere Anbieter", sagt Eichner. Da werde oft das Nischenangebot gesucht, denn ein Angebot "von der Stange" gebe es nicht. Eichner glaubt, dass, wenn Außenstehende ein Problem sehen, dies die Familien noch lange nicht erkennen. "Erhält ein Kind zu wenig Zuneigung, sehen das Außenstehende eher und melden das dem Jugendamt", sagt er. Und dort werde jeder Meldung nachgegangen. Nur gibt es aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Rückmeldung an den Hinweisgeber. Sönke Eichner rät Personen, die dem Jugendamt eine mögliche Kindeswohlgefährdung zu melden haben, dies schriftlich zu tun. "Mündlich ist immer schwierig. Auch eine anonyme Meldung ist möglich, hat aber den faden Beigschmack des Anschwärzens. Mit Namen können wir viel offener reden", sagt er. Kontakt beim Jugendamt: Tel. 02195 6804543.

Beim Kreisjugendamt sind die Zahlen über Kindeswohlgefährdung nicht steigend, aber stagnierend. Wie die Pädagogische Leitung, Annemarie Jacob-Ogbukadike, mitteilt, gab es im vergangenen Jahr 442 Verfahren (2013 waren es 439, 2012 469), eine latente Gefährdung in 43 Fällen (2013: 58, 2012: 87), Hilfebedarf in 152 Fällen (2013: 170, 2012: 151), keine Gefährdung und auch kein Hilfebedarf bei 186 Fällen (2013: 160, 2012: 183).

"Kindeswohlgefährdung ist bei 442 Meldungen und im Schnitt 220 Arbeitstagen im Jahr bei uns also jeden Tag ein Thema", sagt sie. Täglich haben Kollegen festen Innendienst, um Hinweise am Telefon entgegenzunehmen. "Wir sind immer erreichbar", sagt Annemarie Jacob-Ogbukadike. Zentrale Anlaufstelle beim Kreis: Tel. 02261 885198.

Quelle: RP
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