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Radevormwald
Kirche überlässt Stadt Haus für Flüchtlinge

Radevormwald: Kirche überlässt Stadt Haus für Flüchtlinge
FOTO: wolfgang scholl
Radevormwald. Die Not der Flüchtlinge wird größer. In Radevormwald leben derzeit fast 270 Frauen, Männer und Kinder in diversen Unterkünften. Die katholische Kirchengemeinde stellt der Stadt jetzt die ehemalige Kaplanei mietfrei zur Verfügung. Von Joachim Rüttgen

In der Not rücken die Menschen enger zusammen. Die katholische Kirchengemeinde von St. Marien und Josef geht da mit gutem Beispiel voran. Angesichts der nicht enden wollenden Flüchtlingswelle und derzeit bereits fast 270 Menschen, die Radevormwald aufgenommen hat, möchte auch die katholische Kirchengemeinde ihren Beitrag dazu leisten, dass Leid der Menschen ein wenig zu lindern.

"Deshalb haben wir der Stadt unser Haus an der Hohenfuhrstraße 12 als Möglichkeit zur Unterbringung von Flüchtlingen mietfrei angeboten", sagt Pastor Marc D. Klein. Die Gespräche mit der Stadt liefen zwar noch, er gehe aber davon aus, dass schon bald die ersten Flüchtlinge dort einziehen werden. "Das ist unsere Möglichkeit zu helfen und auch eine gewisse Verpflichtung, das freie Haus zur Verfügung zu stellen", sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Das Haus ist die ehemalige Kaplanei der Gemeinde, das seit zwei Jahren unbewohnt ist und in dem zuvor lange Jahre Regionalkantor Bernhard Nick mit seiner Familie gewohnt hat. Das typisch bergische Schieferhaus liegt schräg gegenüber des Rathauses.

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Wie früh sich die katholische Kirchengemeinde schon mit dem Gedanken auseinander gesetzt hat, Raum für Flüchtlinge bereitzustellen, beweist die Tatsache, dass sich der Kirchenvorstand bereits am 11. November 2014 mit dem Thema befasst hat. "Schon damals haben wir frühzeitig entschieden, das Haus anzubieten, falls die Situation akut wird", berichtet Klein. Dass die Gemeinde das Haus der Stadt mietfrei zur Verfügung stelle, sei selbstverständlich, schließlich sei das ein wichtiges Zeichen der Gemeinde nach außen. "Es ist eine gute Möglichkeit, zu helfen. Und ich hoffe, dass sich die Gemeinde noch intensiver mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzt", sagt Klein.

Jeder sei angehalten, in dieser Zeit der Not für viele Menschen, da zu helfen, wo er kann. "Das ist eine menschliche Sache", sagt der Pastor. Wie groß die Hilfsbereitschaft ist, zeige sich in der Kleiderkammer im Caritashaus, denn die platze zurzeit aus allen Nähten. Klein hofft, dass die Gemeinde ein bisschen Willkommenskultur entwickeln kann. "Dabei wollen wir niemanden überfordern", sagt er.

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Klein ist es vor allem wichtig, dass die Flüchtlinge dezentral untergebracht werden. "Sie müssen ins Leben und in die Stadt und dürfen nicht versteckt werden", fordert er. Ähnliche Pläne wie in Radevormwald gibt es in Hückeswagen jedoch nicht. "Dort fehlen uns schlichtweg die Immobilien dafür", sagt Klein. Dafür stelle die Gemeinde in der Nachbarstadt das katholische Gemeindehaus an der Weierbachstraße für Sprachkurse zur Verfügung.

Der Kämmerer und Beigeordnete der Stadt Frank Nipken freut sich sehr über die Hilfe der katholischen Kirchengemeinde. "Das ist ein gutes Zeichen, denn die Not ist sehr groß", sagt er. Das Haus an der Hohenfuhrstraße biete Platz für zwölf bis 16 Personen, müsse jetzt aber noch hergerichtet werden. Dazu zählt auch der Einbau einer Dusche. Das sei aber alles sehr kurzfristig und mit relativ einfachen Mitteln möglich. "Wir werden da eine vernünftige Unterkunft herrichten", verspricht Nipken.

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Das Engagement der Katholiken sei ein gutes Signal nach draußen und dürfte ruhig noch Nachahmer finden. Die Umbauten seien für ein paar Tausend Euro möglich und hochgerechnet auf die Kopfzahl absolut gerechtfertigt. Generell habe die Stadt den Eindruck, dass die Vermieter in Rade ihre Wohnungen zu einem vernünftigen Preis anbieten. "Wir zahlen jedenfalls für Wohnraum nicht deutlich zu viel, sondern ortsübliche Mieten", sagt Nipken. Die Stadt fühle sich da absolut fair behandelt.

Quelle: RP
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