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Radevormwald
Kleine Münzen bereiten große Probleme

Radevormwald. Laut einer neuen EU-Verordnung müssen Banken jede Münze auf Echtheit prüfen. Fehlt das Gerät dafür, übernehmen dies externe Dienstleister. Bei der Sparkasse verursacht das viel Aufwand und Mehrkosten von etwa 20 000 Euro jährlich. Von Joachim Rüttgen und Sebastian Radermacher

Der Mehraufwand ist enorm: Im ersten Quartal 2015 hat die Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen 35 000 Rollen Hartgeld mit unterschiedlicher Anzahl an Münzen an einen externen Wertedienstleister abgegeben, etwa 13 000 hat sie wieder angekauft. "Eine große Summe, die mich selbst ein wenig überrascht hat", sagt Michael Zimmermann, Leiter des Kompetenzzentrums Marktfolge bei der Sparkasse.

Bis Ende Dezember 2014 hat die Sparkasse Hartgeld entgegengenommen, aufbereitet, gerollt und den Geschäftskunden wieder zur Verfügung gestellt. Die dazu erforderlichen Kosten - Personal, Anschaffung, Wartung der Zählmaschine und Aufbereitung - wurden nicht weitergegeben, es ist ein Service für die Kunden, berichtet Zimmermann auf Anfrage der BM. Seit Anfang des Jahres bereiten die etlichen kleinen Münzen der Sparkasse jedoch größere Probleme. Denn das Geschäft mit dem Hartgeld kostet jetzt deutlich mehr Geld - genauer gesagt entstehen der Sparkasse Mehrkosten von knapp 20 000 Euro pro Jahr.

Der Grund: Am 1. Januar ist eine neue EU-Verordnung zur Münzprüfung in Kraft getreten. Diese verpflichtet die Geldinstitute, jede einzelne Münze auf Echtheit zu prüfen. Diese Prüfung kann nur über bestimmte, sehr teure Maschinen erfolgen. Die Sparkasse besitzt eine solche Maschine aber nicht. Also muss ein externer Dienstleister die Prüfung übernehmen. Und das bedeutet einen erheblichen Mehraufwand und deutlich höhere Kosten. Für die Sparkasse aber gibt es keine andere Möglichkeit. "Wir sind in der Pflicht. Die Investitionskosten für eine zertifizierte Zählmaschine, die laut neuer Verordnung Pflicht wäre, sind viel zu hoch", sagt Zimmermann. Nun müsse man das Geld entgegennehmen und einem Dienstleister weiterreichen, der die Münzen prüft und rollt. "Dann kaufen wir die Rollen zurück und geben sie an unsere Kunden wieder aus", sagt Zimmermann. Egal, ob es sich um eine Ein-Cent-Münze oder ein Zwei-Euro-Stück handelt - geprüft werden muss auf jeden Fall. "Und zwar nicht nur auf Echtheit, sondern auch auf die Umlauffähigkeit", berichtet Zimmermann.

Das bedeutet, dass eine Münze noch geeignet sein muss. Sie darf nicht verformt oder mit Chemikalien behandelt worden sein, und sie darf keine auffälligen Beschädigungen aufweisen. Ein enormer Aufwand, den die Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen da seit Jahresbeginn betreiben muss. Marcel Dietrich von der Betriebsorganisation hat sich mit der neuen EU-Verordnung und den Folgen für die Sparkasse ebenso intensiv beschäftigt wie Kollege Zimmermann. Bislang gibt das Geldinstitut die nun zusätzlich entstehenden Kosten nicht an ihre Kunden weiter. Haupteinzahler beim Münzgeld sind die Einzelhändler und die Kirchengemeinden. Mit denen habe die Sparkasse über das Problem noch nicht gesprochen. "Das müsste dann auch der Vorstand übernehmen", sagt Zimmermann.

Zurzeit verpacke die Sparkasse das eingegangene Kleingeld in Tüten (Bitte der Sparkasse an die Kunden: nicht gerollt abgeben, denn diese Rollen muss die Sparkasse wieder aufreißen) und schicke es an den externen Dienstleister zur Kontrolle. Von dort geht das Geld entweder weiter zur Bundesbank oder zurück zur Sparkasse, die dann wiederum zertifizierte Rollen an ihre Kunden aushändigen kann.

Neben dem großen logistischen Aufwand muss die Sparkasse aber auch ihre 40 Mitarbeiter im Bargeldbereich schulen. "Sie bekommen ein Zertifikat, das alle zwei Jahre erneuert werden muss", erklärt Zimmermann. Durch die Schulung lernen die Sparkassenmitarbeiter, Münzen mit dem Auge und der Hand zu prüfen, was wiederum deutlich mehr Aufwand bedeutet. Die größeren Zählmaschinen der Sparkasse stehen in der Hauptfiliale an der Hohenfuhrstraße in Radevormwald und in Hückeswagen an der Peterstraße. Kleinere Maschinen stehen auch in den Filialen in Dahlerau und Bergerhof sowie in Wiehagen.

Die Volksbank Remscheid-Solingen, die eine Filiale an der Blumenstraße hat, hat den Bereich "Münzen" seit Jahren ausgelagert. Eine beauftragte Gesellschaft müsse jetzt auch die neue Verordnung beachten. Sie stelle die Dienstleistung der Volksbank in Rechnung, sagt Sprecherin Kristina Hellwig.

Quelle: RP
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