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Radevormwald
Krankenhaus rechnet mit Blut-Engpass

Radevormwald: Krankenhaus rechnet mit Blut-Engpass
Die Blutgruppe "0 Rhesus negativ" ist sehr gefragt, weil sie universell einsetzbar ist, aber auch am seltensten vorkommt. FOTO: DRK-Blutspendedienst West/kapsch
Radevormwald. Axel Druckrey, Transfusionsbeauftragter und Anästhesist, sieht im demografischen Wandel ein langfristiges Problem. Von Jessica Balleer

Wer in Radevormwald einmal Blut spendet, kann damit drei Leben in Nordrhein-Westfalen, Rheinland Pfalz oder dem Saarland retten. Denn so groß ist das Verbreitungsgebiet des Blutspendedienstes West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Jeden Tag benötigt das DRK etwa 3500 Blutkonserven, doch die Spendenbereitschaft ist seit Monaten extrem niedrig. "An manchen Tagen liegt der Verlust bei mehr als 20 Prozent", sagt Stephan David Küpper, Pressesprecher des Blutspendedienstes West. Selbst im Bergischen Land, das laut Küppers nach immer eine "Kornkammer des Blutespendedienstes" war, gehen die Vorräte zur Neige. Das Sana Krankenhaus Radevormwald spürt den Engpass bisher nur minimal. "Wenn wir bei großen Operationen nach Blutkonserven fragen, kommt es auf die Blutgruppe an", sagt der Ärztliche Direktor Dr. Reinhold Hikl. Bisher sei der Klinikbetrieb unbeeinflusst.

Die Blutkonserven bezieht das Ärzte-Team vom Blutspendedienst West. Sana transfundiert pro Jahr 700 bis 750 Konserven an Erythrozyten-Konzentraten. Die Blutgruppe "0 Rhesus negativ" ist besonders gefragt, weil sie universell einsetzbar ist, aber von allen am seltensten vorkommt. Doch während der Bedarf an Blut wächst, sinkt die Spendenbereitschaft. "Die Feiertage, die Pfingstferien und das gute Wetter", zählt Axel Druckrey, Anästhesist und Transfusionsverantwortlicher bei Sana, als Gründe für den akuten Engpass auf. "In den Sommermonaten ist der Engpass ein grundsätzliches Problem." Eine Benachrichtigung vom Blutspendedienst, dass die Situation heikel ist, habe das Krankenhaus noch nicht erhalten.

Laut DRK ist die Lage angespannt. Es ruft deshalb alle gesunden Bürger auf, Blutspendetermine zu besuchen. "Blutspender sind Lebensretter", sagt Pressesprecher Küpper. Etwa 4,6 Millionen Vollblutspenden werden pro Jahr in Deutschland entnommen. Eine Vielzahl von Patienten verdankt ihr Leben diesen fremden Menschen. Neben Unfallopfern oder Herz-Kreislaufpatienten sind vor allem Krebspatienten auf Blutpräparate angewiesen.

Das Bild, das der Blutspendedienst zeichnet, bestätigt Druckrey. Von der Tendenz her sieht er ein längerfristiges Problem. Eine logische Folge der demografischen Entwicklung. "Die Zahl der bedürftigen Patienten nimmt zu. Es werden mehr Operationen durchgeführt. Aber die der Leute, die im spendefähigen Alter sind, nimmt stetig ab", sagt er. Dabei kommen viele Bürger als Spender in Frage: Jeder ab 18 Jahren und bis zum 68. Geburtstag kann Spender werden. Einen amtlichen Lichtbildausweis sollte man zum Spendetermin mitbringen. Männer dürfen sechsmal, Frauen viermal im Jahr Blut spenden. Ob das Blut letztlich in der Heimatstadt oder in einem anderen Bundesland eingesetzt wird, das sollte bei der Entscheidung, Spender zu werden, keine Rolle spielen. Für Küpper zählt: "Menschen spenden für Menschen."

Quelle: RP
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