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Radevormwald
Künstlerin zeigt ein Raumbild in der Kirche

Radevormwald. Gisela Weihs aus Köln überrascht mit einem zwei Meter hohen Kunstwerk, das Sonntag enthüllt wird.

Die Künstlerin umkreist im langsamen Schritt die Skulptur, die derzeit im Kirchenschiff der Reformierten Kirche am Markt Platz gefunden hat. Helga Weihs lässt keinen Zweifel zu: Sie kennt ihr Kunstobjekt Millimeter genau. "Es geht hier um 13 Millimeter Bodenunterschied, die ausgeglichen werden mussten", sagt sie. Kleine Holzkeile lehnte sie ab. Helga Weihs setzte sich lieber in ihr Auto und fuhr in ihr Kölner Atelier. Dort fertigte sie kurzum kleine Holzplättchen an, die es mit dem Kirchenboden aufnehmen und dem Kunstwerk nicht weh tun konnten.

"Sie hat das wunderbar gemacht. Ich habe noch nie einen Künstler erlebt, der so akribisch ans Werk gegangen ist wie Helga Weihs", lobte Bernd Freudenberg von der Kunstinitiative. Er ist von dem zwei Meter hohen Raumbild und dessen überraschenden Ein- und Durchblicken ebenso begeistert, wie die Künstlerin selbst. "Ich beschäftige mich seit 1990 mit Skulpturen. Zuvor war ich im Bereich Film tätig", erzählt die Bildhauerin. Seit drei Monaten sei die Reformierte Kirche wie auch die Originalzeichnung des Grundrisses der Vorgängerkirche von 1793 ein Thema gewesen. "Ich bin der Frage nachgegangen: Wie kann ich das Historische in das Jetzige holen?", sagte Helga Weihs.

Da Skulpturen mit luzidem (lateinisch von "lux, lucis" - "Licht") Charakter seit vielen Jahren sehr erfolgreich ihr künstlerisches Leben bestimmen, setzte sie auch hier auf "Raum als Bild". Was der Künstlerin daran besonders gefällt, sind die vielfachen Möglichkeiten der unterschiedlichen Wahrnehmungen des Betrachters. Das Raumbild in der Reformierten Kirche lockt den Betrachter erst einmal mit klaren Linien und offener Struktur. Erst der zweite Blick öffnet das Objekt, das ohnehin schon durch die abwechselnde Holzlatten und Lücken sehr transparent wirkt. Doch hier ist das Licht der eigentliche Baumeister. "Das Licht in dieser Kirche ist einfach für Kunstwerke fantastisch. Die Skulptur ist horizontal gestreift und zeigt ein spannendes Licht- und Schattenspiel. Es gibt perspektivische Veränderungen durch den Standortwechsel des Betrachters", sagte Helga Weihs. Sie hat die Skulptur verschlossen, doch die Wirkung ist eine offene. "Hier wird nichts betreten, hier wird um sie herum gegangen", sagt sie. Der Blick von der Empore auf das Kunstwerk sei ein weiterer Aspekt, diese Arbeit räumlich ganz anders wahrnehmen zu können. Bei der Planung habe sie auf Eschenholz gesetzt, was durch Hitze- und Feuchtigkeit bearbeitet wurde und nicht mit Chemie.

1176 sauber verschraubte Holzbretter bilden das Gesamtwerk. Anhand eines kleinen Modells konnte die Künstlerin letztlich vor mehr als einem Jahr die Kunstinitiative mit Bernd Freudenberg an der Spitze wie auch das Presbyterium der Kirchengemeinde vom Raumbild überzeugen. "Ich hatte schon vor Jahren ein Auge auf die Arbeiten der Künstlerin geworfen", sagte Freudenberg. Er ist hoch erfreut, dieses Raumbild der international anerkannten Künstlerin im Jahr des 700. Geburtstages der Stadt präsentieren zu dürfen.

"Die Künstlerin baut in die vorhandene Architektur eine Skulptur, die an die Ursprungskirche erinnert", sagte Freudenberg. Vier Wandbilder aus geöltem Eschenholz geben der Ausstellung einen interessanten Rahmen, da sie eine passende Streifenansicht bieten.

Die junge Arbeit der Künstlerin steht im Dialog mit dem Lageplan von 1793, der ebenfalls ausgestellt ist. Der Künstlerin ist es gelungen, die Historie mit dem Jetzt zu verbinden.

Ausstellungseröffnung So. 22. Mai, im Anschluss an den 10-Uhr-Gottesdienst. Deshalb wird auch der Gottesdienst ein besonderes Thema haben, das mit der Ausstellung zusammenhängt: "Gottes-Haus: Wohnt Gott in der Kirche?" Es geht um die Bedeutung eines Kirchenraums.

(sig)
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