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Radevormwald
Kuhn Edelstahl sucht dringend Azubis

Radevormwald: Kuhn Edelstahl sucht dringend Azubis
Santana Telle ist die erste Auszubildende als Gießerei-Mechanikerin. Kuhn Edelstahl möchte weitere Stellen besetzen. FOTO: Michael Schütz
Radevormwald. Die Edelstahlgießerei im Gewerbegebiet Mermbach bildet erstmals eine junge Frau zur Gießerei-Mechanikerin aus. Aber die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist nicht rosig. Zwei Plätze konnten in diesem Jahr nicht besetzt werden. Von Joachim Rüttgen

Den Fachkräftemangel bekommt auch die Edelstahlgießerei Kuhn im Gewerbegebiet Mermbach deutlich zu spüren. "Deshalb bilden wir nur für den eigenen Bedarf aus, weil wir keine Kräfte auf dem freien Markt bekommen", sagt Ausbildungsleiter Andreas Döbler. Da das Unternehmen in seiner Gießerei das eher außergewöhnliche Schleudergieß-Verfahren anwendet, bedarf es speziell ausgebildeter Fachkräfte. 2016 konnte das Unternehmen zwei Ausbildungsplätze nicht besetzen: einen für Maschinen- und Anlagenführer und einen fürs duale Studium als Zerspanungsmechaniker. "Jetzt haben wir kurzfristig noch einen Azubi zum Zerspanungsmechaniker gefunden", berichtet Döbler.

Ein Problem: Laut IHK seien bis Mitte 2016 40.000 Stellen unbesetzt geblieben. "Die guten Haupt- und Realschüler gehen weiter zur Schule", sagt Döbler. Nicht so Santana Telle aus Lüdenscheid. Die 24-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Gießerei-Mechanikerin. Nach dem qualifizierten Realschulabschluss arbeitete sie als Produktionshelferin. "Ich war immer schon technisch begeistert und habe mich für Chemie interessiert", sagt sie in ihrem Blaumann. Mit 23 startete sie ihre zweijährige Ausbildung zur Maschinen- und Anlagenführerin. Als ihr Vorgesetzter merkte, wie begeistert und motiviert sie war, schlugen er und Döbler ihr die dreieinhalbjährige Ausbildung zur Gießerei-Mechanikerin vor. "Ich kann noch den Techniker oder Meister machen", sagt sie. Eine anspruchsvolle Herausforderung. "Ich habe bei meiner Vorstellung gesagt, dass ich hart arbeiten will und anstrengende körperliche Arbeit mag." In der Gießerei habe sie sich sofort pudelwohl gefühlt. Jetzt brauche sie keinen Sport mehr, ihre Ausbildung ersetze ihr die Muckibude. Beim Schleudergießen werden fertige Formen ("Kokillen") schnell gedreht. Der flüssige Stahl wird durch die Zentrifugalkraft nach außen geschleudert und stark verdichtet. So entsteht die schmiedeähnliche Festigkeit des Stahls. "Da Kuhn kein Serienfertiger ist, bekommen die Kunden ein sehr individuelles Produkt", sagt Döbler. Die Zusammensetzung des Stahls sei elementar wichtig. Schon 0,1 Prozent Konzentration zu wenig oder zu viel mache aus einem Bauteil Schrott. Deshalb seien ausgebildete Fachkräfte wichtig. Diese Anforderung und Abwechslung liebt Santana Telle. Kuhn arbeitet für die Lebensmittelindustrie, für große Schiffsdiesel, für die Abwassertechnik und für Stahlwerke. Die Stückzahl liegt meist bei eins bis zehn, selten bei 200 bis 300, vom Durchmesser sind die Bauteile zwischen 80 Millimeter und 2,20 Meter groß und bis zu acht Meter lang. "Es ist eine sehr genaue Arbeit, die eine hohe Verantwortung und Konzentration erfordert. Zwei Sekunden Unachtsamkeit können dramatische Folgen haben, deshalb sagen wir jungen Leuten, dass sie keine Angst, aber Respekt haben sollen", sagt Döbler. Das Image ist nicht gut. Es handelt sich um schwere körperliche Arbeit im lauten Arbeitsumfeld mit extrem hohen Temperaturen. Der Stahl bei Kuhn wird bei 1700 Grad geschmolzen, da steigt das Thermometer am Arbeitsplatz auf bis zu 100 Grad. "Pro Schicht trinke ich drei bis vier Liter Wasser", sagt die selbstbewusste junge Frau, die sich in einer Männerdomäne durchsetzt. "Als Frau wird man komisch angeschaut, aber ich kann mich durchsetzen", sagt sie. Santana Telle bekommt immer mehr Routine. Mittlerweile hat sie im zweiten Lehrjahr schon einen eigenen Ofen auf der Ofenbühne, ist damit alleine verantwortlich für den Schmelzvorgang. Da verwundert es nicht, dass der Händedruck bei der Verabschiedung ungewohnt kräftig ausfällt.

Quelle: RP
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