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Radevormwald
Martinszug an der Wupper ist in Gefahr

Radevormwald. Nur noch acht Straßensammler haben sich in diesen Tagen aufgemacht, um teils in zwei großen Gebieten alle Häuser aufsuchen zu können. Doch nur mit dem Verkauf der Bons ist es nicht getan: Jede Menge Arbeit steht vor dem Zug an. Von Sigrid Hedderich

Eine kleine Gruppe unermüdlicher Helfer kämpft zurzeit wieder um den Erhalt einer schönen Tradition, den St. Martinsumzug an der Wupper. Er ist gefährdet. Und das jedes Jahr aufs Neue, denn um ihn auf die Beine zu stellen, gilt es, jede Menge Regeln zu beachten, viele Stunden an Freizeit und Arbeit einzusetzen. "Wer macht das heute noch? Die meisten Leute haben keine Zeit oder keine Lust darauf, eine so große Veranstaltung für Kinder zu organisieren", sagt Stefan Braun. Zusammen mit seiner Ehefrau Andrea, Inge Harhues, Tanja Arzdorf und Familie Schwenkhagen erarbeitet er wieder einen Organisationsplan. "Uns fehlen jedes Jahr aufs Neue die Helfer, die von Haus zu Haus ziehen, Spenden für den Umzug sammeln und die Bons für die Martinstüten verkaufen", sagt Andrea Braun. In diesem Jahr habe sich die Suche als besonders schwierig erwiesen. Sie weiß, dass sich ein Helfer, der ein Sammlergebiet übernimmt, auf viele Einsatzstunden einlässt. "Die Straßenzüge haben wir in Gebiete eingeteilt. Melden sich viele Sammler, so können wir jedes Gebiet gut besetzen, und der Einsatz ist überschaubar", berichtet sie.

Doch da es wieder Engpässe gab, warb sie sogar auf Facebook. Vergeblich. Es meldete sich niemand. Somit übernahmen die nur noch neun Straßensammler teils zwei Gebiete, um alle Häuser aufsuchen zu können. Gestern die nächste Hiobsbotschaft: Ein Sammler fällt plötzlich aus, das macht die Not noch größer. Wer helfen will, kann sich bei Brauns unter Tel. 02191 7893567 melden. "Dass wir so um Helfer kämpfen mussten, hat uns alle sehr erschrocken. Im Moment haben wir Sorge, dass der Martinszug nicht mehr lange durchgeführt werden kann", sagte Andrea Braun. Sie und ihr Mann aber haben sich für die Durchführung eingesetzt und wollen dies möglichst auch weiter tun. "Unser Martinszug darf nicht sterben. Wir jedenfalls werden für ihn weiter kämpfen", sagen sie.

Stefan Braun betont, dass es mit der Haussammlung und dem Verkauf von Bons nicht getan sei. "Auch der Einkauf ist sehr umfangreich. In diesem Jahr rechnen wir mit 450 Martinstüten, die gut gefüllt sein wollen", sagt er. Da müssen lange vor dem Martinstag Angebote von Lebensmittelgeschäften eingeholt werden. Letztlich folgt die Abnahme von vielen Kisten und Kartons, die bewältigt werden muss. Es braucht Lagerraum für Ware und genügend Fahrzeuge. Da kommt schon viel Ware zusammen. Die Tüten werden mit Spekulatius, Obst und Spielzeug gefüllt. Dann kommen noch die traditionellen Weckmänner hinzu. Am Martinstag trifft sich die Organisationsgruppe dann mit den Haussammlern, um die Tüten vor Ort in der Aula der Grundschule Brede zu packen. Etwa drei Stunden werden hierfür immer veranschlagt.

Das Vorbereitungsteam freut sich, dass der Bereich Musik noch so gut abgedeckt ist. Zwar wandern die Musiker des Bergischen Blasorchesters Vogelsmühle nicht mehr mit, doch die Musiker gaben bereits ihre Zusage, bei der Tütenausgabe in der Aula Martinslieder zu spielen. Der Posaunenchor Remlingrade wird den Zug wieder direkt begleiten. "Weiter haben wir die Einheit Herkingrade der Freiwilligen Feuerwehr für zahlreiche Aufgaben rund um den Umzug wieder mit im Boot, wie auch das DRK Dahlhausen", sagt Stefan Braun, Einsatzleiter der Einheit Herkingrade. Und seine Frau ergänzt: "Wir machen die Aufgaben um den Martinszug wirklich sehr gerne. Doch wir wünschen uns dringend junge Eltern, die im nächsten Jahr mithelfen. Nur mit weiteren Helfern ist die alte Tradition des Martinszugs an der Wupper gesichert. Und die muss bleiben", sagt sie.

Quelle: RP
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