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Radevormwald/Oberberg
Maul- und Klauenseuche bekämpfen

Radevormwald/Oberberg: Maul- und Klauenseuche bekämpfen
Simon Blechmann in der Personen-Dekontaminationsstation (l.) - Auch eine Autowaschstraße wurde vor dem Hof aufgebaut (u.). FOTO: Möller
Radevormwald/Oberberg. Groß angelegte Krisenübung des oberbergischen Kreisveterinäramtes in Zusammenarbeit mit den Fachämtern von sechs benachbarten Kreisverwaltungen. Die Ehrenamtlichen sind auf den Ernstfall gut vorbereitet. Von Michael Möller

Die Ortseinfahrt von Gummersbach- Hülsenbusch wird für die Autofahrer zum Nadelöhr. Etliche Feuerwehrfahrzeuge mit Blaulicht und Fahrzeuge der Kreisverwaltung stehen am Straßenrand. Ein Warndreieck weist auf eine Gefahrenstelle hin. In einer Nebenstraße steht ein orangefarbiges Zelt mit einer Duschkabine davor. Feuerwehrleute sind die mit dem Aufbau von Geräten beschäftigt. Was Autofahrer nicht sehen können: Rund 50 Meter die Straße hoch, errichten neun Mitglieder des THW Gummersbach eine rund 30 Meter lange Folienbeckenstrecke auf. Sie erinnert mit ihrem Duschbogen und den Hochdrucklanzen an eine Autowaschstraße. "Das ist sie auch", erklärt Wilfried Fischer, stellvertretender Kreisbrandmeister und Leiter der Feuerwehr Radevormwald.

Im Oberbergischen Kreis läuft eine zweitägigen "Veterinärübung" ab. "Ausbruch der Maul- und Klauenseuche" ist das Szenario, das geübt wird. Sechs Nachbarkreise beteiligen sich an dieser Übung, denn so eine Seuche macht nicht an Kreisgrenzen Halt. Auch das Ordnungsamt Radevormwald ist involviert.

FOTO: Michael Möller

Diese Seuche, hervorgerufen durch einen Virus, ist höchst ansteckend und kann auch durch Gegenstände übertragen werden. Daher hat Fischer einen strengen Blick auf den Aufbau. "Diese Waschstraße beginnt mit einer Folienwanne mit Wasser, dann mit Desinfektionsmittel und dann wieder Wasser. Die Fahrzeuge werden in dem Bogen von allen Seiten abgewaschen und mit den Lanzen abgespritzt", erklärt er. Die Flüssigkeiten werden abgepumpt und müssen entsorgt werden. Viel Aufwand für einen kleinen Virus. Aber das muss einfach sein, hieß es am Samstag.

Der Hof, der Besitzer hat ihn für die Übung zur Verfügung gestellt, liegt in einen zehn Kilometer Sperrgebiet. Hier gibt es laut Kreisverwaltung 690 Betriebe für die die Seuche zu einem existenziellen Problem würde: Sie leben von ihrem Vieh. Während hier die Dekontaminationsstationen aufgebaut werden, sind auf zwei weiteren Höfen die Tierärzte aktiv. Sie müssen das richtige Entsorgen der todkranken Tiere in der Ein-Kilometer-Sperrzone üben. Um 14 Uhr soll die Übung an Tag 2 beendet sein, die Nachbesprechung folgen, auf die der Kreisdirektor und Leiter des Krisenstabes, Klaus Grootens, nach zwei Jahren Vorbereitung gespannt wartet.

Der Ernstfall würde real neun bis zwölf Wochen dauern. Pflegebedürftige Menschen und das Pflegepersonal oder Notfälle müssen bedacht werden. Schüler müssen zur Schule. Für sie bauen 14 Feuerwehrleute der Löschgruppe Marienheide die Dekontaminationsstation auf. Duschen und Kleidung tauschen, ist hier angesagt. Bei rund einem Grad Außentemperatur will man sich das nicht vorstellen. "Es wird warmes Wasser benutzt", sagt Fischer mit einem Augenzwinkern.

Interessiert schaut sich Landrat Jochen Hagt den Neusiedlerweg an, der zur Waschstraße geworden ist. "Es ist ein Riesenaufwand, und es hat in meinen Augen gut geklappt. Uns ist die Sicherheit der Bevölkerung sehr wichtig. Die Ehrenamtlichen haben gute Arbeit geleistet", lobt er am Rande der Übung. Eine riesige Maschinerie ist angelaufen. Proben wurden genommen und doppelt überprüft, der Krisenstab steht, Personal wurde von anderen Ämtern umgeschichtet, die Kooperation mit den Nachbarkreisen klappt.

Polizei und Bundeswehr unterstützen ebenfalls die Übung. Im nächsten Jahr wird dann eine Veterinärübung in einem anderen Kreis stattfinden, die am Wochenende gemachten Erfahrungen aus dem Oberbergischen Kreis mit einfließen und Wilfried Fischer wohl wieder dabei sein.

Quelle: RP
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