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Radevormwald
Mehr als nur roter Teppich und Eitelkeit

Radevormwald: Mehr als nur roter Teppich und Eitelkeit
Willkommene Abwechslung in einem Berliner Kaffeehaus: Christian Zipperle ist ständig auf der Suche nach neuen Charakteren und Situationen. FOTO: treiber
Radevormwald. Christian Zipperle ist in Radevormwald aufgewachsen. Jetzt lebt er als freier Drehbuchautor in Berlin. Geschrieben hat er das Drehbuch für den Film "Das kalte Herz" nach einem Märchen von Wilhelm Hauff. Der Film gewann zwei Preise. Von Flora Treiber

Freitagvormittag in Berlin. Über den Hackeschen Markt laufen viele Touristen, die sich an ihren Regenschirmen festklammern, vereinzelte Berliner sind auf dem Weg zu ihrer Arbeit. Christian Zipperle geht seiner Arbeit als Autor mittlerweile freiberuflich nach. Genug von festen Strukturen, Überstunden im Dienste eines anderen und der Suche nach frischem Material für einen neuen potenziellen Kinofilm.

Die letzten Jahrzehnte hat der gebürtige Radevormwalder für eine Produktionsfirma in der Hauptstadt gearbeitet. Dort hat er zwar auch eigenen Stoff entwickelt, wie man es in seiner Branche nennt, aber auch als Scout gearbeitet. Immer auf der Suche nach neuen Talenten und neuen Drehbüchern. Sein eigenes Mammutwerk der vergangenen Jahre war die Arbeit an dem Kinofilm "Das kalte Herz". Dafür hat er das Drehbuch geschrieben. Vergangenes Jahr lief die moderne Version des Märchens von Wilhelm Hauff in den deutschen Kinos, hat 2017 zwei deutsche Filmpreise gewonnen und Christian Zipperle als Drehbuchautor auf die Kinoleinwand gebracht. Mit Frederick Lau, Henriette Confurius, Milan Peschel und Moritz Bleibtreu in den Hauptrollen ist das Märchen sehr gut besetzt und macht Christian Zipperle merklich stolz.

Mittlerweile ist er von dem rauen Treiben des Hackeschen Markts in ein nahe gelegenes Kaffeehaus geflohen, hat seine Kappe abgesetzt und sitzt vor einem großen Milchkaffee. "Die Filmbranche ist nicht nur roter Teppich und Eitelkeit. Es geht um sehr viel Arbeit, starke Nerven und das ewige Ringen um Produktionsbudgets", sagt er. Jetzt, im Alter von 44 Jahren, kennt Christian Zipperle die Branche und ihre Tücken gut. Als er als Jugendlicher durch Radevormwald trottete, träumte er von einem Leben als Drehbuchautor in einer Großstadt. Dass er seine Kreativität jetzt freiberuflich ausleben kann und selbstständig Material für neue Filme und Fernsehformate schreibt, das findet er richtig gut.

"Ich habe mich immer für Film und Fernsehen interessiert. Ich freue mich auf die nächsten Projekte. Momentan schreibe ich unter anderem an einer möglichen Fernsehserie", berichtet er.

Nachdem er sein Abitur in der Tasche hatte, studierte er Kommunikations- und Theaterwissenschaften in Leipzig sowie Publizistik in Berlin. Am Ende waren es dann aber doch die praktischen Erfahrungen, die ihn zum freien Drehbuchautor gemacht haben. "Ich habe ein Praktikum in einer Produktionsfirma gemacht. Dort habe ich alles, Schritt für Schritt, gelernt und wurde nach meinem Praktikum übernommen", erzählt er.

Mit "Das kalte Herz" feierte Christian Zipperle seinen ersten Kinofilm als Autor, der im Oktober auch im Corso-Kino in Radevormwald gezeigt wird. Obwohl die Berufswelt des Drehbuchautors aus der äußeren Perspektive glamourös wirkt, sieht die Realität anders aus. "Nur weil man in der Filmbranche arbeitet, heißt es nicht, dass man nur auf dem roten Teppich und auf Filmprämieren unterwegs ist", sagt Zipperle. Trotzdem ist er froh, der Kleinstadt mit Mitte Zwanzig den Rücken zugekehrt zu haben. In Großstädten wie Berlin hat er viele wichtige Kontakte geknüpft und konnte in die Welt der Kinofilme eintauchen. Als Drehbuchautor hält er immer Ausschau nach neuen Charakteren und Situationen, die ihm eine zündende Idee liefern. Ein Vormittag in einem Kaffeehaus zu verbringen ist deswegen zwar nicht Alltag, aber zumindest eine willkommene Abwechslung zum heimischen Schreibtisch. "Zu schreiben ist nicht immer leicht, aber ich habe meine Routine gefunden und freue mich auf die nächsten Projekte und Jahre", sagt Zipperle.

Fragen zu seinem ersten Kinofilm "Das kalte Herz" und seiner Arbeit beantwortet er im Oktober auch in Radevormwald, wenn das Märchen im Seniorenkino gezeigt wird.

Quelle: RP
 
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