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Radevormwald
Mit dem Traktor die Bibel ans Ziel gebracht

Radevormwald: Mit dem Traktor die Bibel ans Ziel gebracht
Pastor Johannes Dress (Martini, Fahrer) und Pfarrer Philipp Müller brachten die Bibel am Sonntagabend von der Uelfestraße zur Reformierten Kirche am Markt. Auf dem Anhänger wurde weiter aus der Bibel gelesen. FOTO: Flora Treiber
Radevormwald. In der Nacht von Sonntag auf Montag endete der Bibelmarathon. Für alle Beteiligten war die ökumenische Aktion ein emotionales Erlebnis. Von Flora Treiber

Eigentlich sollte der Bibelmarathon der sieben Gemeinden in Radevormwald Sonntagabend mit einer Andacht in der Reformierten Kirche enden, aber das Leseprojekt anlässlich des Reformationsjubiläums entwickelte sich zu einer echten Herausforderung. Dass sich ein Notfallteam für die Nacht von Sonntag auf Montag finden lassen musste, wurde den Gemeindemitgliedern aus Radevormwald relativ früh klar. Der gesetzte Zeitplan war, zumindest für ungeübte Vorleser, nicht umsetzbar.

Die neue Übersetzung der Lutherbibel von vorne bis hinten, ohne Unterbrechung durchzulesen, war für die 150 Leser ein besonderes Erlebnis. Nachdem der Bibelmarathon Donnerstagabend in der Lutherischen Kirche an der Burgstraße von Bürgermeister Johannes Mans eröffnet wurde, brach für viele Leser die erste anstrengende Nacht des Marathons an.

Nicht nur Pfarrer Philipp Müller, sondern auch Leser wie Günter Künz oder Susanne Fischer blieben ganze Nächte wach, um sich für den Bibelmarathon zu engagieren. Günter Künz zeigte sich bereits Donnerstag voller Elan und zog am Sonntag, kurz vor Ende des Marathons, ein sehr ehrliches und bewegendes Fazit. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass mich der Bibelmarathon so tief bewegt. Die Kirche zu jeder Tageszeit, nachts und während des Sonnenaufgangs, zu erleben und immer die Worte aus der Bibel im Ohr zu haben, hat mich tief bewegt", sagte er. Mit den Tränen kämpfte er am letzten Wochenende immer wieder. Insbesondere als er sich Sonntagmittag lesend auf den Weg von der Lutherischen Kirche in die Martini-Kirche machte. "Ich wurde von Pfarrer Buttchereyt geführt und habe mich versucht, auf das Vorlesen zu konzentrieren. Als ich in der Martini-Gemeinde, der Kirche meiner Mutter, ankam, ist mir kurz die Luft weggeblieben. Ich war einfach überwältigt."

Ähnlich erging es Markus Laux und Stefanie Jansen. Beide haben mehrere Lesungen übernommen und irgendwann nicht mehr für das Publikum gelesen. "Als ich in der Kirche saß, habe ich gemerkt, wie sich mein Leseverhalten geändert hat. Ich habe für Gott gelesen. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet", sagte Stefanie Jansen. "Für mich war dieser Moment sehr besonders. Ich war überrascht, wie sehr mich das alles bewegt hat", stimmte Markus Laux zu.

Überrascht waren die Vorleser allerdings nicht nur von der eigenen Reaktion auf den Bibelmarathon, sondern genauso von den Besuchern, die mitten in der Nacht ihren Weg in die Kirchen fanden. "Jugendliche sind auf ihrem Weg nach Hause in die Kirche gekommen und haben zugehört. Manche haben spontan eine Lesung übernommen. Ich bin froh, dass der Bibelmarathon solche Reaktionen hervorgerufen hat", sagte Pfarrer Müller.

Auch die Übergänge zwischen den Kirchen haben reibungslos funktioniert. Die erste Fahrt von der Innenstadt nach Vogelsmühle startete bei Sonnenschein und endete im Regen. "Die Planwagenfahrt die Mühlenstraße runter war spektakulär, aber die Pferde haben uns sicher ans Ziel gebracht", sagte Künz. Den letzten Weg der Bibel führte Pfarrer Johannes Dress (Martini-Gemeinde) mit seinem historischen Trecker an. Sonntagabend schlängelte sich eine kleine Gruppe an Gläubigen durch die Innenstadt, um die Bibel in der Reformierten Kirche am Markt zu Ende zu lesen. Um Punkt 3.30 Uhr, Montagmorgen, wurde der letzte Vers der Lutherbibel gelesen. "Die weitere Nachtschicht hat sich gelohnt. Den Bibelmarathon wird keiner von uns vergessen, das war ein ganz besonderes Ereignis", sagte Pfarrer Müller.

Quelle: RP
 
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