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Radevormwald
Mit zu viel Alkohol das eigene Leben ruiniert

Radevormwald. Unmengen an Alkohol bereiten einem 52-jährigen Radevormwalder Probleme. Das Amtsgericht gibt ihm eine Chance.

Vor vielen Jahren starb sein erster Sohn im Babyalter. Der heute 52-jährige Rader konnte das nicht verkraften, sah den schweren Schicksalsschlag als Strafe Gottes für seine eigene riskante Lebensweise: "Ich bin damals wild Motorrad gefahren, hatte auch mehrere Unfälle, bin aber immer halbwegs heil rausgekommen. Stattdessen ist mein Kind gestorben", sagte er nun als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Wipperfürth aus. Die irrationalen Schuldgefühle habe er mit Alkohol betäubt.

Dennoch war es dem Mann gelungen, mehr als 30 Jahre lang in seinem erlernten Handwerksberuf zu arbeiten und damit seine Frau und den zweiten Sohn zu ernähren. Irgendwann brach das Kartenhaus jedoch zusammen, er verlor die Arbeitsstelle, die Alkoholsucht zerstörte auch die Ehe, seine Frau warf ihn raus. Zum Leben war er auf Hartz IV angewiesen. An einem Abend im Oktober vorigen Jahres war die Situation eskaliert: Der Mann, der inzwischen in einer Garage hauste, tauchte vor der Wohnung seiner Frau auf, schlug gegen die Rollläden, beschimpfte die Frau übelst und drohte ihr, das Haus in die Luft zu sprengen. Um das zu unterstreichen, stellte er eine Gasflasche neben dem vor dem Haus geparkten Auto der Frau ab. Sie rief die Polizei, das Strafverfahren war nun die juristische Folge. Vor Gericht stritt der Mann die ihm zur Last gelegte Bedrohung und die Beleidigungen nicht ab. Tatsächlich könne er sich aber an nichts erinnern, denn er sei schwer betrunken gewesen: "Ich hatte bestimmt einen Kasten Bier getrunken, das war damals mein tägliches Pensum." Nervlich und auch körperlich sei er völlig am Ende gewesen, nachdem seine Frau ihn mit dem gemeinsamen Sohn verlassen habe. Monatelang habe er kaum noch etwas gegessen. Nach dem Vorfall hatte die Polizei den Radevormwalder zur Entgiftung in die Fachklinik nach Marienheide gebracht. Nur einen Tag später entließ er sich selbst. "Bei meiner Frau durfte ich mich wegen der häuslichen Gewalt zehn Tage lang nicht mehr blicken lassen, ich bin durch die Wälder geirrt und kriege es heute nicht mehr zusammen, was ich an welchem Tag gemacht habe", sagte er im Prozess aus. Schließlich fand der Rader zur Suchtberatung. Er ließ sich zunächst auf eine ambulante Therapie ein, jetzt ist er in einer Fachklinik in Langzeittherapie. Mit dem 19-jährigen Sohn, der bei seiner Mutter lebt, hat er sich ausgesprochen. Seine Frau bestätigte als Zeugin, dass seit dem Geschehen im Oktober nichts mehr vorgefallen sei. Deshalb einigten sich Staatsanwalt und Richter auf eine vorläufige Einstellung des Verfahrens, zumal der 52-Jährige nur eine Vorstrafe wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr hat. "Weitere Sanktionen scheinen nicht notwendig", so der Richter. Einzige Auflage: Der Mann muss die stationäre Therapie, die vorerst bis Mitte November befristet ist, durchziehen. Das ist allerdings in seinem Interesse, wie er im Schlusswort sagte: "Ich bin wieder vernünftig und will mein Leben auf die Reihe kriegen, schon dem Sohn zuliebe."

(bn)
 
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