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Radevormwald
Mönche im Asiatischen Museum zelebrieren Mandala

Radevormwald: Mönche im Asiatischen Museum zelebrieren Mandala
Die Mönche haben gestern Mittag damit begonnen, das Mandala auf den Boden zu bringen. Zehn Stunden am Tag sind sie beschäftigt. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Noch bis Sonntag bietet das Asiatische Museum in Sieplenbusch die überaus seltene Möglichkeit, einen Blick in die Welt buddhistischer Mönche zu werfen. Kirsten Wehner hat die sechsköpfige Gruppe vor einem Jahr kennengelernt, und als gute Bekannte der Museumseigentümer Li und Peter Hardt vermittelte sie den Kontakt.

Die Mönche sind vom Dalai Lama für ihre dreimonatige Europa-Friedenstournee abgeordnet. Alle tragen den Titel eines Geshe, sie haben ein mindestens 13- bis 20-jähriges Studium der Philosophie absolviert. Die Gruppe wird Theaterstücke aufführen, die das Leben im buddhistischem Kloster darstellen, traditionelle Tänze zeigen und mitgebrachte Gegenstände segnen. "Haussegnungen sind nicht möglich", bedauert Kirsten Wehner. Alle durch Eintritt, Verkauf von Handarbeiten oder Spenden eingenommenen Gelder werden den Mönchen überlassen, die damit Schulen und Tempel in Südindien unterstützen. Diese Einrichtungen ermöglichen es den Exiltibetern, ihre Kultur zu erhalten, die sonst unwiederbringlich verloren ginge.

Hauptattraktion des viertägigen Aufenthaltes ist die Gestaltung eines Sandmandalas mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter. Der Aufbau dieser Kunstwerke mit dem Titel "Grüne Tara", die normalerweise sofort nach ihrer Fertigstellung wieder zerstört werden, hat eine mehr als 2000-jährige Tradition. "Sie sollen uns daran erinnern, dass alles vergänglich ist, und wir lernen müssen, auch einmal loszulassen", erläutert Li Hardt die Bedeutung des Sandmandalas.

Die Anhänger des Buddhismus sind überzeugt, dass schon ein flüchtiger Blick auf das Mandala einen positiven Eindruck im Geist der Besucher bewirkt, einen kraftvollen Heilungsprozess einleitet und ein gutes Karma hervorbringen kann. Die Wünsche derer, die an die Mandalas glauben und beten, sollen erfüllt werden. Damit ihr Werk noch von vielen Museumsbesuchern besichtigt werden kann, bleibt es ausnahmsweise, geschützt durch eine Glaskuppel, für die nächsten rund zwei Jahre bestehen, bevor auch dieses Kennzeichen der Vergänglichkeit zerstört werden wird.

Gestern feierten die Mönche den Beginn ihrer Arbeit mit einer großen Zeremonie. Sie sangen ein traditionelles Eröffnungsgebet, mit dem sie die Götter um Hilfe baten. Hilfe, die sie für die lange, filigrane und anstrengende Arbeit sicher gut gebrauchen können. Eine ruhige Hand und viel Konzentration sind Voraussetzung. Zwei Jahre braucht ein Mönch im Durchschnitt, bis er diese Fertigkeit beherrscht.

Bis zu zehn Stunden pro Tag sitzen immer drei Mönche gleichzeitig auf dem Boden, um das Sandbild zu malen, Dafür füllen sie gefärbten Quarzsand in spitz zulaufende Bronzeröhrchen. Durch Reibung der Röhren wird der Sand herausgerüttelt. Unterschiedliche Tempi beim Reiben steuern die Menge des Sandausflusses und die Entfernung des Bronzerohres zur zu bemalenden Fläche. Das beeinflusst, ob der Sand in feinen Linien oder breitflächig ausgebracht wird. Die Fortschritte können jederzeit von Gästen des Museums beobachtet werden. Den besten Blick dafür gibt es von der umlaufenden Galerie.

Die Mönche kochen ihr vegetarisches Mittag- und Abendessen auf dem Museumsgelände. Gegen eine Spende kann an einer Mahlzeit teilgenommen werden.

(gedi)
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