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Radevormwald
Nach Vermissten wird 30 Jahre gesucht

Radevormwald. Erst jüngst verschwand eine 15-Jährige aus Remscheid, die zuletzt in Hückeswagen gesehen wurde. Im Oberbergischen Kreis hat die Polizei noch drei ungeklärte Vermisstenfälle, darunter sind ein Hückeswagener und eine Radevormwalderin. Von Harald Knoop und Stephan Büllesbach

Melanie Petrick macht sich große Sorgen. Die Hückeswagenerin ist die Tante von Leonie G., einer 15-Jährigen aus Remscheid, die seit dem 23. Juli vermisst wird. Die Jugendliche hatte an diesem Tag gegen 16 Uhr ihre Wohnung an der Rathausstraße verlassen und war zuletzt am 2. September in einem Hückeswagener Supermarkt und in einem Eiscafé gesehen worden. Seither ist ihr Aufenthaltsort unbekannt. Die Polizei prüft Hinweise. Etwa den, dass die 15-Jährige zu einem fremden Mann nach Frankfurt gereist sein soll.

Die Suche nach vermissten Personen gehört zum Polizeialltag. Manche Fälle lösen sich schon nach wenigen Stunden in Wohlgefallen auf, wenn der verloren geglaubte Teenager bei Freunden oder nach einem Nachtbummel in Köln unversehrt bei Verwandten auftaucht. Oder der Senior, der sich im Wald verlaufen hat, wird von Hilfskräften entdeckt und wohlbehalten nach Hause gebracht, noch bevor die ganz große Suchaktion gestartet werden muss.

Vermisstenfälle, die erst nach Tagen oder Wochen aufgeklärt werden, enden hingegen meist tragisch, weil die Menschen entweder verunglückt sind oder ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt haben. Manchmal ist das nicht mehr sicher festzustellen.

Anfang März 2015 hatten Spaziergänger einen Toten im Vorstaubecken der Bigge-Talsperre entdeckt; er war ertrunken. Die Polizei konnte ein Fremdverschulden ausschließen. Der Mann hatte Ende Januar seine Wohnung in Oberberg zu Fuß verlassen, er galt als depressiv und selbstmordgefährdet. Von manchen Menschen fehlt aber auch nach Jahren noch jede Spur. Unter den 612 Langzeitvermissten, die das Landeskriminalamt (LKA) Ende vergangenen Jahre für Nordrhein-Westfalen aufgeführt hatte, fallen drei in die Zuständigkeit der oberbergischen Polizei. Im August 2000 verschwand ein damals 33-jähriger Mann aus Hückeswagen, der als psychisch krank galt und seit einem Kurzurlaub auf Mallorca vermisst wurde. Am Frankfurter Flughafen war er zuletzt gesehen worden. Schließlich wurde er 2011 laut Polizeiakten vom zuständigen Amtsgericht für tot erklärt - und zwar rückwirkend zum Jahr 2005.

Seit Dezember 2005 ist eine damals 45-jährige Frau aus Radevormwald verschwunden. Sie hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem sie ankündigte, sich im Ausland umbringen zu wollen. Um sicherzugehen, ob solche Briefe tatsächlich echt sind, recherchiert die Polizei im Umfeld der Gesuchten nach Ungereimtheiten: Gab es vielleicht Streit mit Familie, Freunden, Nachbarn? Oder finden sich Hinweise, die etwas anderes als ein Verschwinden aus freien Stücken möglich erscheinen lassen - vielleicht sogar auf ein Verbrechen?

Führen Spuren ins Ausland, wird dort nachgeforscht. Wie bei dem 33-Jährigen, der 2006 in München verschwindet. Als seine Eltern in Oberberg über Wochen keinen Kontakt zu ihm aufnehmen können, schalten sie die Polizei in Gummersbach ein. Münchner Kollegen durchsuchen die Wohnung: Rucksack, Kleidung und der Ausweis des Mannes sind weg. Polizeisprecher Michael Tietze: "Der junge Mann war vor seinem Verschwinden auf Urlaub in Spanien, Kuba und Thailand." Aufgetaucht ist er bislang nicht.

Quelle: RP
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