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Radevormwald
Naturschutzbeirat sorgt sich um Insekten

Radevormwald. Wissenschaftler haben einen Verlust bei Fluginsekten von etwa 80 Prozent festgestellt. Der Naturschutzbeirat appelliert deshalb nun an den Kreis, die Landwirte und die Bevölkerung. Auch Gartenbesitzer können mit kleinen Mitteln helfen. Von Elena Erbrich

Artenvielfalt und Insektenmasse sind in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Das hat der Entomologische Verein Krefeld herausgefunden. Deshalb kommt nun der Appell des Naturschutzbeirats, etwas dagegen zu unternehmen. Titel: "Damit es im Oberbergischen wieder summt". Ohne die Bestäubungsleistung von Bienen, Hummeln und Co. gebe es schließlich keinen Honig, kein heimisches Obst und weniger Blüten. Letztlich sei das ganze Ökosystem bedroht.

"Der Normalbürger merkt den Rückgang zum Beispiel daran, dass er im Sommer weniger Insekten auf der Windschutzscheibe findet", erklärt Heinz Kowalski, der Vorsitzende des zum Kreis gehörenden Naturschutzbeirats. Auf Vögel wirke sich der Verlust der Insekten besonders stark aus. "Vor 30 Jahren waren es 450 Millionen Vögel mehr. Das muss ja einen Grund haben", sagt Kowalski. "Fakt ist, dass es mittlerweile immer weniger Schwalben gibt." Betroffen seien fast alle Insektenarten: von Wild- und Honigbienen über Hummeln bis hin zu Schmetterlingen. "Das sorgt für eine nachhaltige Störung der Ökosystemkette", sagt Kowalski und warnt: "Am Ende der Nahrungskette stehen wir."

Gründe für den Rückgang gebe es einige. So würden Insekten an vielen Orten keine Fortpflanzungs- und Nahrungspflanzen finden. "Blühstreifen, bunte Wiesen und alte Streuobstwiesen werden immer seltener", sagt Kowalski. Hauptgrund sei aber die Intensivierung der Landwirtschaft: "Die Landwirte bauen nur noch Monokulturen wie Mais an." Früher habe es noch Blühstreifen um die Felder gegeben, aber heute werde jeder Millimeter ausgenutzt. Er könne die Bauern verstehen, schließlich bedeute jeder Millimeter Geld. "Aber ein bisschen Fläche reicht ja schon aus, und die Insekten können dort wieder leben", sagt Kowalski. Außerdem seien sie den Landwirten auch nützlich. Marienkäfer fressen zum Beispiel Blattläuse.

Pflanzenschutzmittel seien weniger ein Grund für den Verlust der Insekten. "Das ist zum Glück eingedämmt", sagt Kowalski. "Viele Gartencenter bieten kein Glyphosat mehr an."

Kowalski appelliert auch an die Kommunen. "Die Wegränder werden mehrmals im Jahr gemäht", sagt er. "Das muss nicht sein." Und er gibt noch einen Tipp: "Auf eigenen Flächen könnten sie auch mehr Blumenwiesen anlegen." Auch Gartenbesitzer können ihren Teil beitragen. "Wenn sie ihren Garten wieder bunt machen, zum Beispiel durch Hochstauden und Obstbäume, finden Insekten wieder Nahrung", sagt Kowalski.

Er beobachte aber immer wieder, dass es zum Trend geworden ist, statt Hecken Steinmauern zu setzen. "Das ist kein Lebensraum für Insekten", sagt er. Ein optimaler Lebensraum sehe so aus: Dort befinden sich Obstbäume, Haselnussbäume, Kornelkirsche, Eberesche. Auch blütenreiche Stauden in Beeten oder Pflanzkübeln sind wertvoll für Insekten. Zum Beispiel alle Korbblütler wie Sonnenhüte, Astern, Margeriten, Flockenblumen und Dahlien. Auch mit Vogelnistkästen und Insektenhotels, die Niströhren für Wildbienen, können Gartenbesitzer etwas Gutes tun. Die müssten natürlich nicht alles umsetzen. "Schon kleine Dinge können etwas bewirken", sagt er. "Je mehr Leute mitmachen, desto mehr wird getan."

Der Naturschutzbeirat empfiehlt zudem, naturnahe Gärten anzulegen, Obstbäume zu schützen oder neue anzupflanzen. Hecken und Gehölze sollten erhalten, Ackerrandstreifen, Wegränder, Säume und Rainen gesichert oder neuangelegt werden. "Dazu kann jeder seinen Beitrag leisten. Auch die Institutionen", betont Kowalski.

Quelle: RP
 
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