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Traditionsberufe Hufschmied Ernst Hülsenbeck
Neue Schuhe für das Pferd

Traditionsberufe Hufschmied Ernst Hülsenbeck: Neue Schuhe für das Pferd
Ernst Hülsenbeck (r.) mit Michael Wegner und Sanne, einem Kaltblut. BM-Foto: Moll FOTO: Moll Jürgen
Radevormwald. Ernst Hülsenbeck kümmert sich um alle Belange rund um den Pferdehuf. Der 53-jährige Hufschmied hat Kunden aus der ganzen Welt. Von Wolfgang Weitzdörfer

Radevormwald Ernst Hülsenbeck hält das riesige Bein des Kaltblüters auf dem Höller Hof fest. Das Pferd ist mit einem Seil in der Mitte des Stalls angebunden, aber es bewegt sich auch so kaum; denn es weiß, was gleich passiert, schließlich hat es das an diesem Vormittag bereits drei Mal hinter sich gebracht. Mit kräftigen Hammerschlägen treibt der 53-jährige Hufschmied routiniert kleine Nägel durch das Eisen in den Pferdehuf. "So", sagt Hülsenbeck und lässt das Bein los, "fertig." Der große Kaltblüter, dessen Job es ansonsten ist, schwere Wagen zu ziehen, hat eben zwei Paar neue Schuhe bekommen. "In fünf bis sechs Wochen sehen wir uns wieder", sagt der Hufschmied und streichelt dem Pferd den Hals. Denn dann braucht es schon wieder einen neuen Satz Schuhe aus Eisen. "Für die dicken Kaltblüter ist das fast so ein bisschen Wellness", sagt Hülsenbeck und lacht.

Ein wichtiges Zentrum für Pferdesport in Deutschland ist bekanntlich das Münsterland, und dort gibt es auch "Europas beste Adresse für die Lehre als Huf- und Wagenschmied - die Ernst-Niemerg-Schule in Münster", erklärt Hülsenbeck, während Cira, eine junge Gordon-Setter-Hündin, um seine Füße streicht. "Der Hund ist immer dabei, vor ihr gab es schon eine andere Cira - die hat mich 18 Jahre lang begleitet", sagt der 53-Jährige schmunzelnd. In Münster hat Hülsenbeck seinerzeit seine Ausbildung zum Hufschmied in dreieinhalb Jahren gemacht, danach musste er ein Gesellenjahr ableisten, ehe er die Hufbeschlagsprüfung absolvierte, die ihn dann dazu befähigte, den Meister und sich selbstständig zu machen. Seit 30 Jahren geht er nun diesem Beruf nach. Heute handelt es sich um eine berufliche Weiterbildung.

"Es ist ein sehr verantwortungsvoller Job", betont Hülsenbeck. Der Hufschmied sei schließlich für das Pferd so etwas wie Orthopäde und Schuhmacher zugleich: "Ein gut beschlagenes Pferd ist schlicht gesünder - und bleibt es auch länger." Deswegen seien auch die fundierte Ausbildung und die Erfahrung so wichtig, weiß der 53-Jährige: "Man kann viel falsch machen beim Beschlagen. Und ein kaputter Huf braucht bis zu einem Jahr, bis er wieder geheilt ist." Hilfreich sei es zudem, wenn der Hufschmied selbst auch reiten könne: "Es ist wichtig, über den Knochenbau eines Pferdes Bescheid zu wissen, und darüber, welchen Belastungen die Gelenke etwa beim Sprung ausgesetzt sind." Hülsenbeck kann reiten, kommt heute aus Zeitgründen aber nicht mehr dazu. Kein Wunder: Die Arbeit bringt ihn bis nach Berlin.

"Einen Hauptteil der Arbeit macht das Vorgespräch mit dem Besitzer aus", sagt der 53-Jährige. Einem Anamnesegespräch beim Arzt nicht unähnlich, würde der Hufschmied so herausfinden, was beim jeweiligen Tier zu beachten sei. "Denn natürlich gibt es einen Unterschied zwischen den Bedürfnissen bei einem hochtrainierten Sportpferd und einem Kaltblüter, der Lasten zieht", sagt Hülsenbeck und fügt schmunzelnd an: "Jedes Pferd ist eben anders!"

Hülsenbecks Kunden kommen mittlerweile aus der ganzen Welt: "Wir betreuen viele Schweizer, Australier, Engländer - und das italienische Reitteam, wenn die hier in der Gegend Wettkämpfe haben", zählt der 53-Jährige auf.

Der Kontakt zu den Italienern ist dabei auf recht kuriose Weise entstanden, wie Hülsenbeck schmunzelnd sagt: "Ich war in Volmarstein beim Beschlagen. Da kam ein junger Italiener ganz aufgeregt zu mir und sagte: 'Herr Hufschmied, Sie müssen mir helfen. Mein Pferd hat Hufe wie Vogel, der schwimmt!' Ich habe geholfen - seitdem ist das eine gute Freundschaft und Geschäftsbeziehung."

Quelle: RP
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