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Radevormwald
Neuer Freizeitlärmerlass bietet Chancen

Radevormwald: Neuer Freizeitlärmerlass bietet Chancen
Das Weinfest ist seit Jahren eines der Feste, das bei schönem Wetter viele Rader auf den Marktplatz zieht. Im vergangenen Jahr sang der MGV Hahnenberg für die Besucher. FOTO: Jürgen Moll (Archiv)
Radevormwald. Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich verändert. Dem will die Landesregierung Rechnung tragen und lockert die Regelungen für Vereine, ihre Feste nun auch abends länger feiern zu dürfen. Radevormwald sieht darin viel Potenzial. Von Joachim Rüttgen

Grundsätzlich bewertet Jochen Knorz, Leiter des Ordnungsamtes, den neuen Erlass zum Freizeit-Lärm positiv. "Denn er entspricht viel deutlicher dem veränderten Freizeitverhalten der Menschen", sagt er. Gleichzeitig bleibe es aber Aufgabe seines Fachbereichs, den Spagat zwischen dem Bedürfnis nach Ruhe und dem Freizeitverhalten einiger Menschen zu schaffen.

So hält Knorz es für angemessen, dass die Städte künftig an 18 statt bislang zehn Tagen größere Veranstaltungen auf bestimmten Flächen, nicht aber bezogen auf komplette Stadtteile, genehmigen dürfen. "Das bietet mehr Möglichkeiten, auch an verschiedenen Standorten etwas anzubieten", sagt er. Die Kommunen dürfen mehr Veranstaltungen genehmigen, bei denen die Lärmrichtwerte überschritten werden. Die Grenzwerte für Lärm (zwischen 35 und 70 Dezibel je nach Tageszeit, Ereignis und Veranstaltungsort) wurden dabei aber nicht verändert. Damit soll der Anwohnerschutz gewahrt bleiben.

Trotzdem ist es möglich, die strengeren Ruhevorgaben für Nachtzeiten, die werktags in der Regel ab 22 Uhr gelten, um zwei Stunden nach hinten zu verschieben. Remmel empfiehlt Städten, die mehr Veranstaltungen zulassen wollen, ein Jahreskonzept zu erstellen und bei Anwohnern frühzeitig um Verständnis zu werben. Radevormwald hat den neuen Erlass im Jahr des 700-jährigen Bestehens schon redlich ausgenutzt: drei Tage Stadtfest (ein Tag länger als üblich), dazu vier Tage Schützenfest, drei bis vier Tage Pflaumenkirmes, zwei Tage Weinfest und zwei Tage Weihnachtsmarkt. "Es passte, dass der neue Erlass schon angekündigt war und pünktlich zum Stadtfest rauskam", sagte Knorz. Die neuen Regelungen kämen der Realität der Veranstaltungssaison entgegen.

Da die Grenzwerte aber nicht verändert wurden, müssten Veranstalter auch künftig dafür sorgen, dass die Ohren der Besucher nicht übermäßig strapaziert werden. Die Stadt wird nach Angaben von Knorz künftig unter bestimmten Voraussetzungen Veranstaltungen bis 24 Uhr genehmigen - allerdings nach dem Wochentag und der Prüfung, wie hoch die Vorbelastung am Veranstaltungsort ist. "Allerdings sieht der Erlass auch vor, dass trotz Ausnahmegenehmigung eine deutliche Reduzierung des Lärmpegels nach 22 Uhr erfolgen muss", betont Knorz. Das hänge mit der Gesamtbelastung der Umgebung zusammen. Zwischen Veranstaltungen an einem Ort müsse demnach ein gewisser zeitlicher Abstand bestehen.

Knorz rechnet ab sofort mit mehr Anfragen von Veranstaltern, die den neuen Freizeitlärm-Erlass für eigene Feste nutzen wollen. "Wegen rechtlicher Vorgaben werden wir aber wohl auch weiterhin zahlreiche Absagen erteilen müssen", befürchtet der Leiter des Ordnungsamtes. Dennoch erhoffe er sich in Zukunft mehr Flexibilität - und durch die Vielzahl an Veranstaltungen zur 700-Jahr-Feier sei sicher mehr möglich als bislang.

Was viele Veranstalter nicht wissen: Auch tagsüber gibt es Lärm-Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen. Das Ordnungsamt selbst hat ein Lärmpegelmessgerät, mit dem Richtwerte regelmäßig bei Veranstaltungen geprüft werden. "Das ist zwar kein geeichtes Gerät für eine amtliche Messung, aber eine Tendenz zeigt es uns an", sagt Knorz. Gerade bei einem Bühnenprogramm gebe es sehr unterschiedlich dimensionierte Anlagen. "Wir schauen mit den Tontechnikern, was machbar ist, was zu laut ist und wie trotzdem eine gute Beschallung gelingen kann", erläutert Knorz.

Seine Wunschvorstellung für die Zukunft ist eine ausgeglichene Lärmbelastung der Radevormwalder Innenstadt durch die Nutzung möglichst vieler Standorte. "Das muss sich gleich verteilen, und vor allem müssen sich einige Veranstaltungsorte im Bewusstsein der Bürger verankern", lautet die Forderung von Jochen Knorz. Neben Marktplatz und Schlossmacherplatz gebe es mit Festplatz, Uelfebad oder Flächen bei Unternehmen noch jede Menge andere Möglichkeiten, ausgiebig und laut zu feiern.

Quelle: RP
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