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Ehrenamt
Nicht reden, Nächstenliebe praktizieren

Ehrenamt: Nicht reden, Nächstenliebe praktizieren
Peter und Klaus-Peter Glintkamp engagieren sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Radevormwald. FOTO: Flora treiber
Radevormwald. Petra und Klaus-Peter Glintkamp leben Nächstenliebe. Das Ehepaar setzt sich aus Überzeugung in der Flüchtlingshilfe ein. Von Flora Treiber

radevormwald Eigentlich bleibt Klaus-Peter Glintkamp lieber im Hintergrund und spricht nicht viel über sein ehrenamtliches Engagement. "Es geht ja nicht um mich, sondern um die Menschen. Ich stehe dabei nicht im Mittelpunkt", sagt der Radevormwalder. Für unsere Redaktion hat er allerdings eine Ausnahme gemacht, um über seine ehrenamtlichen Aufgaben zu sprechen.

Sich ehrenamtlich zu engagieren, das ist für den 75-Jährigen in seinem gesamten Leben wichtig gewesen. Obwohl er sich bereits hauptberuflich als Psychotherapeut nach dem Heilpraktikergesetz mit den Sorgen anderer auseinandergesetzt hat, hat er auch seine freie Zeit für das Allgemeinwohl genutzt. In seiner Gemeinde, der Lutherischen Kirchengemeinde, hilft er ständig aus und zwei Mal in der Woche ist er in dem gemeindeeigenen Kindergarten, um die Erzieher bei ihrer Arbeit zu unterstützen. "Ich helfe, wo ich kann. Hauptsächlich beschäftige ich mich mit auffälligen Kindern und nutze das Wissen, das ich durch meinen Beruf gesammelt habe."

Diese ehrenamtlichen Tätigkeiten haben Klaus-Peter Glintkamp zwar gut beschäftigt, aber als er vor zwei Jahren vor dem Fernseher saß, fühlte er sich zu einer weiteren Aufgabe berufen. "Die Nachrichten waren niederschmetternd. Die Berichterstattung über die vielen Menschen, die auf der Flucht sind, haben mich erschüttert. Da musste ich aktiv werden. Ich wollte nicht nutzlos auf der Couch sitzen", sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau Petra hat er sich in dieser Zeit viel über Flüchtlinge unterhalten, Ideen zur Hilfe entwickelt und mit den Menschen mitgefühlt, die ihre Heimat und Zuversicht verloren haben. Das erste Treffen mit Helfern und Flüchtlingen besuchte das Ehepaar in der Freien Gemeinde am Grafweg. Nach ersten Berührungsängsten, die besonders durch die eingeschränkte sprachliche Kommunikation entstanden, wurde Klaus-Peter Glintkamp in seinem Vorhaben bestärkt. "Das erste Treffen war sehr ermutigend."

Zusammen mit der Flüchtlingshilfe haben die Glintkamps eine Partnerschaft für einen Flüchtling übernommen. Daraus ist schnell eine Freundschaft entstanden. "Wir haben bei Kulturfragen geholfen, haben Deutsch unterrichtet und waren immer da, wenn er Hilfe gebraucht hat. Mittlerweile hat er sich von uns gelöst und seine eigene Familie", sagt Klaus-Peter Glintkamp. Ziehen lassen können und nichts für sein Engagement zu erwarten, sind zwei wichtige Prämissen seines ehrenamtlichen Handelns. "Natürlich freut man sich über Dankbarkeit, aber ich erwarte nichts. Das ist nicht selbstlos, sondern meine Einstellung. Wir sind nicht umsonst auf dieser Welt, wir können helfen."

Petra Glintkamp unterstützt ihren Mann in dieser Ansicht und hat sich mit ihm für die Flüchtlingshilfe engagiert. Zusammen sind sie ein starkes Team. "Ehrenamt ist sehr zeitintensiv. Das funktioniert nur, wenn die Familie mitzieht." Die Freunde des Ehepaares haben zum größten Teil Verständnis für dieses Handeln, Skeptiker werden schnell überzeugt. "Manche Menschen fragen schon kritisch nach und wollen wissen, warum wir so viel Zeit für andere Menschen investieren", sagt Petra Glintkamp. Zusammen mit vielen anderen Rader helfen sie mit, die geflüchteten Familien in ihrer neuen Heimat zu begrüßen und ihnen die Integration zu erleichtern.

Quelle: RP
 
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