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Radevormwald
Ob Spinnrad oder Häkelnadel - im Strickcafé werkeln nur Frauen

Radevormwald: Ob Spinnrad oder Häkelnadel - im Strickcafé werkeln nur Frauen
Sara Beinghaus (28) aus Remscheid und Ellen Dangschat (84) aus Radevormwald trafen sich gestern im Strickcafé. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Das Schnurren ist äußerst leise, obwohl das hölzerne Rad richtig in Fahrt ist. Sara Beinghaus scheint gerade in ihrer Wollproduktion versunken zu sein.

Aufmerksam löst sie fließend kleine Fasermengen von einem dicken Wollstrang und bedient damit eine ständig dicker werdende Spule. Hier wird gerade ein Faden manuell gesponnen. "Das Spinnen ist richtig Arbeit. Aber es macht auch viel Spaß und ist gleichzeitig Meditation - oder auch aktive Entspannung", fasst Sara Beinghaus zusammen. Sie ist eine die aktiven Frauen im "Strickcafé" im Wülfingmuseum.

Die 28-jährige Remscheiderin spinnt auf ihrem Spinnrad schon seit anderthalb Jahren. Damals entdeckte sie bei dem Besuch einer Frau deren Spinnrad und war sofort begeistert."Mit Hilfe des Internets konnte ich selbst ein modernes Spinnrad erwerben." Die Frau half der Debütantin anfangs, später orientierte sie sich mit Hilfe von Videos im Netz. Sara Beinghaus wurde so zur geübten Spinnerin.

Dank moderner Technik läuft das Garn, anders als früher, direkt auf eine Spule. "Eine Spindel ist nicht mehr notwendig", erzählt die 28-Jährige. Die zu verarbeitende Wolle bezieht sie über Anbieter im Internet, denn die ist in ihrem Rohzustand nur schwer zu bekommen. "Die Wolle verarbeite ich zu Garn, aus dem Häkel- oder Stricksachen hergestellt werden können", so Sara Beinghaus. Beim Spinnen entscheidet sie sich für eine Fadenstärke und überlegt schon mal, was einmal daraus entstehen könnte. "Handschuhe, Schals und Mützen stricke ich daraus. Aber das Spinnen ziehe ich dem Stricken vor", so die Chemielaborantin.

Ebenso vielseitig in Sache Handarbeit ist auch Ellen Dangschat. Die 85-jährige Handarbeiterin traf gestern nicht nur die Spinnerin, sondern viele Strick- und Häkelfreundinnen im Strickcafé. "Ich komme regelmäßig hierher und genieße die gemeinsamen Handarbeitsstunden", erzählt sie. Häkeln, stricken und auch sticken seien ihr Ding. "Alle drei Handarbeitsformen liebe ich. Sie alle habe ich schon damals in der Schule von der Pike auf gelernt", so Ellen Dangscheit.

Sie erinnert sich daran, dass ihre Lehrerin ihren Häkelstil kritisierte. "Ich hielt die Häkelnadel wie einen Besenstiel", erzählt sie schmunzelnd. "Heute greife ich die Nadel ordentlich und kann viel leichter mit ihr arbeiten", sagt sie stolz. Viele Jahre arbeitete sie für verschiedene Handarbeitskreise für deren Verkaufsbasare. "Ich habe das immer sehr gerne getan. Heute ist es nur noch Zeitvertreib. Decken werden umhäkelt, aber auch aufwendigere Sachen wie Tischdecken im Filetmuster", sagt sie. Die Handarbeit habe sie stets im Leben begleitet.

(sig)
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