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Radevormwald
Offener Ganztag braucht viel mehr Platz

Radevormwald: Offener Ganztag braucht viel mehr Platz
So ging es los mit dem Offenen Ganztag in Radevormwald: Im September 2006 stürmen Mädchen und Jungen der inzwischen geschlossenen Grundschule Blumenstraße nach draußen. Mittlerweile ist der Platz knapp. FOTO: hans dörner (archiv)
Radevormwald. Um die Bedingungen für die Betreuung der Mädchen und Jungen ab 13 und 14 Uhr zu verbessern, trifft sich seit Anfang des Jahres eine Arbeitsgemeinschaft. Der Bedarf wird immer größer, einige Kinder mussten schon abgewiesen werden. Von Joachim Rüttgen

Nachdem es ein von der Stadt beauftragtes Gutachterbüro nicht geschafft hat, den Planungsbedarf der Offenen Ganztagsschule (OGS) zu ermitteln, hat die Aufgabe seit Jahresbeginn eine Arbeitsgemeinschaft mit 15 bis 20 Vertretern von Jugendhilfeausschuss, Parteien, Kirchen und freien Trägern übernommen. Nach dem zweiten Treffen am Mittwoch steht fest, dass der Platzbedarf riesig ist und die meisten Grundschulen aus allen Nähten platzen, wenn es darum geht, die Kinder bis 16 Uhr zu betreuen. "Die Betreuungskräfte stemmen das Maximum, mehr ist da nicht drin", sagt Britta Hallek. Die Diplom-Pädagogin und zweifache Mutter hat eine Zusatzausbildung zur zertifizierten Jugendhilfe-Planerin durchlaufen und berät die Schulen. Als der offene Ganztag 2006 in Rade startete, gab es in fast allen Einrichtungen zwei Gruppen mit 25 bis 30 Schülern pro Schule. Heute sind es 50 - "zu den gleichen Platzbedingungen", sagt Britta Hallek. Lediglich an der GGS Wupper und an der Armin-Maiwald Schule gibt es keine Platzprobleme oder weniger Kinder im Ganztag.

Zusätzlich zum offenen Ganztag gibt es die verlässliche Grundschule (Kurzbetreuung) bis 13 Uhr, die auch gesonderte Räume erfordert. Der Bedarf steigt. Zurzeit werden 234 Kindergartenkinder 45 Stunden pro Woche betreut. Britta Hallek geht davon aus, dass ein Großteil der Eltern eine lange Betreuung in der Grundschule wünscht. Da gibt es aber nur etwa 185 Plätze. Ein krasses Missverhältnis. Einige Schüler mussten in der Vergangenheit abgewiesen werden. Die Arbeitsgemeinschaft versuche, eine Grundlage für den räumlichen Bedarf zu ermitteln. Denn räumlich muss in Rade dringend etwas passieren. Das weiß auch Dezernentin Ute Butz. "Wir haben 740 Schüler im Grundschulalter, davon nutzen etwa die Hälfte den offenen Ganztag und die verlässliche Grundschule, wobei die Betreuung bis 13 Uhr an Bedeutung verliert", sagt sie. Sowohl an der GGS Stadt, als auch in Bergerhof müsse es Veränderungen geben. Richtige Probleme gibt es an der Katholischen Grundschule Lindenbaum. "Da ist es eng, weil es keine Möglichkeiten gibt, innerhalb des Gebäudes zu reagieren", sagt Ute Butz. Die Dezernentin glaubt sogar, dass die Schule komplett umziehen müsste. "Da fehlt ein PC-Raum, da gibt es keine Räume für die OGS - und die GGS Stadt ist nicht weit. Dort gäbe es Alternativen", schlägt sie vor. Die Politik müsse sich damit auseinandersetzen. Ein Platzproblem habe Rade nicht. "Das Hauptschulgebäude steht fast leer", sagt Ute Butz. Britta Hallek ist es wichtig, an jeder Schule individuell nach Möglichkeiten zu schauen, den offenen Ganztag zu verbessern. Tragfähige Lösungen seien wichtig, um dem gestiegenen Raumbedarf und den Wünschen der Eltern zu entsprechen. "Wir brauchen aber nicht über Qualität zu sprechen, wenn wir 50 Kinder in einen Raum stecken müssen", sagt Britta Hallek. An den Schulen werde mit großem Engagement und viel Kreativität hervorragende Arbeit geleistet. Aus Sicht der Jugendhilfeplanerin sind die Kapazitätsgrenzen aber erreicht.

Deshalb möchte Britta Hallek für den offenen Ganztag mehr Räume schaffen, um die Kinder in kleineren Gruppen zu betreuen und ihnen Rückzugs- und Ruhemöglichkeiten zu schaffen. Bis zum Schuljahr 2016/2017 sollen Maßnahmen umgesetzt werden. Im Jugendhilfeausschuss nach den Sommerferien sollen Vorschläge präsentiert werden.

Positiver Nebeneffekt der neuen Arbeitsgemeinschaft: Mittlerweile hat sich ein Stammtisch der OGS-Kräfte gebildet. Hier tauschen sie sich aus, machen kollegiale Fallberatung (interne Supervision) und vernetzen sich. Auch der Wunsch nach einer Fortbildung (wie schon 2010 erfolgt) ist vorhanden.

Quelle: RP
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