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Obdachlosigkeit
Ohne Wohnung ist schnelle Hilfe wichtig

Radevormwald. Wenn Menschen von Schicksalsschlägen, Erkrankungen oder anderen Problemen aus der Bahn ihres Lebens geworfen werden, kann auch ein Wohnungsverlust drohen. Die Wohnhilfen Oberberg helfen auch Betroffenen in Radevormwald. Von Wolfgang Weitzdörfer

Wohnungsnot wird oft mit der Jahreszeit Winter verbunden. Dann ist es besonders kalt, und wer dann kein Dach über dem Kopf hat, ist fraglos arm dran. "Aber das Thema Wohnhilfe hat damit, zumindest im ländlichen Bereich, gar nicht so viel zu tun", sagt Susanne Hahmann, Geschäftsbereichsleiterin der Wohnhilfen Oberberg. Dennoch sei es ein Thema, das nicht nur die Metropolregionen betreffe, nur eben mit anderen Auswirkungen. "Man sieht in den oberbergischen Städten nur selten den klassischen Obdachlosen, der in einem Einkaufswagen durch die Straßen geht", sagte Andrea Steinbinder, Leiterin des Teams Nord.

Es handele sich bei den Menschen, die die Beratung der Wohnhilfen suchten, eher um Menschen in sehr prekären Wohn- und Lebenssituationen, deren Leben aus dem Ruder gelaufen ist - sei es durch psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen oder andere Schicksalsschläge.

Die Wohnhilfen Oberberg betreuten kreisweit im vergangenen Jahr 1467 Menschen. Um die Betroffenen im Nordkreis kümmern sich derzeit 13 der 67 Mitarbeiter. "Das geschieht ambulant, stationär und in Beratungssituationen in den Büros in den Städten des Nordkreises sowie in der Geschäftsstelle in Wipperfürth", sagte Steinbinder.

Eine erste wichtige Aufgabe sei die Vergabe einer Postadresse bei der Fachberatung. "Dort können die Betroffenen ihre Post abholen. Eine Anschrift ist Voraussetzung, dass sie Versorgungsleistungen bekommen", sagte die Teamleiterin. Ebenfalls könne man dort seine Wäsche waschen, Kaffeetrinken oder sich einfach aufhalten.

Neben der Akuthilfe, bei der die Menschen im ambulanten betreuten Wohnen untergebracht würden, sei die Präventivhilfe ein neues Angebot. "Da geht es darum, die drohende Wohnungskündigung oder die schon ausgesprochene Räumungsklage doch noch abzuwenden", sagte Steinbinder. Es sei ein neues Projekt, das erst seit anderthalb Jahren liefe. Daher würden noch keine konkreten Zahlen vorliegen. "Aber geschätzt hatten wir etwa 50 Fälle im ersten Jahr", sagte die Teamleiterin. Ebenfalls erst seit kurzer Zeit gibt es das Projekt der sogenannten Aufsuchenden Arbeit, betreut von der Diplom-Pädagogin Marie Christin Weyershausen. "Ich gehe raus zu den Menschen, besuche sie in Notunterkünften oder auch bei den Tafeln", sagte sie. In Rade wird sie wieder das Angebot des Mittagstisch besuchen. Es sei ein sehr niederschwelliges Angebot, bei dem es in erster Linie um Kontakte und Gespräche gehe. Und darum, Vertrauen zum Hilfsangebot zu fassen. "Ich hatte den Fall einer älteren Dame aus Radevormwald, deren Mann vor kurzem gestorben war", erzählte Weyershausen. Dieser habe sich immer um alle Papiere und das Organisatorische gekümmert. "Und als er nicht mehr da war, war sie schlicht damit überfordert", sagte die Diplom-Pädagogin.

Es sei ein langer Weg mit vielen Gesprächen gewesen, bis die Frau sich davon überzeugen ließ, sich das Angebot des Ambulanten Betreuten Wohnens einmal anzusehen. "Und jetzt ist sie wieder richtig aufgeblüht", sagte Weyershausen.

Neben dem ambulanten Angebot gebe es auch noch das stationäre Angebot. "Dafür haben wir acht Wohnplätze im Wipperfürther Stadtkern", sagte Steinberg. Allerdings sei man gerade händeringend auf der Suche nach sechs neuen Plätzen. "Wir müssen aus zwei Wohnungen mit je drei Plätzen raus", sagte Hohmann. Voraussetzung sei, dass sich die neuen Wohnungen im Stadtkern der Nachbarstadt nahe der Geschäftsstelle befinden.

Wichtig sei, dass die Gesellschaft die Augen für die Nöte der Mitmenschen offen habe, sagte Hahmann: "Wer aus dem Umfeld eines Mitmenschen mitbekommt, dass der Alltag nicht mehr bewältigt wird, soll uns Bescheid geben. Denn dann können wir uns kümmern und Schlimmeres verhindern." Schließlich sei ein Großteil der Menschen, die die Wohnhilfen Oberberg aufsuchten, zuvor ganz normal im Leben gestanden.

Quelle: RP
 
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