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Radevormwald
Optimismus für das Jubiläumsjahr

Radevormwald. Bürgermeister Johannes Mans hat die ersten 100 Tage im Amt noch nicht erreicht, da ist er als erster Bürger der Stadt Gastgeber des großen Stadtjubiläums "700 Jahre Rade". Sein Motto: Probleme lösen, Aufgaben in Angriff nehmen. Von Wolfgang Scholl

"700 Jahre Radevormwald", das Stadtjubiläum, soll in diesem Jahr so viele Rader wie möglich erreichen und von ihnen für sie gefeiert werden. Als neuer Bürgermeister erhofft sich Johannes Mans eine größere Identifikation der Radevormwalder mit ihrer Stadt. "Ich möchte, dass dieses Highlight besonders in das Bewusstsein der Rader rückt", sagt er, "damit sie stolz auf ihre Stadt sind".

Parallel mit den Festen soll den Radevormwaldern und den Gästen vermittelt werden, was die Stadt alles zu bieten hat und sie attraktiv macht. Als Bürgermeister hat sich Johannes Mans die Aufgabe gesetzt, dass die Bürger wieder Vertrauen gewinnen, "und es sich für sie lohnt, eine innere Begeisterung für die Stadt zu gewinnen". Eindruck Den ersten Eindruck von der Stadt bezeichnet Mans als sehr positiv. Zahlreiche Rader setzen sich ehrenamtlich für andere Rader ein. Auch habe er schnell und überzeugend eine Verständigung mit den Politikern gefunden. Die Rader hätten ihn vom ersten Moment an positiv aufgenommen. "Ich wusste, dass es viele Probleme gibt - als Versäumnisse der Vergangenheit", sagt er. Diese Vergangenheit müsse man sachlich aufarbeiten und in die Verwaltung eine Struktur bringen. 2016 soll das Jahr werden, in dem Themen angepackt und möglichst auch positiv zu einem Ergebnis geführt werden. "Wir sollten eine sachorientierte Politik entwickeln", nennt der 57-Jährige ein großes Ziel. Erste gute Ansätze sieht er, weil er eine "Solidarität der Vernünftigen" erkennt. "Das ist eine gute Grundlage", sagt Mans. Eckpunkte sieht Mans in der Einführung der Sekundarschule, in der Entwicklung eines Gesamtkonzepts für Wülfing, in der Überprüfung von großen Kostenpositionen und der Sicherung des ärztlichen Versorgungsangebotes im Sana Krankenhaus. "Es darf nichts passieren, was unser Krankenhaus in Gefahr bringen könnte", sagt Mans deutlich. Die Sicherung der ärztlichen Versorgung und neue Konzepte wie die Planung eines Ärztezentrums in der Schlossmacher-Galerie dürften diesen Zielen nicht zuwider laufen.

Kommunalpolitik "Ich bin hoffnungsvoll, dass wir gemeinsam Probleme angreifen", sagt Mans. Es gibt große Schnittmengen, "obwohl der Mans nur drei Stimmen hat", höre er oft. Dabei möchte er auch die Menschen Politiker offen und unterstützend mitnehmen.

Verwaltung In der Ratssitzung Mitte Dezember kündigte Mans flache Strukturen an. Rade bräuchte keine Dezernate, sondern Fachämter. "Es darf nicht mehr sein, dass die Oberen nicht mitbekommen, was unten an der Basis gearbeitet wird", sagt Mans. Fachbereichsleiter müssten Fachwissen in die Tiefe haben, um Prozesse begleiten und abbilden zu können. Informationen dürften nicht mehr in den Ebenen versickern. Dazu gehört die konkrete Verantwortung für Aufgaben.

Kostenmanagement "Eine Folge davon ist, dass sich eine Verantwortung für Kosten entwickel", sagt er. Aufhören muss der Gedanke "Das ist halt so". Bisher, sagt er, sprechen die Mitarbeiter immer von Mehrkosten, aber nie davon, dass Kosten eingespart werden könnten. "Es ist aber bei vielen inzwischen angekommen, dass man die Kosten nie aus den Augen verlieren darf", glaubt der neue Bürgermeister.

Gebäudemanagement In einem großen Bericht der Gemeindeprüfanstalt sind zu große Raumflächen für die Verwaltung angemahnt worden. Dieses Ergebnis hat Mans den Fachabteilungen als Aufgabe mitgegeben. "Es müssen alle Ideen Einzelner auf den Tisch und durchdacht werden, um mittelfristig die Kostenschraube nach unten drehen zu können, bei gleichzeitiger Erhöhung der Effizienz. "Mir schwebt ein Verwaltungs- und ein Schulzentrum vor", sagt Mans. Ziel müsse es unter anderem sein, Mietkosten zu reduzieren. Bauaufsicht Das ist die Frage: Aufgabe in der Stadt halten oder an den Kreis abgeben? Für Januar hat der Bürgermeister Gespräche mit dem Kreis vereinbart. "Meine Prämisse ist, die Bauaufsicht zu behalten. Was einmal weg ist, bleibt weg", sagt Mans. Das sei personenunabhängig zu betrachten. Er will die Zahl der liegengebliebenden Fälle genau beleuchten und auch den Status. "Bisher habe ich nur undifferenzierte Beschreibungen", sagt er. Grundschule Stadt Die Schäden sind erst im Dezember aufgetreten. Das Thema steht deshalb bald auf der Agenda. Die Kosten für eine Netzlösung unter der Decke betragen etwa 100.000 Euro. Die eigentliche Sanierung mit neuer Decke und neuen Radiatoren für die Heizung (statt Deckenheizung) werden auf 400.000 Euro geschätzt. "Die Netze einzubauen, ist verlorenes Geld, da die Sanierung sowieso nötig ist", sagt Mans. Er verweist auf das Gesamtgebäudekonzept, da die Stadt Flächen abbauen muss. Wirtschaftsförderung Auch dieses Themas werde sich die Stadt zeitversetzt annehmen. Ein Punkt ist zum Beispiel die Reduzierung der Miet- und anderer Kosten. Auch eine Aufgabenüberprüfung soll angesprochen werden. Sozialarbeiter vor Ort Um die Betreuung der Flüchtlinge effektiver zu verändern, sollen die Sozialarbeiter vor Ort Ansprechpartner sein. Geplant sind zwei Büros, eines an der Blumen-/Neustraße und eines an der Färberstraße in Dahlerau. Ein großes Thema wird parallel dazu die Suche nach möglichst preiswertem Wohnraum bleiben. Gespräche mit mehreren Investoren kündigt Mans an. Sekundarschule In der Einrichtung dieser Schulform sieht der neue Bürgermeister eine Hauptaufgabe. "Ich hoffe, dass die Stadt es schafft, eine Sekundarschule zu etablieren." Elterngespräche sind angekündigt. Als schwierig sieht Mans es an, dass die Eltern über den Schultyp entscheiden und sie dabei nicht die gesamte Schulsituation der Stadt im Auge haben (können). "Die Eltern können Realschule sehen, die Sekundarschule aber nicht, weil sie noch nicht da ist", sagt Mans. Die Schule sei mit sehr viel Psychologie verbunden. Wülfing Dort muss es, sagt Mans, einen kompletten Neustart geben. Die Bezirksregierung hat signalisiert, dass es Ende Januar bei einem Treffen detaillierte Absprachen geben kann. "Wir müssen über Nutzungen und Umnutzungen sprechen", sagt Mans. Die weitere Förderung des Projektes soll als Wülfing 2.0 gefasst werden nach einem Schnitt mit der Vergangenheit, die Mans als 1.0 bezeichnet. Bei 1.0 gelte es, die Dokumentation aufzuarbeiten, um die Vergangenheit zu sichern und die Leistungserbringung aufzuarbeiten. Für 2.0 werde ein neuer Projektentwickler gesucht, der das Projekt mit einer sauberen Dokumentation weiterführt. Ausblick Die Wahlperiode von Johannes Mans und dem Rader Stadtrat endet 2020. Auch diesen Zeitpunkt hat der Bürgermeister wie das Jahr 2022 im Blick, weil die Stadt bis dahin den Haushaltsausgleich schaffen soll und muss. "Alle Aktivitäten müssen in diese Richtung gehen. Das gilt für jeden Haushalt, trotz drohender Ausgaben für Wülfing oder Verluste aus Derivatgeschäften der Vergangenheit. Ich bin aber trotzdem optimistisch, dass wir die Ziele erreichen können", sagt Mans - in dem Bewusstsein, dass alles auf den Prüfstand zu stellen ist, um zu versuchen, dem Bürger möglichst so wenig wie möglich in die Tasche greifen zu müssen. "Das ist unsere Vorgabe", sagt der noch neue Bürgermeister.

Quelle: RP
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