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Radevormwald
Patricia Fornach ist Mutter für 42 Kinder

Radevormwald. Die 27-jährige Sozialarbeiterin ist Vormund bei der Stadt. Sie kümmert sich zurzeit um zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und 32 weitere Kinder, die meist aus Familien genommen werden mussten und nun in Pflegefamilien leben. Von Joachim Rüttgen

Auf den Schultern von Patricia Fornach lastet eine große Verantwortung. Die 27-Jährige ist Vormund bei der Stadt und zuständig für 42 Mädchen und Jungen - darunter zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und 32 Kinder, die aus Familien herausgenommen werden mussten und nun in Pflegefamilien auch außerhalb der Bergstadt leben. "Ich bin Mama für 42 Kinder", sagt sie und schmunzelt.

Was sich leicht anhört, ist ein enormer Arbeitsaufwand und eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Gerade die Betreuung der unbegleiteten Flüchtlinge zählt vom Aufwand her doppelt. Asylantrag stellen, Schulunterbringung, rechtliche Probleme - "alleine das Hilfeplangespräch dauert doppelt so lange, weil ein Dolmetscher alles übersetzen muss", sagt sie. Ihr Vorteil: die kurzen Dienstwege im Rathaus. Im Herbst rechnet die 27-Jährige mit weiteren Zuweisungen und mit noch mehr Arbeit. "Ich habe mit meiner 39-Stunden-Woche genug zu tun", sagt sie.

Sie ist von den 15- bis 18-jährigen Jugendlichen aus Somalia und Afghanistan begeistert, denn die zeigen sich wissbegierig und lernwillig, wollen unbedingt die deutsche Sprache lernen und haben das in neun Monaten schon bestens gemacht. "Dabei haben diese jungen Menschen eine schlimme Flucht hinter sich und eigentlich alles Schreckliche erlebt, was man sich vorstellen kann. Sie haben Familienangehörige verloren, das muss erstmal verarbeitet werden", sagt sie. Jetzt kommen sie langsam zur Ruhe und wollen Schritt für Schritt in die Zukunft gehen. "Die Tür steht ihnen bei mir immer offen", sagt Fornach, die trotz emotionaler Belastung die professionelle Distanz nicht verliert. "Ich muss mir immer wieder neu darüber klar werden, welche Verantwortung ich habe. Erst wenn man das tut, weiß man, was es heißt, Vormund zu sein", sagt die 27-Jährige. Sie ist verantwortlich für 42 Mündel. Ohne sie läuft nichts. Immer wieder muss Fornach das Schicksal hinter jedem Menschen sehen. Da bleibt es nicht aus, dass sie Sachen auch nach Dienstschluss mit nach Hause nimmt. "Ich versuche, gut abzuschalten", sagt sie. Würde sie das nicht mehr schaffen, könnte sie ihrer Arbeit nicht mehr gerecht werden. "Dabei ist die Tätigkeit als Vormund eine tolle Arbeit, bei der ich so viel zurückbekomme." Wenn ein junger Flüchtling um Hilfe bittet, zeige das Vertrauen. "Neulich hat mir einer stolz sein erstes deutsches Zeugnis gezeigt", sagt sie. Sie verfolgt die Entwicklung vom Baby bis zum 18. Lebensjahr. "Als Vormund habe ich andere Rechte als beim Pädagogischen Dienst, wo ich gefährdete Kinder aus Familien herausgenommen und in Pflegefamilien vermittelt habe", erklärt sie.

Die 27-Jährige ist hartnäckig und versucht immer, das Beste für ihre Schützlinge zu erreichen. "Klappt Plan A nicht, muss es Plan B, C, D, E, oder F sein." Zurzeit versucht sie, ein nur auf einem Handy vorhandenes Zeugnis beglaubigen zu lassen, damit der junge Mann die Oberstufe und später eine Uni besuchen kann. "Da geht es übers Internet, über Botschaften und die Bundeswehr." Sämtliche Wege werden gegangen.

Zu jedem Mündel muss Patricia Fornach mindestens einmal im Monat persönlichen Kontakt aufnehmen. "Ich soll die Kinder auf ihrem Weg ins Leben begleiten, und dafür müssen sie wissen, dass es mich gibt, und ich mich für ihre Rechte einsetze. Ich bin die gesetzliche Vertreterin für die Kinder", sagt sie. Da gehe es um ganz viel Beziehungsarbeit.

Um ihr Pensum zu schaffen, muss sich die junge Sozialarbeiterin gut organisieren und ihren Tag straff planen. Wenn drei bis vier Fälle gleichzeitig eskalieren, wird es eng. Aber Patricia Fornach findet eine Lösung... ganz bestimmt!

Quelle: RP
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