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Radevormwald
Pauline Engstfeld wird heute 100 Jahre

Radevormwald: Pauline Engstfeld wird heute 100 Jahre
Pauline Engstfeld freut sich heute auf die Feier zu ihrem 100. Geburtstag. Schaltjahrgeplagt, feierte sie ihren Ehrentag immer am 1. März. FOTO: jürgen moll
Radevormwald. Die Kindheit der Raderin war von vielen Schicksalsschlägen geprägt: Zehn Tage nach ihrer Geburt starb ihre Mutter. Ihr Vater musste als Soldat in den Weltkrieg. Trotzdem reist die rüstige Seniorin gedanklich gerne in die Vergangenheit. Von Marion Gerdel

Genau genommen feiert Pauline Engstfeld heute erst ihren 25. Geburtstag, da er doch auf den 29. Februar fällt, den es nur alle vier Jahre einmal gibt. Korrekt nachgerechnet ergibt sich damit aber, dass die Jubilarin heute zum 100. Mal ihren Ehrentag feiern darf.

Wie alle schaltjahrgeplagten Geburtstagskinder feierte auch sie natürlich jedes Jahr. "Mein Geburtstag wurde immer am 1. März gefeiert", erinnert sich Pauline Engstfeld, die vor 100 Jahren an der Leye in Radevormwald geboren wurde.

Diese Geburtstagsfeiern waren wichtig für die junge Pauline, denn ihre Kindheit war von vielen Schicksalsschlägen geprägt. Nur zehn Tage nach ihrer Geburt starb ihre Mutter. Ihr Vater und seine acht Brüder mussten als Soldaten in den Ersten Weltkrieg einziehen.

In dieser Zeit wurde Pauline Engstfeld von ihrer Tante aufgezogen. Zu ihrem großen Glück kehrte ihr Vater aus dem Krieg zurück. Mit ihm zusammen zog sie zur Großmutter und verlebte dort viele schöne Jahre. Die Großeltern besaßen einen Bauernhof, dort mussten täglich zehn Kühe und andere Tiere versorgt werden. Dafür half Pauline Engstfeld gern schon als kleines Mädchen auf dem Feld mit. Ihr Vater heiratete wieder, aber auch aus dieser zweiten Ehe gab es für Pauline Engstfeld keine Geschwister.

Nach Beendigung ihrer Schulzeit absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Schneiderin - diesen Beruf übte sie ihr Leben lang aus. "Obwohl ich mich auch für Mode interessierte, war dies zwar nicht unbedingt mein Wunschberuf. Aber in der damaligen Zeit war das eine der wenigen Möglichkeiten für eine alleinstehende Frau, Geld zu verdienen", erinnert sie sich.

Um 8 Uhr morgens fuhr sie täglich mit dem Fahrrad vom Studberg, wo sie damals wohnte, in die sechs Kilometer entfernte Friedrichstraße. "Vor 18 Uhr war nie Feierabend", weiß sie noch. Dennoch hat sie auch in ihrer Freizeit gern gehandarbeitet. Vor allem die Stickerei von Deckchen hat es ihr angetan. "Die habe ich dann auch gerne mal verschenkt", sagt sie. Da sie nie geheiratet hat, war die Jubilarin zwar immer für sich selbst verantwortlich, allein war und ist sie aber nie. Da ihr Vater mit acht Brüdern groß geworden ist, gibt es in ihrer Familie viele Cousins, Cousinen, Nichten und Neffen, die die Jubilarin oft im Seniorenwohnzentrum an der Ülfe-straße, wo sie heute lebt, besuchen. Dort geht sie auch gerne zu den Vorlesenachmittagen und lauscht den vorgetragenen Märchen und Tiergeschichten. "Tiere habe ich gern. Ich habe ja auch mal Besucher, die ihren Hund mitbringen. Das ist dann immer schön", freut sie sich.

Ansonsten sitzt sie aber gern allein in ihrem Zimmer und reist gedanklich in die Vergangenheit. "Ich denke dabei an meine Schulzeit, meine Familie und Freunde", erzählt sie. Auch an die Urlaubsreisen erinnert sie sich. Nach dem Tod ihrer Eltern, die sie lange betreute, hatte sie Zeit, mit Verwandten an die See oder in die Berge zu fahren.

Wenn sie allein ist, spricht sie auch gern mit ihrem Herrgott: "Ich habe ihn gebeten, mir viel Kraft zu geben, damit ich meinen 100. feiern kann. Ich habe ihm gesagt, wenn ich das erreicht habe, ist es genug, und dann kann er mit mir machen, was er will", sagt sie. Ein Gedanke, den ihre Gäste, die sie an ihrem Ehrentag zu einem Brunch im Seniorenwohnzentrum besuchen werden, sicher nicht gerne mit ihr teilen.

Quelle: RP
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