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Radevormwald
Pfiffige Ideen für modernen Nahverkehr

Radevormwald: Pfiffige Ideen für modernen Nahverkehr
Im Eifelort Gey bei Hürtgenwald startete im Januar 2015 das Projekt "Dorfauto". Ortsvorsteher Helmut Rößeler hält das Parkschild für das Elektroauto, dass sich die Dorfbewohner ausborgen können. FOTO: dpa (Archiv)
Radevormwald. Der Oberbergische Kreis bastelt derzeit an einem neuen Nahverkehrskonzept. Auch Radevormwald könnte davon profitieren. Von Harald Knoop

Der Linienbus, der in einem Anhänger nachmittags Pakete und volle Einkaufstaschen aus dem Stadtzentrum mit in die entlegenen Außenbezirke nimmt. Ein Jobticket für ganze Dorfgemeinschaften (je mehr mitmachen, desto höher der Rabatt oder besser das Busangebot). Oder wie wär's mit einem Elektroauto für eine ganze Siedlung? Oder Haltestellen an Stichstrecken, die der Bus nur anfährt, wenn tatsächlich ein Fahrgast an der Haltestelle den Knopf dafür drückt? Alles Spinnereien? Von wegen. Das gibt es alles bereits.

Man hätte Rolf Hoppe von der Kölner Planungsgesellschaft Verkehr noch stundenlang zuhören können, wie er über pfiffige Ideen und alternative Konzepte berichtete, um dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mehr Kunden und mehr Einnahmen zu verschaffen. Und um gleichzeitig das Angebot so attraktiv zu halten, dass auch die Bewohner in Ortschaften abseits der Hauptstrecken nicht abgekoppelt werden. Hoppe stellte jetzt den Kreisentwicklungsausschuss vor die Alternative: "Wenn der letzte Tante-Emma-Laden im Dorf schließt und die Sparkasse ihren Geldautomaten abzieht, reagiert man mit neuen Angeboten oder lässt man das Dorf den Bach runtergehen?"

Es ist Sache des Kreises, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu organisieren. Er ist ein Teil der Daseinsvorsorge. Der Kreis stellt dazu den sogenannten Nahverkehrsplan auf. Darin versucht er den Spagat zwischen attraktivem Angebot und möglichst wirtschaftlichem Betrieb.

Derzeit noch gültig ist der Nahverkehrsplan von 2003, jetzt wird er endlich überarbeitet. Die Schülerzahlen - eine der essenziellen Einnahmen für den Linienbusanbieter OVAG - sinken. Im Schnitt 1000 Schüler weniger werden aktuell pro Tag chauffiert. Aber deshalb können nicht weniger Busse fahren, die Kosten bleiben. Der demografische Wandel mit schrumpfenden Einwohnerzahlen lässt die Fahrgastzahlen weiter zurückgehen.

Auf den Hauptstrecken und zu den Hauptverkehrszeiten sind die Busse gut ausgelastet, abends, an den Wochenenden und auf den Nebenstrecken ist der Busfahrer nicht selten auch der einzige Passagier. Das kennt man auch in Radevormwald. Irene Burger, Verkehrsplanerin der PTV Transport Consult aus Karlsruhe, schlägt deshalb eine Dreiteilung des oberbergischen ÖPNV vor: Konzentration auf die Hauptstrecken als Primärnetz zwischen 6 Uhr früh und 22 Uhr abends. Ein Sekundärnetz erfasst größere Ortsteile und Siedlungsschwerpunkte, und im Tertiärnetz werden kleine Ortschaften von Bürgerbussen angefahren - orientiert an der tatsächlichen Nachfrage dort.

Bis März wollen die Verkehrsexperten diese Netzhierarchie ausarbeiten und Pilotprojekte vorschlagen. Bis Ende April soll der Entwurf des neuen Nahverkehrsplans stehen, der dann noch in diesem Jahr beschlossen werden soll.

Quelle: RP
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