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Radevormwald/Remscheid
Pilotenfehler ließ Cessna abstürzen

Radevormwald/Remscheid. Zweieinhalb Jahre nach dem tödlichen Unglück entlastet der Abschlussbericht Remscheider Co-Piloten weitgehend. Von Bernd Bussang

Eine Verkettung mehrerer schwerer Pilotenfehler haben zum Absturz der Geschäftsmaschine vom Typ Cessna Citation am 12. Juni 2014 am Flugplatz Föhren bei Trier geführt. Das geht aus dem jetzt vorgelegten Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hervor. Vier Menschen an Bord der Maschine fanden den Tod, darunter auch Co-Pilot Karsten Weidner (40) aus Remscheid. Der 40-Jährige war Mitglied des Luftsportvereins Radevormwald und zuletzt dort als Pressesprecher zuständig. Er hinterließ eine Frau, die er erst kurz zuvor geheiratet hatte, und zwei Kinder.

Die Maschine hatte einen 61-jährigen Geschäftsmann und seine 60-jährige Ehefrau von der Fasanenjagd im südenglischen Shoreham bei Brighton abgeholt und war bei dichtem Nebel nahe dem Flugplatz abgestürzt. Schon kurz nach dem Absturz deutete vieles auf ein Versagen des 55-jährigen Piloten aus Bremen hin. Der Untersuchungsbericht nennt nun Einzelheiten zur Unfallursache. Demnach wurden keine technischen Mängel an dem Flugzeug festgestellt. Der 55-jährige Pilot habe trotz dichten Nebels und einer Sichtweite von nur 100 Metern auf dem Flugplatz Föhren landen wollen, obwohl für den Anflug eine Sicht von mindestens 1,5 Kilometer vorgeschrieben war. Zur selben Zeit hätten am Flughafen Frankfurt- Hahn gute Sichtbedingungen geherrscht. Funkkontakt zum Flugplatz habe es nicht gegeben.

Zudem habe der Pilot wahrscheinlich auf einem Navigationsgerät die Höhe des Flughafens falsch eingestellt. Die Behörde attestiert dem Piloten zudem "unzureichendes Situationsbewusstsein", weil er den Sinkflug nicht rechtzeitig abgebrochen habe. Als er das tat, die Maschine in Schräglage vor einem bewaldeten Hang hochriss, war es zu spät. Das Flugzeugs streifte erst einige Baumkronen, prallte dann gegen einen Strommast. Dabei riss eine Tragfläche ab, bevor die Maschine in Rückenlage auf dem Boden aufschlug und auseinanderbrach.

Unklar bleibt, was im Cockpit geschah. Befragungen der Behörde entlasten allerdings den Remscheider Co-Piloten weitgehend von einer Schuld. So heißt es in dem Bericht: "Die durch die BFU befragten Piloten beschrieben die Persönlichkeit des PIC (Piloten) als dominant und von sich überzeugt und die des Copiloten als zurückhaltend, besonnen und kooperativ. Aus den Zeugenaussagen ergaben sich Hinweise auf ein steiles Autoritätsgefälle zwischen PIC und Copilot sowie auf ein sehr belastetes Verhältnis zwischen den beiden." Der Pilot habe nicht viel von den Fähigkeiten des Co-Piloten gehalten und wollte die Zusammenarbeit beenden.

Dass der Abschlussbericht der Behörde erst so spät vorgelegt wurde, begründet BFU-Pressesprecher Germut Freitag mit dem großen Aufwand des Verfahrens sowie mit der Vielzahl der zu untersuchenden Zwischenfälle im Luftraum.

Quelle: RP
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