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Ansichtssache
Polizei muss handeln! Braucht aber Hilfe der Opfer

Radevormwald. Die körperlichen Übergriffe eines aggressiven Raders Ende Oktober sind Gesprächsthema in der Stadt. Im sozialen Netzwerk Facebook tauschten sich hunderte Nutzer aus - teils mit konkreten Erfahrungen. Aber weitere Anzeigen bei der Polizei gibt es überraschenderweise nicht. Aber eine Hetzjagd - und Aufrufe zur Selbstjustiz. Das geht zu weit.

Schreckliches muss ein 13-jähriges Mädchen durchgemacht haben, die Ende Oktober an einer Bushaltestelle in Rädereichen von einem 30-jährigen Rader traktiert wurde. Auch in eine Schlägerei in einem Supermarkt an der Elberfelder Straße war der aggressive Mann nur einen Tag später verwickelt. Einem Opfer wurden dabei mehrere Zähne ausgeschlagen.

Als die BM die beiden Vorfälle diese Woche publik gemacht hatte, war der Aufschrei groß. Was verwundert - oder in der heutigen Zeit vielleicht auch nicht mehr: Im sozialen Netzwerk Facebook hatten sich schon hunderte Nutzer intensiv über den Mann ausgetauscht und einige sich auch gegenseitig ihre Erlebnisse mit dem aggressiven Mann berichtet. Nach Polizeiangaben ist der Verlauf mittlerweile gesperrt und gelöscht, weil es zu enormen Anfeindungen kam, was fast die Ausmaße einer Hetzjagd annahm. Das ging bis zur Selbstjustiz, was natürlich völlig inakzeptabel ist. Jetzt soll die Hetze über WhatsApp weitergehen.

Und was noch viel mehr verwundert: Auch nach einem nochmaligen Appell der Polizei an mögliche weitere Opfer des Mannes, meldete sich lediglich eine Frau, die berichtete, dass der Mann sie verfolgt habe. Das aber ist strafrechtlich kaum relevant - es sei denn, das Verfolgen würde Ausmaße annehmen, die den Straftatbestand des Stalking erfüllen würde. Weitere Anzeigen? Oder zumindest Hinweise? Fehlanzeige! Wenn der 30-Jährige aber tatsächlich über die beiden aktenkundig gewordenen Fälle strafrechtlich in Erscheinung getreten sein soll, müssen sich mögliche weitere Opfer jetzt unbedingt aus der Anonymität des sozialen Netzwerks wagen und bei der Polizei offen über ihre Erlebnisse sprechen. Nur dann hätten die Ordnungsbehörden eine Handhabe gegen den Mann. Die beiden Fälle wurden jedenfalls nach Angaben der Polizei mit Dringlichkeit an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, die weitere Schritte einleiten wird. JOACHIM RÜTTGEN

Quelle: RP
 
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