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Radevormwald
Provokantes Kirchen-Kabarett überzeugt

Radevormwald. Kirche und Kabarett sind ohnehin eine gewagte Kombination. Aber wenn ein Stück dann auch noch die Reformation von Martin Luther und den Djihad in Beziehung zueinandersetzt, kann daraus ein mutiges und polarisierendes Programm werden. Genau deswegen hatte Pfarrer Johannes Dress das Kirchenkabarett "Djihad in Wittenberg" vom "Klüngelbeutel" nach Radevormwald in die Martini-Gemeinde geholt. "Für so ein Programm braucht man Mut, besonders weil wir viel auf Luther halten. Ich bin aber davon überzeugt, dass unsere Gemeinde den Humor und die Lehre des Kabaretts versteht", sagte Dress. Er war bei der Uraufführung auf "Djihad in Wittenberg" aufmerksam geworden und wollte das provokante Kabarett nach Radevormwald holen.

Am Samstag trat Martin Luther dann zu einer überarbeiteten Version des Pop-Songs "Hammer" auf die Bühne. Selbstverliebt und etwas überheblich stellte er sich den Gästen vor und erklärte ihnen den Grund der Reformation. Mit Schrecken stellt er fest, dass Fremde neue Thesen auf seine - mühevoll aufgeschrieben und vervielfacht - geklebt hätten. Ein gewisser Podolski und die Theologin Margot Käßmann sagten ihm auch nichts. Und wer soll Papst Leo sein? "Heutzutage scheint jeder seinen geistigen Dünnschiss mit der Welt teilen zu wollen. Gibt es denn gar keine wahren Christenmenschen mehr?", rief er aus.

Zu allem Überfluss tauchte auch noch die Muslima Fatime neben Martin Luther auf. Gegenseitig erklärten sie sich ihre Gewänder und stritten sich darum, wer von ihnen der Gläubigere ist. Es folgte eine Achterbahnfahrt durch die Zeiten, verschiedenen Religionen und Milieus. Die Künstler erklärten dem Publikum, was Djihad eigentlich wirklich bedeutet, erläuterten den Reformationsgrund mit der Hilfe von Klappstuhl, Saftpresse, Karnevalsnase und Zitronenbonbons und hatten das Publikum schnell auf ihrer Seite.

Das interreligiöse Luther-Programm fragt nach dem Sinn der Religionen und Reformationen, macht auch nicht vor der eigenen Religion halt und traut sich, Karnevalsschlager mit kirchlichen Texten zu vermischen. Das Programm des Ensembles bewegt sich auf der Grenze zwischen ernst und lustig, fromm und frech. Das Konzept scheint aufzugehen, denn "Klüngelbeutel" wurde 2008 mit dem 1. deutschen Kirchenkabarettpreis ausgezeichnet.

Die Sozialpädagogin Ulrike Behmenburg überzeugte mit guter Stimme und gewinnender Mimik, Pfarrer Wolfram Behmenburg eroberte die Bühne mit viel Charisma. Das Kabarett-Team wird mit Walter Kunz, ebenfalls Pfarrer, am Klavier und Doris Kunz als Assistentin komplettiert. Das Konzept der Truppe ist wirkungsvoll, denn die Zuschauer verlebten am Samstag im Gemeindehaus einen witzigen und geistreichen Abend.

(trei)
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