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Radevormwald
Rade wird digitalisiert

Radevormwald: Rade wird   digitalisiert
Hermann Beuchel im Einsatz: Mit einem Spezialfahrzeug war er vergangene Woche an zwei Tagen in Radevormwald unterwegs, um die Straßen der Bergstadt zu erfassen. FOTO: flora treiber
Radevormwald. Diese Woche wurde das Straßennetz der Stadt von einem Vermessungsfahrzeug digital erfasst. Das fertige Kataster soll der Stadtverwaltung im Herbst vorliegen und die Sanierungsplanung erleichtern. Von Flora Treiber

Hermann Beuchel hat auf zwei regenarme Tage in Radevormwald gewartet, um die letzten Straßen der Stadt abzufahren. Der Vermessungsingenieur des Unternehmens Lehmann und Partner aus Erfurt arbeitet an einem digitalen Straßenkataster, das bis Herbst an die Stadtverwaltung übergeben werden soll. Zur Vermessung und Bestandsaufnahme der Straßen ist er Donnerstag und Freitag mit einem auffälligen Kraftfahrzeug die Straßen, die in der Verantwortung der Stadt liegen, abgefahren.

An jeder Ecke des Vermessungsfahrzeugs ist eine Kamera installiert, die alle fünf Meter ein großflächiges Bild der Straße macht. Ein Scanner, der am Ende des Autodachs montiert ist, unterstützt die Aufnahmen mit detaillierten Informationen zu Abständen und Höhen. Der Scanner erkennt zudem Straßenschilder oder Kanaldeckel. "Auf den Fotos können wir Abstände nicht genau erkennen. Der Scanner verknüpft konkrete Infos mit den Bildern. Er erkennt Schilder auch inhaltlich", sagt Beuchel. Die große Panoramakamera, die ebenfalls auf dem Dach des Fahrzeugs Platz findet, hat er in Radevormwald allerdings nicht aktiviert. "Diese Kamera nimmt größere Dimensionen auf und ist zum Beispiel für Stadtraumplanung hilfreich."

Ulrich Dippel, Leiter des Technischen Bauamts der Stadt, will das Straßenkataster allerdings ausschließlich für die Planung von Straßensanierungen und die Erkennung der Straßenzustände nutzen. Auch ohne den Einsatz der Panoramakamera kostet die Erstellung des digitalen Straßenkatasters bis zu 60.000 Euro. Eigentlich sollte diese Maßnahme schon vor zwei Jahren durchgeführt werden. "Aus personellen Gründen hat sich die Umsetzung verzögert. Ich bin gespannt auf das Ergebnis und hoffe auf eine Arbeitserleichterung", sagt Dippel.

Das letzte Mal wurde das Straßennetz der Stadt 2006 erfasst - damals allerdings noch zu Fuß. Eine Jahresaufgabe. "Ein Kollege ist die Straßen abgelaufen und hat sie eigenhändig vermessen. Die Daten sind alt, und digital ist das natürlich alles einfacher", sagt Dippel. Er hofft durch das Straßenkataster auf eine vorausschauendere Sanierungsplanung. Nachdem die Fotos und die Informationen des Scanners durch das Ingenieurbüro ausgewertet wurden, erhalten die einzelnen Straßen Bewertungen. "Wir können dann anhand der Zustandskategorien entscheiden, wo bauliche Maßnahmen nötig sind, welche Straßen besonderen Nachholbedarf haben und um welche Gebiete wir uns erst in ein paar Jahren kümmern müssen. Bisher haben wir nach der Feuerwehrtechnik gehandelt." Will heißen: Da, wo es brennt, wird geholfen. Durch das Straßenkataster wird eine genaue Planung möglich. Und zwar ohne am Ort der Sanierung auf Überraschungen zu stoßen, denn die Kameras merken sich auch Zäune, Hydranten, Pfosten und die Ausprägung der Bordsteinkanten. "All diese Details werden dem Bauamt helfen", sagt Beuchel.

Besonders enge Straßen oder versteckte Treppenanlagen kann der Vermessungsingenieur bei Bedarf mit einem kleinen Quad abfahren. "Ob uns Informationen fehlen und wir nacharbeiten müssen, können wir in einigen Tagen feststellen", sagt er.

Quelle: RP
 
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