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Radevormwald
Rader retten Lebensmittel vor dem Müll

Radevormwald: Rader retten Lebensmittel vor dem Müll
Bernd Hermann packt gemeinsam mit Annelise Zimmermann (l.) und Monika Prise Lebensmittelpakete für Bedürftige. Immer dienstags und freitags werden die Pakete am Wartburghaus ausgegeben. FOTO: Nico Hertgen
Radevormwald. Seit 19 Jahren sammelt der Mittagstisch in Radevormwald Lebensmittelspenden und gibt sie an Bedürftige aus. Die Stiftung wird von Supermärkten und Bäckereien unterstützt, die Unverkäufliches geben, das aber noch genießbar ist. Von Klas Libuda

Diesmal gibt es unter anderem Toastbrot - das Bernd Hermann, Annelise Zimmermann und Monika Prise nun abholbereit verpacken. Das Trio gehört zum Team des Mittagstischs, das immer dienstags und freitags große Lebensmittelpakete an Bedürftige ausgibt. Das Weißbrot hat der Mittagstisch gespendet bekommen. Andernfalls wäre es wohl im Müll gelandet.

550 000 Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr im Handel in Deutschland weggeschmissen, heißt es in einer Studie der Universität Stuttgart - Gemüse mit Druckstellen, Nudelpackungen mit Fehlern auf dem Etikett, Brot vom Vortag. Tonnenweise wandern die Produkte immer noch in die Tonne. Dabei ist Unverkäufliches nicht immer auch ungenießbar.

Das weiß in Radevormwald kaum jemand so gut wie Bernd Hermann vom Mittagstisch. Seit 19 Jahren versorgt die Stiftung Bedürftige in Radevormwald mit Lebensmitteln. Dienstags und freitags werden Lebensmittelpakete ausgegeben, dienstagsmittags gibt es zudem eine warme Mahlzeit im Wartburghaus.

Etwa 100 Teller frisch Gekochtes würden jeden Dienstag ausgegeben, sagt Bernd Hermann. 80 Lebensmittelpakete werden zweimal wöchentlich gepackt. "Das sind dann richtig volle Taschen", sagt Hermann.

27 Ehrenamtler zählt das Team vom Mittagstisch zurzeit, samstags, montags und dienstags sind sie unterwegs und sammeln Lebensmittelspenden ein. Die kommen von Supermärkten, Bäckereien und Metzgereien. Die Spendenbereitschaft, auch von den Rader Bürgern, könne man in Gold nicht aufwiegen, sagt Bernd Hermann. Hinzu kommt eine funktionierende Nachbarschaftshilfe: Die Tafel in Remscheid etwa, die für dortige Bedürftige Lebensmittelspenden sammelt, hat eine Kooperation mit einem örtlichen Discounter. Überschüsse, die in Remscheid auflaufen, geben die Kollegen dort an die Rader Stiftung weiter. "Wir verfolgen ja dasselbe Ziel", sagt Hermann. "Wir wollen helfen."

Vom Mittagstisch angeboten werden Waren aller Art: Tomaten, Bananen, Brot, Kuchen. "Der Eiermann bringt auch immer wieder etwas vorbei", sagt Hermann. Neulich gab es Schokoladen-Osterhasen, die für den Handel unverkäuflich waren, weil Ostern nunmal vorbei ist. Die Schokolade war aber noch bis August haltbar.

Solange es genießbar ist, bietet der Mittagstisch es an. Klar, manche Bananen seien schon etwas dunkler und nicht mehr strahlend gelb, sagt Bernd Hermann. "Aber ich würde die Sachen auch noch essen."

Ausgegeben werden die Lebensmittelpakete zum symbolischen Preis von einem Euro. "Das stärkt das Selbstwertgefühl der Gäste", sagt Hermann. Außerdem würden so immer wieder etwa 80 Euro in die Kasse gespült. Die der Mittagstisch für seine Arbeit gut gebrauchen könne.

In Frankreich hat die Nationalversammlung jetzt Supermärkten verboten, Lebensmittel wegzuwerfen. Bernd Hermann sieht das kritisch. Auf der anderen Seite, meint er, wäre es für die Einkäufer der Supermärkte ein Ansporn, das Sortiment noch genauer zu planen. "Denn es ist um jedes Fitzelchen, das weggeschmissen wird, schade", sagt er. Auf der anderen Seite aber liefe das freiwillige Spendensystem in Rade doch sehr gut sie Ob. Für Bernd Hermann gibt es keinen Grund, einzugreifen.

Quelle: RP
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