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Radevormwald
Rader tischt vor Gericht ein Märchen auf

Radevormwald. Die Polizisten staunten nicht schlecht, als sie im Oktober 2014 zu einem Einsatz an die Hardtstraße in Dahlhausen gerufen wurden: Ein aufgebrachter, gestandener Mann berichtete den Beamten, dass er von seiner recht zierlich wirkenden Verlobten mit einem Messer angegriffen worden war und dass sie mit einer Axt den Wohnwagen attackiert habe. Von Heike Karsten

Dabei zeigte er den Polizisten Wunden, die schon fast verheilt waren. Später widerrief er seine Aussage bei der Polizei schriftlich. Dennoch wurde der Fall nun vor dem Amtsgericht in Wipperfürth verhandelt. "Falsche Verdächtigung" lautete die Anklage. "Sie haben eine Geschichte erfunden, das ist grundsätzlich schon mal strafbar", sagte der Richter. Zudem habe er der Polizei damit auch noch unnötige Arbeit bereitet.

Zunächst versuchte der 52-jährige erwerbsunfähige Witwer seine Unschuld zu beweisen: "Ich nehme täglich Tropfen gegen meine Gelenkschmerzen und habe darauf Wodka getrunken. Das hätte zu einer Bewusstseinsstörung geführt und ihn schon einmal in die Psychiatrie gebracht. "Ich weiß nur noch, dass ich mich mit meiner Verlobten gestritten habe und sie danach die Polizei gerufen hat", sagte er aus.

Erst auf Nachfrage des Richters lenkte er ein. "Es wird schon so gewesen sein, dass ich das gemacht habe. Sonst säße ich ja jetzt nicht hier. Ich will das nicht abstreiten", gab er zu. Der Staatsanwalt rechnete durch die Kombination von Schmerzmittel und Alkohol eine verminderte Schuldfähigkeit an und forderte eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Der Richter blieb noch unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 52-jährigen Radevormwalder zu 40 Tagessätzen à 15 Euro, also zu 600 Euro Geldstrafe. Die Verlobte, die mit zur Verhandlung gekommen war, musste nicht mehr als Zeugin aussagen. Außerdem willigte der Verurteilte ein, auf die Herausgabe der von der Polizei eingezogenen Axt zu verzichten. "Das war eine sehr blöde Aktion", fasste es der Richter noch einmal mit deutlichen Worten zusammen.

Quelle: RP
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