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Radevormwald
Radevormwald im Zweiten Weltkrieg

Radevormwald. Historikerin Dörte Hofschen berichtete beim Geschichtsverein als Zeitzeugin, die die heftigen Kriegswirren mit erlebte. Von Flora Treiber

Dörte Hofschen hat Schulchroniken, Zeitungsartikel und Berichte von Zeitzeugen analysiert, um einen Einblick in das Leben in Rade während des Zweiten Weltkrieges zu rekonstruieren. Zu Beginn eines Vortrages beim Geschichtsverein stellte sie sich ihren Zuhörern als Zeitzeugin vor.

"Am 3. September 1939 habe ich meinen dritten Geburtstag gefeiert. An diesem Tag haben England und Frankreich Deutschland den Krieg erklärt." Mit ihrer Mutter und ihren zwei Geschwistern floh sie vor den Bombenalarmen von 1944 bis 1945 auf einen Bauernhof von Verwandten in der Nähe von Bielefeld. "Meine Großmutter war in Rade in ihrem Haus geblieben, der Kontakt zwischen ihr und meiner Mutter war schnell unmöglich. Bei der Post lief nichts mehr", sagte Hofschen. Die Bombenalarme häuften sich schnell auch in Bielefeld - und die Stunden, die in den Kellerräumen auf der Suche nach Schutz verbracht wurden, nahmen zu.

Die Mobilmachung der männlichen Bürger in Radevormwald verlief im Zweiten Weltkrieg ganz anders als im Ersten. Darüber berichten Eintragungen einer Schulchronik. "Eilboten fuhren von Haus zu Haus und verkündeten den Einberufungsbefehl", sagte Dörte Hofschen. Ein Lehrer, der 1947 auf den Kriegsanfang zurückblickte, schrieb in seine Chronik: "Soldat zu werden, war ein Strich unter mein Leben als Lehrer, Vater und Sportler." Dörte Hofschen, die sich auch in der Chronik des BGV "Radevormwald - 700 Jahre Stadt 1316-2016" mit den beiden Weltkriegen intensiv beschäftigt hat, erzählte von der Parole, die die Einwohner 1945 aus ihren Häusern trieb. "Keiner weiß, woher oder von wem diese Nachricht kam, aber Rade sollte bis 9 Uhr an diesem Tag ausgebrannt sein. Davon berichten Zeitzeugen noch heute. Viele von ihnen flüchteten in die umliegenden Wälder." Der angekündigte Großbrand blieb zum Glück aus.

In Erinnerung geblieben ist der große Bombenangriff auf Elberfeld, der auch in Rade Spuren hinterließ. Im Mai 1943 erlebte die Stadt den Großangriff auf die Nachbarstadt unter Höllenlärm und schweren Erschütterungen. "Am nächsten Morgen war die ganze Stadt von feiner Asche und verbranntem Papier bedeckt", sagte Hofschen.

Schülerleben fand in Rade so gut wie nicht mehr statt. Viele Lehrer mussten in den Krieg ziehen, es gab keine Materialien mehr, und der Weg zur Schule wurde durch Tiefflieger zu einer immer größeren Gefahr. "Im Unterricht wurden Feldpostbriefe und Zeitungen gelesen. Auch die Schüler hatten Interesse an den Ereignissen des Krieges", berichtete die Historikerin. Hofschen gewährte auch Einblicke in ihre Recherchen zu den Fliegermorden und den Kenntnissen von Pfarrer Wolfgang Motte zu den einzigen beiden Juden, die im Zweiten Weltkrieg in ihrer Heimatstadt wohnten.

Auch zur Hitlerjugend und den Ortsgruppenleitern hat Hofschen geforscht. "Richard Rohde, auch Bürgermeister von Rade, wurde bei der Entnazifizierung als 'Mitläufer' eingestuft. Genau wie Walter Giersiepen", sagte sie.

Quelle: RP
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