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Radevormwald
Mans neuer Bürgermeister – Viebach stolpert über Stalking-Anzeige

Überraschender Wahlabend in Radevormwald
Überraschender Wahlabend in Radevormwald FOTO: Hertgen, Nico
Radevormwald. Der von der AL nominierte Kandidat Johannes Mans schafft die absolute Sensation. Christian Viebach (CDU/SPD), bis vor zwei Wochen haushoher Favorit, rutscht sogar noch hinter Bernd-Eric Hoffmann (UWG/Grüne) auf Platz drei.

Die Radevormwalder haben einen Nachfolger von Dr. Josef Korsten zum Bürgermeister gewählt. Johannes Mans, der sich auf eine Anzeige der Alternativen Liste (AL) beworben hatte und von ihr nominiert wurde, schaffte es binnen weniger Wochen, das Vertrauen von 52,69 Prozent der Wähler zu gewinnen. Er erhielt 4106 Stimmen. Korsten hatte bei seiner letzten Wahl 3337 Stimmen auf sich vereinen können. Damals schaffte er 33,5 Prozent. Eine absolute Mehrheit war nach früherem Recht nicht nötig.

Schon als die ersten Auszählungen eintrudelten, wurde deutlich, dass Johannes Mans der Favorit sein würde. In Wilhelmstal bekam er zum Beispiel 52,27 Prozent. Dass diese Zahl fast identisch mit dem Endergebnis war, konnte gegen 18.24 Uhr noch niemand wissen. Als um 19.17 Uhr das vorläufige Endergebnis bekanntgegeben wurde, erhielt der neue Bürgermeister, der derzeit noch in Rheinland-Pfalz wohnt, langanhaltenden Applaus. Zuvor war ein erstauntes Raunen bei der Bekanntgabe der Ergebnisse zunehmend in einen wohlwollenden Applaus übergegangen. Während die Wahlbeteiligung bei nur etwa 45 Prozent lag, war das Interesse an der Vorstellung der Ergebnisse im Bürgerhaus am Sonntagabend sehr groß.

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Christian Viebach bezeichnete das Ergebnis als persönliche Niederlage. "Ich hatte das in dieser Form so nicht erwartet", sagte er, als er zusammen mit seiner Frau Sandra und dem SPD-Vorsitzenden Dietmar Stark kurz vor 19.30 Uhr das Bürgerhaus betrat. Er wünschte Johannes Mans ein gutes Händchen für die Entscheidungen, die er in Zukunft für die Stadt treffen muss. "Die Wähler sind in den vergangenen 14 Tagen aufgrund der Nachricht, die bis heute keine Folgen hatte, verunsichert worden", sagte Viebach. Gegen ihn ermittelt zurzeit die Staatsanwaltschaft wegen einer Stalking-Anzeige durch eine Rathaus-Mitarbeiterin.

Dietmar Stark erklärte, es sei beiden Parteien nicht gelungen, bei den Menschen zu verfestigen, dass in einem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung gilt. Die beiden großen Fraktionen werden das Ergebnis heute Abend in getrennten Sitzungen beraten, kündigten Viebach und Stark an. Zu weiteren Aussagen über die Zukunft sei es noch zu früh.

Bernd-Eric Hoffmann (UWG/Unterstützung Grüne), der im Endergebnis noch vor Viebach lag, meinte, dass die Rader einen Nicht-Radevormwalder zum Bürgermeister haben wollten. "Darunter hat auch mein Wahlergebnis gelitten, weil ich Radevormwalder bin", sagte der UWG-Fraktionsvorsitzende.

Der neue Bürgermeister Johannes Mans bedankte sich nach einer Umarmung mit Korsten bei den Wählern und zollte den beiden anderen Kandidaten großen Respekt. "Ich bin sehr ergriffen", sagte er, "als ich nach Rade kam, dachte ich, die Stadt braucht eine gute Alternative. Ich weiß, es wird eine hohe Hürde und Belastung." Mans hatte am Morgen mit Ehefrau Kornelia das Dankeschön-Frühstück des Ökumenischen Mittagstischs besucht und nachmittags das Konzert in der Kirche St. Marien.

AL-Vorsitzender Rolf Ebbinghaus, der mit seiner Wählergruppe Mans nach dessen Bewerbung nominiert hatte, war glücklich. "Es ist ihm gelungen, zu vermitteln, dass er mit Transparenz und Ehrlichkeit Politik gestalten möchte. Ich glaube, das Ergebnis ist ein Ausrufezeichen der Bürger gegen die großen Parteien", sagte Ebbinghaus.

 

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